Übergewicht und Adipositas bei operierten und nicht operierten Erwachsenen mit angeborenen Herzfehlern und Herzinsuffizienz (ACHD-HF)

R. D. Pittrow (Erlangen)1, F. Harig (Erlangen)1, S. Achenbach (Erlangen)2, J. Barth (München)3, G. Bischoff (München)4, O. Dewald (Erlangen)1, P. Ewert (München)3, A. Freiberger (München)3, J. Hörer (München)5, M. Huntgeburth (München)3, A.-S. Kaemmerer-Suleiman (Erlangen)1, R. Kaulitz (Tübingen)6, F. Mellert (Erlangen)1, N. Nagdyman (München)3, R. Neidenbach (Wien)7, W. Schmiedeberg (München)3, M. Suleiman (Erlangen)1, E. Ury (München)8, L. B. Pittrow (Erlangen)1, F. von Scheidt (München)3, H. Kaemmerer (München)3, S. Freilinger (München)3
1Universitätsklinikum Erlangen Herzchirurgische Klinik Erlangen, Deutschland; 2Universitätsklinikum Erlangen Medizinische Klinik 2 Erlangen, Deutschland; 3Deutsches Herzzentrum München Klinik für angeborene Herzfehler und Kinderkardiologie München, Deutschland; 4Barmherzige Brüder Krankenhaus München Klinik für Innere Medizin I; Gastroenterologie, Hepatologie, Onkologie und Allgemeine Innere Medizin München, Deutschland; 5Deutsches Herzzentrum München Klinik für Chirurgie angeborener Herzfehler und Kinderherzchirurgie München, Deutschland; 6Universitätsklinikum Tübingen Pädiatrische Kardiologie Tübingen, Deutschland; 7Universität Wien Institut für Sport- und Bewegungswissenschaft Wien, Österreich; 8Deutsches Herzzentrum München Klinik für Kinderkardiologie und angeborene Herzfehler München, Deutschland

HINTERGRUND UND ZIEL: Adipositas ist ein wachsendes globales Gesundheitsproblem und betrifft häufig auch Erwachsene mit angeborenen Herzfehlern (EMAH), bei denen die Herzinsuffizienz (HI) eine Hauptursache für Morbidität und Mortalität darstellt. Die Wechselwirkung zwischen bestehenden kardialen Anomalien und der durch Übergewicht oder Adipositas verursachten metabolischen Belastung ist klinisch von Bedeutung. Diese Studie liefert real-world-Daten zu Übergewicht und Adipositas bei einer großen Kohorte von nativen, interventionell oder operativ behandelten EMAH.

METHODE: Das webbasierte Pathfinder- AHF -Register dokumentiert seit 2022 Erwachsene mit angeborenen Herzfehlern (EMAH) und Herzinsuffizienz prospektiv und erfasst neben detaillierten klinischen Daten auch das Vorhandensein von Übergewicht und Adipositas. Adipositas wird dabei definiert als Body-mass-index (BMI)  ≥30 kg/m² und Übergewicht als BMI 25-29,9 kg/m² . Gruppenunterschiede wurden mittels ANOVA analysiert; ein p-Wert <0,05 wurde als signifikant betrachtet.

ERGEBNISSE: Seit November 2022 wurden 1.420 Patienten (Durchschnittsalter 37,7 ± 12,4 Jahre; 47,3 % weiblich) in das Register aufgenommen. Von diesen waren 639 Patienten (45,0 %) übergewichtig oder adipös. Signifikante Unterschiede im BMI und Übergewicht wurden zwischen den verschiedenen AHF-Gruppen festgestellt. Patienten mit posttrikuspidalen Shunts (132) hatten einen signifikant höheren BMI (27,9 ± 6,7 kg/m²) und eine Adipositas-Prävalenz von 53,0 % im Vergleich zu 580 Patienten mit komplexen AHF (BMI: 24,8 ± 4,5 kg/m²; Adipositas-Prävalenz: 44,0 %) und 313 Patienten mit rechtsseitigem AHF (BMI: 25,1 ± 5,0 kg/m²; Adipositas-Prävalenz: 48,8 %) (p<0,001). Kein signifikanter Unterschied wurde zwischen 157 Patienten mit linksseitigem AHF (BMI: 25,6 ± 4,3 kg/m²; Adipositas-Prävalenz: 51,6 %) und den anderen Gruppen festgestellt. Von den adipösen Patienten hatten 65,7 % eine reparative oder palliative Herzoperation erhalten, 18,6 % wurden interventionell behandelt und 13,6 % hatten einen nativen AHF. Insgesamt 343 (53,7 %) Patienten mit Anamnese einer Zyanose waren adipös.

SCHLUSSFOLGERUNGEN: Das Pathfinder-Register liefert umfassende Daten zur Beziehung zwischen Gewichtsproblemen und medizinischen, chirurgischen und/oder interventionellen Behandlungen der zugrunde liegenden AHF. Adipositas und Übergewicht werden bei herzinsuffizienten EMAH oftmals unzureichend adressiert, insbesondere was therapeutische und präventive Maßnahmen betrifft.