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ADVENT-LTO: 4-Jahres-Vergleich von Pulsed Field und thermischer Ablation bei paroxysmalem Vorhofflimmern

Von:

Dr. Jan Rieß


Universitäres Herz- und Gefäßzentrum
Martinistraße 52
20246 Hamburg

Februar 2026

Bildquelle (Bild oben): A to Z – stock.adobe.com

Auf einen Blick

  • Randomisierte Langzeit-Follow-up-Studie (ADVENT-LTO) mit 364 Patient:innen mit paroxysmalem Vorhofflimmern (AF), randomisiert zu Pulsed Field Ablation (PFA) mittels Pentaspline-Katheter versus konventioneller thermischer Ablation (Radiofrequenz (RFA) oder Cryo).
  • Untersuchung der 4-Jahres-Wirksamkeit und -Sicherheit nach Katheterablation.
  • Primärer Effektivitäts-Endpunkt: Freiheit von atrialen Tachyarrhythmien (AF/AT/AFL ≥ 30 s), Kardioversion oder Re-Ablation nach 3-monatiger Blanking-Periode.

Conclusion

Die Pulsed Field Ablation zeigte eine anhaltend vergleichbare Wirksamkeit und Sicherheit gegenüber der konventionellen thermischen Ablation im Hinblick auf den primären Endpunkt mit einer nachhaltigen Verbesserung der Lebensqualität (AFEQT, EQ-5D-3L) über ein 4 Jahres-Follow-up.

Pros

  • Erster direkter 4-Jahres-Vergleich von PFA vs. thermischer Ablation (Cryo / RFA)
  • Randomisiertes Studiendesign mit Follow-up über ca. 3,6 Jahre
  • Multizentrische Studie (25 US-Zentren) mit hoher externer Validität (Core-Lab)

Cons

  • Retrospektive Datenerhebung und lediglich 60 % der ursprünglichen ADVENT-Kohorte nachträglich in ADVENT-LTO-Trial eingeschlossen
  • Nur 75% der PFA- und 66% der Cryo-/RFA-Patient:innen mit 7-Tage-Holter (Rest erhielt reine Aktenrecherche)
  • „Gesundes“ Kollektiv mit niedrigem, mittlerem CHA2DS2-VASc score von 1,6

Grafische Zusammenfassung

Consort-Diagramm; Kaplan-Meier-Kurven zur Ereignisfreiheit des primären Endpunktes

Good to know

  • Alle Analysen sind rein explorativ und hypothesengenerierend.
  • 91% der Patient:innen, welche 1  Jahr nach PFA rezidivfrei waren, blieben es bis zum 4-Jahres-Follow-up (-> Plateaubildung nach 1 Jahr mit gutem Langzeiteffekt)
  • Der verwendete primäre Endpunkt erlaubte Antiarrhythmika während des Follow-up (anders als im ursprünglichen ADVENT trial)
  • Im thermischen Ablationsarm erhielten etwa doppelt so viele Patient:innen Antiarrhythmika während des Follow-up (20,4 % vs. 11,5 %).
  • Die thermische ADVENT-LTO-Ablationsgruppe zeigte einen nicht signifikanten Trend zu schlechteren Ergebnissen im Vergleich zu den nicht wieder-eingeschlossenen ADVENT-Patient:innen.
  • Die Lebensqualität blieb annährend konstant im Vergleich zwischen dem 1- und 4-Jahres-Follow-up.
  • Ein möglicher Vorteil der PFA hinsichtlich des primären Effektivitäts-Endpunktes wurde in diesem Kollektiv bei Männern beobachtet (HR 0.55, 95%CI 0.33–0.91).
  • 64 von 65 der Interventionalist:innen hatten vor Studienbeginn keine Erfahrung mit dem Pentaspline-PFA-Katheter.
  • Anders als in der CIRCA-DOSE-Subanalyse zeigten sich ähnliche Progressionsraten zu persistierendem AF zwischen RFA und Cryoablation.
  • Keine IIT, Studie wurde vom Sponsor (Boston Scientific Inc.) initiiert.

Referenz:

Reddy VY, Gerstenfeld EP, Mountantonakis SE et al. Pulsed Field versus Conventional Thermal Ablation for Paroxysmal Atrial Fibrillation: 4-Year Outcomes in the ADVENT-LTO Study. Nature Medicine. 2026.https://doi.org/10.1038/s41591-026-04246-4

Zum Autor

Dr. Jan Rieß

Dr. Jan Rieß ist Assistenzarzt an der Klinik für Kardiologie des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf. Sein klinischer und wissenschaftlicher Schwerpunkt liegt auf dem Zusammenspiel von Elektrophysiologie und Herzinsuffizienztherapie. Einen besonderen Fokus bildet der Aufbau klinischer Kohortenstudien mit datengetriebenen und automatisierten Strukturen. Er ist stellvertretender Sprecher des Arbeitskreises youngEP der AGEP sowie Ambassador der Young DGK.

Dr. Jan Rieß

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