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Quick Dive: Myokarditis und Perikarditis

In unserer Reihe "Quick Dive" stellen die Autorinnen und Autoren von DGK-Publikationen prägnant die wichtigsten Hintergründe und Inhalte der jeweiligen Veröffentlichung vor. Dieses Mal wird eingetaucht in:

Management von Myokarditis und Perikarditis

DGK-Kommentar zu den Leitlinien der ESC (2025) aus der Kommission für Klinische Kardiovaskuläre Medizin der DGK

28.04.2026 | Verfasst von: Jeanette Schulz-Menger · Jan Gröschel · Christoph Birner · Bettina Heidecker · Karin Klingel · Roman Laszlo · Benjamin Meder · Karin Rybak · Franziska Seidel · Christian Ukena · Ingrid Kindermann

Von:

Melissa Wilke

HERZMEDIZIN-Redaktion

 

05.06.2026

Bildquelle (Bild oben): vovan / Shutterstock.com

5 Fragen an die Erstautorin

Prof. Jeanette Schulz-Menger, Charité - Universitätsmedizin Berlin

Was sind Anlass und Ziel der Publikation?

 

Anlass der Publikation ist die erste ESC-Leitlinie zum Management von Myokarditis und Perikarditis, die beide Entitäten erstmals unter dem übergeordneten Konzept des inflammatorischen myoperikardialen Syndroms (IMPS) zusammenführt. Während eine Guideline zur Perikarditis zum dritten Mal erscheint, wird die Myokarditis das erste Mal betrachtet.  Ziel des DGK-Kommentars ist es, die zentralen Aspekte der Leitlinie für die klinische Praxis einzuordnen und ihre Bedeutung für Diagnostik, Risikostratifizierung, Therapie und Nachsorge darzustellen.


Was sind die wichtigsten Take-Home Messages?

 

  1. Myokarditis und Perikarditis sollten als Spektrum des IMPS verstanden werden, da Ätiologien als auch klinische Präsentationen häufig überlappen.
  2. Die Leitlinie etabliert symptombasierte Algorithmen — z.B. bei Thoraxschmerz, Arrhythmien oder Herzinsuffizienz — und stärkt damit ein strukturiertes, patientenzentriertes Vorgehen.
  3. Die CMR nimmt eine zentrale Rolle ein: Bei passender Klinik und positiver CMR kann die Diagnose einer Myokarditis nichtinvasiv gesichert werden.
  4. „Red flags“ werden eingeführt, um Hochrisikopatienten früh zu erkennen und rasch stationär, multidisziplinär und ggf. invasiv weiter abzuklären.
  5. Die Endomyokardbiopsie bleibt essenziell bei Hochrisikokonstellationen und bei Verdacht auf spezifische, unmittelbar therapierbare Entitäten.
  6. Therapie und Belastungskarenz sollen stärker individualisiert erfolgen — abhängig von Phänotyp, Schweregrad, Ätiologie, Aktivität und Verlauf. Die Rückkehr zu „Work, Sports and Play“ wird individuell betrachtet, ein zeitlich starres Vorgehen soll vermieden werden
  7. Genetik, Autoimmunität und Autoinflammation werden stärker berücksichtigt; dies eröffnet neue diagnostische und therapeutische Perspektiven.
  8. Komplexe IMPS-Fälle erfordern multidisziplinäre Teams und möglichst klare regionale Versorgungsstrukturen.
  9. Ein Follow-up der Patient:innen ist notwendig

 

Eine zentrale Abbildung aus der DGK-Publikation:

zentrale Darstellung der ESC-Leitlinien zu Myokarditis und Perikarditis
© ESC

Abb.: Zentrale Illustration der ESC-Leitlinien zu Myokarditis und Perikarditis. EKG, Elektrokardiogramm; EMB, endomyokardiale Biopsie; IMPS, entzündliches Myoperikard-Syndrom; SCD, plötzlicher Herztod; TTE, transthorakale Echokardiographie. Bildquelle: © ESC2025. Schulz-Menger et al (2025) Eur Heart J 46(40):3952–4041. https://doi.org/10.1093/eurheartj/ehaf192

Was sind Herausforderungen bei der Umsetzung und mögliche Lösungen?

 

Eine wesentliche Herausforderung ist die flächendeckende Verfügbarkeit qualitativ hochwertiger CMR-Diagnostik mit direkter Integration in die klinische Versorgung aber auch das Vorhandensein technischer Möglichkeiten  einschließlich parametrischer Mapping-Techniken, standardisierter klinisch orientierter Befundung. Leider ist  der Erwerb der  fachgebundenen Kardio-MRT Zusatzbezeichnung nach wie vor nicht in allen Bundesländern möglich, obwohl die Methode  in der Musterweiterbildungsordnung enthalten ist und für viele Fragestellungen in der Kardiologie notwendig ist in der klinischen Versorgung. Hinzu kommen begrenzte Kapazitäten für Verlaufskontrollen sowie die unzureichende Vergütungssituation der Kardio-MRT in Deutschland. Das Problem der Verfügbarkeit und Standardisierung betrifft jedoch auch die EMB.

