Arzt hält Herz-Hologramm, das von Healthcare Icons umgeben ist

Nationales Herz-Netz soll umfassende Analyse liefern

Die DGK hat, mit Unterstützung der Friede-Springer-Stiftung, das Nationale Herz-Netz (NHN) initiiert, welches zukünftig eine umfassende Datenanalyse von Routinedaten aus dem klinischen Alltag erfassen soll. DGK-Präsident Prof. Stefan Blankenberg hat das Konzept des NHN entwickelt und beantwortet im Interview Fragen zum neuen Register.

 

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Von:

Larissa Esch

DGK-Redaktion

 

17.06.2026

 

Bildquelle (Bild oben): raker / shutterstock.com

Verbesserung der Behandlungsqualität in ganz Deutschland

HERZMEDIZIN: Was ist das neue Nationale Herz-Netz und welche konkreten Ziele verfolgt es?

 

Blankenberg: Das Nationale Herz-Netz (NHN) ist eine Initiative der DGK, die von der Friede-Springer-Stiftung gefördert wird. Mit dem NHN soll eine bundesweite Datenplattform für die Herzmedizin aufgebaut werden. Dabei sollen medizinische Daten aus dem stationären, und perspektivisch auch ambulanten, Versorgungsalltag systematisch zusammengeführt und ausgewertet werden. Im Mittelpunkt des Versorgungsdaten-Registers steht die Verbesserung der Behandlungsqualität von Herzpatientinnen und -patienten in ganz Deutschland. Darüber hinaus soll das Netzwerk neue Erkenntnisse über die Wirksamkeit von Therapien liefern, Versorgungslücken sichtbar machen und langfristig dazu beitragen, vermeidbare Todesfälle durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu reduzieren und die Lebensqualität der Betroffenen zu erhöhen. Mit der Gründung der NHN gGmbH beginnen aktuell die Vorbereitung einer Pilotphase, in die drei Modellregionen in Deutschland eingebunden werden. Nach dieser ersten Stufe wird das Register bundesweit ausgerollt.

 

HERZMEDIZIN: Inwiefern unterscheidet sich das NHN von bisherigen Datensammlungen oder Registern in der Kardiologie?

 

Blankenberg: Das Nationale Herz-Netz unterscheidet sich grundlegend von bisherigen Datensammlungen und Registern in der Kardiologie vor allem durch seinen umfassenden und sektorenübergreifenden Ansatz. Während klassische Register meist auf bestimmte Erkrankungen oder ausgewählte Patientengruppen beschränkt sind und häufig für konkrete Studienzwecke eingerichtet werden, ist das NHN als erstes flächendeckendes Netzwerk konzipiert. Es verbindet Daten aus verschiedenen Bereichen der medizinischen Versorgung und nutzt kontinuierlich anfallende Routinedaten aus der Praxis. Dadurch ermöglicht das NHN eine breitere und zugleich langfristigere Datengrundlage als herkömmliche Register. 

Zur Person

Prof. Stefan Blankenberg

Prof. Stefan Blankenberg ist Ärztlicher Leiter des Universitären Herz- und Gefäßzentrums Hamburg sowie Direktor der Klinik für Kardiologie am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. Zu seinen Forschungsschwerpunkten zählen innovative Methoden zur Diagnose und Therapie des Herzinfarktes sowie moderne Populationsforschung. Für 2025–2027 wurde er zum Präsidenten der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK) gewählt.

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Kontinuierlich wachsende Datenbasis soll eine noch realitätsnähere Forschung unterstützen

HERZMEDIZIN: Welche Rolle spielen die Routinedaten aus der medizinischen Versorgung im NHN und wie sollen sie genutzt werden?


Blankenberg: Routinedaten stellen die zentrale Grundlage des Nationalen Herz-Netzes dar. Dabei handelt es sich um Daten, die im Rahmen der täglichen medizinischen Versorgung ohnehin erhoben werden, beispielsweise Diagnosen, Laborwerte, verordnete Medikamente oder Behandlungen wie Interventionen und Operationen. Zur Unterstützung der Datenerfassung im klinischen Alltag ist es im Rahmen der Pilotphase vorgesehen, den beteiligten Kliniken personelle Unterstützung bereitzustellen. 


Die erhobenen Daten sollen durch eine eigens für das NHN programmierte KI-Anwendung, strukturiert zusammengeführt und standardisiert aufbereitet werden. Auf diese Weise können Informationen aus stationären und perspektivisch auch ambulanten Behandlungsprozessen deutschlandweit analysiert und ausgewertet werden. Von hoher Bedeutung ist es, Daten zu langfristigen Krankheitsverläufen oder Behandlungsergebnissen zu erfassen – natürlich unter Einhaltung von geltenden Datenschutzbestimmungen. 

 

HERZMEDIZIN: Welche Vorteile könnte das NHN konkret für die Patientenversorgung und Therapieentscheidungen bringen?

 

Blankenberg: Der große Vorteil liegt darin, dass die Informationen die reale und flächendeckende Versorgung widerspiegeln und somit sogenannte Real-World-Daten in nahe Echtzeit liefern. Auf dieser Basis können fundierte Analysen durchgeführt werden, die ein besseres Verständnis darüber ermöglichen, wie Therapien im Alltag tatsächlich wirken. Das NHN hat das Potenzial, die Patientenversorgung maßgeblich zu verbessern, indem individuellere Therapieentscheidungen ermöglicht werden. Es kann beispielsweise besser erkannt werden, welche Behandlungsansätze bei bestimmten Patientengruppen besonders wirksam sind. Dies erleichtert es Ärztinnen und Ärzten, Therapien noch gezielter auszuwählen und an die individuellen Bedürfnisse der Patientinnen und Patienten anzupassen. Gleichzeitig können erfolgreiche Behandlungsstrategien schneller identifiziert und verbreitet werden, was insgesamt zu besseren Behandlungsergebnissen und einer höheren Lebensqualität führt. Auch unsere Partnerinnen und Partner aus der pharmazeutischen oder Medizintechnikindustrie können von der Nutzung der Daten profitieren, da regulatorische Prozesse und Prüfungen von Innovationen zeitnah umgesetzt werden können.

 

HERZMEDIZIN: Welche langfristigen Auswirkungen erwarten Sie durch das NHN für Forschung, Prävention und Versorgung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen in Deutschland?

 

Blankenberg: Langfristig hat das NHN das Potenzial, die Herzmedizin in Deutschland nachhaltig zu verbessern. Die große und kontinuierlich wachsende Datenbasis soll auch eine noch realitätsnähere Forschung unterstützen und dabei helfen zu überprüfen, wie wirksam bestimmte Maßnahmen tatsächlich sind. Im Bereich der Prävention können Risikofaktoren womöglich früher erkannt und gezieltere Maßnahmen entwickelt werden. Auch die Versorgung selbst dürfte profitieren, da durch die bessere Vernetzung und Datentransparenz einheitlichere Qualitätsstandards etabliert werden können. Insgesamt könnte das NHN dazu beitragen, die Behandlung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen effektiver, präziser und nachhaltiger zu gestalten. Nicht zuletzt bietet diese Datenplattform die Möglichkeit, KI basierte Algorithmen zu Früherkennung, Prädiktion, Diagnose und Therapie zu entwickeln.

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