Etwa 30–40 % aller Patientinnen und Patienten mit einer primär genetischen hypertrophen Kardiomyopathie (HCM) weisen keine LVOT-Obstruktion auf. Es gibt bisher keine zugelassenen CMI-Therapien für die nHCM; Betablocker und Kalziumkanalblocker bieten nur begrenzte Symptomlinderung. MAVERICK-HCM (Phase 2, Mavacamten, 2020) zeigte in nHCM deutliche Biomarkerreduktionen (NT-proBNP –53 %, cTnI –34 %), die Phase-3-Studie ODYSSEY-HCM (n=580, 48 Wochen) verfehlte 2025 jedoch beide primären Endpunkte.2,3 Erst Anfang Mai 2026 veröffentlichte Cytokinetics in einer Pressemitteilung positive Ergebnisse für die Phase-3-Studie mit Aficamten bei nHCM.4 Nun wurden die Phase-2-Ergebnisse für BHB/HRS-1893, einen selektiven, reversiblen CMI der nächsten Generation (Jiangsu Hengrui/Braveheart Bio), vorgestellt.
Die Phase-2-RCT (NCT06816251, doppelblind, placebokontrolliert) randomisierte 84 Erwachsene mit nHCM (LVEF ≥60 %, NYHA II–III, LVOT-Gradient <30 mmHg in Ruhe und unter Valsalva, Wanddicke ≥15 mm) im Verhältnis 1:1:1 auf Niedrigdosis (LD, 20–40 mg zweimal täglich, n=28), Hochdosis (HD, 20–40–60 mg zweimal täglich, n=28) oder Placebo (n=28). Die Dosierung wurde LVEF-gesteuert angepasst; bei LVEF-Abfall unter 45 % wurde die Medikation unterbrochen, bei einer LVEF <50 % wurde die Dosis reduziert. Die Behandlung dauerte 12 Wochen und untersuchte als Phase-2-Studie primär die Endpunkte Sicherheit und Wirksamkeit; sekundär wurden NT-proBNP, hs-cTnI, KCCQ-CSS, pVO2 und echokardiografische Parameter untersucht.
Die drei Gruppen waren hinsichtlich der klinischen Basisdaten zu Studienbeginn vergleichbar (mittleres Alter 44–51 Jahre, LVEF ~68 %, 100 % NYHA-Klasse II). Das NT-proBNP sank im Hochdosis-Arm um 68 % und das hs-cTnI um 60 % vom Ausgangswert. Echokardiografisch wurde eine Verbesserung der diastolischen Funktion sowie eine Abnahme des LAVI und des LV-Massenindex beobachtet. Der KCCQ-CSS stieg absolut um 18 Punkte (placebo-adjustiert +5,5 Punkte). Die pVO2 war im Hochdosis-Arm placebo-adjustiert um +0,5 mL/min/kg verbessert (unter der Höchstdosis +0,9 mL/min/kg). Es wurden keine schwerwiegenden unerwünschten Ereignisse und kein Therapieabbruch berichtet. Bei 7,1 % (4 von 56 Behandelten) sank die LVEF unter 50 %, wobei es in allen Fällen zu einer Normalisierung nach Dosisreduktion kam.
Der primäre Sicherheitsendpunkt und das kleine Studienkollektiv (n=84) schließen belastbare Wirksamkeitsaussagen aus. Die kurze Behandlungsdauer (12 Wochen) sowie eine ausschließlich chinesische Studienpopulation sind zu berücksichtigen. Baseline-Imbalancen beim NT-proBNP zwischen Niedrigdosis- und Hochdosis-Arm (1.026 vs. 646 pg/mL) erschweren den direkten Gruppenvergleich. Zudem erfolgte das strukturelle Assessment mittels Echokardiografie und auf eine kardiale MRT wurde verzichtet. Das Nicht-Erreichen der primären Endpunkte von Mavacamten in ODYSSEY-HCM trotz ähnlicher Phase-2-Biomarkereffekte mahnt zur Zurückhaltung.
BHB/HRS-1893 demonstrierte positive Wirksamkeitssignale für die Behandlung der nHCM bei einem guten Sicherheitsprofil: neben deutlicher Biomarkerreduktion ergaben sich auch Signale für ein strukturelles reverses Remodeling. Im Kontext des positiven ACACIA-HCM-Ergebnisses mit Aficamten etabliert sich die nHCM als eigenständiges CMI-Therapiefeld; eine globale Phase-3-Studie mit BHB/HRS-1893 wurde angekündigt.
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