 

Lösungsansätze sind strukturierte Weiterbildung zur Einhaltung von definierten Qualitätsstandards, regionale Netzwerke, Hub-and-spoke-Modelle und klare Schnittstellen zwischen Klinik, Bildgebung, Pathologie, Genetik, Immunologie/Rheumatologie und Intensivmedizin.

 

Welche Punkte sind offengeblieben?

 

Offen bleiben unter anderem die prognostische Bedeutung kombinierter Formen von Myokarditis und Perikarditis, die optimale Frequenz und Dauer der Nachsorge, die genaue Rolle genetischer Varianten in der Pathophysiologie sowie der Stellenwert neuer antiinflammatorischer und immunmodulatorischer Therapien bei Myokarditis. Viele Empfehlungen beruhen weiterhin auf Expertenkonsens bzw. Level-C-Evidenz, da große prospektive Studien fehlen. 

 

Ausblick: Welche Entwicklungen zum Thema zeichnen sich ab?

 

Es ist zu erwarten, dass IMPS durch die neue Terminologie und die klareren diagnostischen Pfade künftig häufiger erkannt und strukturierter behandelt wird. Zentrale Entwicklungen werden eine stärkere Integration von CMR und CT in Aus- und Weiterbildung um eine bessere Versorgung der Patientinnen und Patienten zu garantieren, bessere Standardisierung der Bildgebung, prospektive Register und Studien sowie neue personalisierte Therapieansätze sein.

Weiter zur vorgestellten Publikation:

Zur Person

Prof. Jeanette Schulz-Menger

Prof. Jeanette Schulz-Menger leitet die Hochschulambulanz für Kardiologie und die AG Kardiovaskuläre MRT an der Charité Campus Buch – Universitätsmedizin Berlin. Zudem ist sie Leiterin der nicht-invasiven kardialen Bildgebung am Helios Klinikum Berlin-Buch. Ihr Forschungsschwerpunkt liegt auf der Weiterentwicklung der kardiovaskulären MRT.

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Kurzinfo: Die Formate der DGK-Publikationen

Leitlinien sind für Ärztinnen und Ärzte eine wichtige Stütze im klinischen Alltag, um ihre Patientinnen und Patienten nach neuestem Stand der Wissenschaft bestmöglich zu behandeln. Dabei dienen die Leitlinien als verlässliche Handlungsempfehlungen in spezifischen Situationen.

Pocket-Leitlinien sind Leitlinien in kompakter, praxisorientierter Form. Bei Übersetzungen von Pocket-Leitlinien der ESC werden alle Empfehlungsklassen und Evidenzgrade der Langfassung übernommen.

Master Pocket-Leitlinien stellen eine Zusammenfassung der wichtigsten Aspekte der Leitlinienempfehlungen in Form von grafischen Diagnose- und Therapiealgorithmen dar. Als Quelle der Empfehlungen dienen dabei vorwiegend die nach strengen wissenschaftlichen Kriterien erstellten Leitlinien der European Society of Cardiology (ESC) sowie deren deutsche Übersetzung durch die DGK.

CardioCards behandeln im Wesentlichen Themen der Diagnostik und Akuttherapie für den ambulanten Bereich. Hier werden die essenziellen Informationen von Leitlinien komprimiert und übersichtlich zusammengefasst.

Kommentare beinhalten Hinweise, wie sich die neuen von den alten Leitlinien unterscheiden, Hinweise auf wesentliche Neuerungen, die seit dem Erscheinen der ESC-Leitlinien bekannt geworden sind, Diskussion kontroverser Empfehlungen in den ESC-Leitlinien sowie Möglichkeiten und Grenzen der Leitlinienumsetzung im Bereich des deutschen Gesundheitswesens.

Ein Positionspapier behandelt eine Fragestellung von großem allgemeinen Interesse, für die keine aktuelle Leitlinie vorliegt.

Bei einem Konsensuspapier handelt es sich um ein von mehreren Fachgesellschaften getragenes Statement.

Diese Veröffentlichungen enthalten Empfehlungen einer DGK-Arbeitsgruppe zu einer speziellen Frage von großem Interesse.

Stellungnahmen der DGK beziehen sich auf gesundheitspolitische Fragestellungen und erfolgen durch den Vorstand, gemeinsam mit Kommissionen und Projektgruppen. Sofern möglich und sinnvoll, werden auch Fachgesellschaft-übergreifende Stellungnahmen ausgearbeitet.

Ein Manual ist eine praktisch orientierte Expertenempfehlung für wesentliche kardiovaskuläre Prozeduren.

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