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KI-basiertes Screening auf strukturelle Herzerkrankungen

ACC-Kongress 2026 | PREVUE-VALVE: Können KI-gestützte Modelle die Früherkennung flächendeckend und effektiv verbessern? Erste Ergebnisse der PREVUE-VALVE-Studie geben Einblicke in die Leistung eines KI-gestützten Modells zur Erkennung struktureller Herzerkrankungen anhand von EKG-Daten in einer unselektierten Population. Prof. Timothy Poterucha (New York, USA) stellte die Daten vor.1


Dr. Konstanze Betz (Universitätsklinikum Heidelberg) berichtet und kommentiert.

Von:

Dr. Konstanze Betz

Rubrikleiterin Digitale Kardiologie

 

 

02.04.2026

Bildquelle (Bild oben): pisaphotography / Shutterstock.com

Hintergrund

Mit einer alternden Bevölkerung steigen Inzidenz und Prävalenz struktureller Herzerkrankungen weltweit an. Derzeit fehlt es jedoch an kosteneffektiven, sicheren und bevölkerungsnahen Screening-Methoden, sodass strukturelle Herzerkrankungen oft noch unerkannt bleiben und folglich nicht, oder erst in späteren Erkrankungsstadien, behandelt werden. Das KI-basierte Modell „EchoNext“ hat im klinischen Kontext bereits Erfolge bei der Detektion von strukturellen Herzerkrankungen anhand von EKG-Daten gezeigt, wurde jedoch bislang nicht im Rahmen eines bevölkerungsweiten Screenings untersucht.2 Das Ziel der präsentierten Arbeit ist neben der Prävalenz auch die Evaluation des EchoNext-KI-Modells zur Erkennung von strukturellen Herzerkrankungen in einer unselektierten Population.

Methodik

Personen im Alter von 65 bis 85 Jahren wurden über Datenbanken von Apotheken aus über 5 US-Bundesstaaten rekrutiert. Nach Studieneinschluss erhielten die Teilnehmenden eine Echokardiografie sowie 12-Kanal EKG, die jeweils in der häuslichen Umgebung durchgeführt wurden. Das EchoNext-KI-Modell wurde anschließend auf den PREVUE-VALVE-Datensatz angewendet und mit dem ursprünglichen, krankenhausbasierten Testdatensatz verglichen.

Ergebnisse

Insgesamt wurden Echokardiografie- und EKG-Daten von 2.402 Personen (58 % weiblich, mittleres Alter 71 Jahre) analysiert. Die Prävalenz für strukturelle Herzerkrankungen lag bei 7,5 %. Das EchoNext-Modell zeigte eine moderate Performance (AUROC 71,0, Sensitivität/Spezifität jeweils 67 %, PPV 14 %, NPV 96 %) zur Erkennung von strukturellen Herzerkrankungen im PREVUE-VALVE-Bevölkerungsdatensatz. Im Vergleich dazu ergab sich im krankenhausbasierten Datensatz eine bessere Vorhersageleistung (AUROC 82,5).

 

Subgruppenanalysen zeigten eine verbesserte Modellperformance bei Personen mit EKG-Veränderungen oder eingeschränktem allgemeinen Gesundheitszustand. Die Autorinnen und Autoren schlussfolgerten, dass die moderate Performance in der unselektierten Population auf Unterschiede im Krankheitsspektrum zurückzuführen ist: Während im klinischen Setting häufiger fortgeschrittene Krankheitsstadien vorliegen, sind diese in der Allgemeinbevölkerung oft weniger ausgeprägt, was die Differenzierbarkeit reduziert.

Fazit

Die Leistungsfähigkeit von KI-Modellen zur Erkennung struktureller Herzerkrankungen hängt stark von dem Krankheitsspektrum und den Charakteristika der zugrunde liegenden Population ab. Während Modelle in krankenhausbasierten Datensätze erfolgreiche Ergebnisse erzielen, können deren Eigenschaften sich in unselektierten Populationen verändern. Die Ergebnisse der PREVUE-VALVE-Studie unterstreichen die Notwendigkeit einer sorgfältigen Validierung KI-gestützter Modelle für spezifische Anwendungsfälle.

Kommentar

Die Ergebnisse der PREVUE-VALVE-Studie bieten einen spannenden Einblick in die Herausforderungen einer Translation von krankenhausdaten-basierten KI-Modellen auf die Allgemeinbevölkerung. Obwohl KI ein großes Potenzial zur Früherkennung bietet, sollte ein Fokus nicht nur in deren Generierung, sondern auch Validierung in unterschiedlichen und unselektierten Populationen liegen. Künftig könnte ein Zugang zu offen nutzbaren, anonymisierten Datensätzen und verfügbaren Algorithmen eine breitere Validierung über verschiedene Anwendungsszenarien hinweg ermöglichen.

Zur Person

Dr. Konstanze Betz

Dr. Konstanze Betz ist als Assistenzärztin an der Klinik für Kardiologie, Angiologie und Pneumologie am Universitätsklinikum Heidelberg sowie als PhD-Studentin am Cardiovascular Research Institute Maastricht tätig. Ihr wissenschaftlicher Schwerpunkt liegt in der digitalen Versorgung von Patientinnen und Patienten mit Vorhofflimmern. Darüber hinaus ist sie Generalsekretärin der Deutschen Gesellschaft für Digitale Medizin (DGDM e.V.).
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Key Facts der Studie

Eignet sich das KI-basierte Modell „EchoNext“ zur Früherkennung von strukturellen Herzerkrankungen anhand von EKG-Daten?

Die Analyse der Daten einer Stichprobe von 2.402 Personen (65–85 Jahre alt) aus den USA ergab eine moderate Performance (AUROC 71,0; Sensitivität/Spezifität jeweils 67 %, PPV 14 %, NPV 96%).

Entgegen vorhergehender Erfolge im klinischen Setting wurde eine moderate Performance des KI-Modells in der unselektierten Population beobachtet. Der Fokus muss daher nicht nur in der Generierung, sondern auch Validierung in unterschiedlichen und unselektierten Populationen liegen. Der Zugang zu anonymisierten Datensätzen könnte zukünftig eine breitere Validierung ermöglichen.

Referenzen

  1. Poterucha TJ et al. Artificial Intelligence Based Screening For Structural Heart Disease Using An ECG: Results From The PREVUE-VALVE Study. Investigative Horizons II, 30.03., New Orleans, ACC 2026.
  2. Poterucha TJ et al. Detecting structural heart disease from electrocardiograms using AI. Nature. 2025;644(8075):221-230. doi: 10.1038/s41586-025-09227-0. 

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