Arzt hört älteren Mann mit Stethoskop ab

Was sind Herzklappenerkrankungen?

Die Herzklappen sind ein Wunderwerk der Natur und funktionieren im besten Fall unbemerkt – ein ganzes Leben lang. Doch was passiert, wenn die Herzklappen undicht werden oder nicht mehr vollständig öffnen? Welche Herzklappen gibt es, wie machen sich Klappenerkrankungen bemerkbar, wie werden sie erkannt, was sind Risikofaktoren und wie kann man vorbeugen?

Von Dr. Heidi Schörken

 

01.07.2026


Bildquelle (Bild oben):  / Shutterstock.com 

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Herzklappen arbeiten als Ventile, die sich mit jedem Herzschlag öffnen und wieder schließen und dadurch den Blutfluss lenken.
  • Es gibt 4 Herzklappen: Aortenklappe und Mitralklappe in der rechten Herzhälfte sowie Pulmonalklappe und Trikuspidalklappe in der linken Herzhälfte.
  • Herzklappenerkrankungen (Klappenvitien) entstehen meist durch Verschleiß im höheren Lebensalter und sind weit verbreitet: Etwa jede 10. Person über 75 Jahre ist betroffen.
  • Neben Verschleiß können auch andere Herzkrankheiten, wie Herzschwäche, zu Klappenproblemen führen, die als sekundäre Klappenerkrankungen bezeichnet werden.
  • Grundsätzlich werden bei Klappenfehlern Stenose (Verengung) und Insuffizienz (Undichtigkeit) unterschieden.
  • Typische Anzeichen von Herzklappenerkrankungen sind Luftnot, Müdigkeit und Erschöpfung.
  • Herzklappenerkrankungen können beim Abhören des Herzens mit dem Stethoskop (Auskultation) entdeckt werden.
  • Die Diagnose von Herzklappenerkrankungen erfolgt durch eine Ultraschalluntersuchung (Echokardiografie) des Herzens.
  • Zu den Risikofaktoren für Klappenerkrankungen gehören: hohes Lebensalter, erhöhte Blutfettwerte, Rauchen, Übergewicht, Diabetes mellitus, Niereninsuffizienz sowie Herzkrankheiten (Herzschwäche, Bluthochdruck, Koronare Herzkrankheit, Herzinfarkt).
  • Die wichtigsten Maßnahmen zur Vorbeugung von Klappenerkrankungen sind neben einer gesunden Lebensweise und regelmäßigen ärztlichen Kontrollen eine sorgfältige Mundhygiene sowie regelmäßige Zahnarztbesuche.

Was sind die Herzklappen?

Unser Herz pumpt täglich rund 8.000 Liter Blut, um den Körper und alle Organe ausreichend mit Sauerstoff und Nährstoffen zu versorgen. Die Herzklappen sind als Ventile des Herzens dafür verantwortlich, dass der Blutfluss einwandfrei in eine Richtung verläuft und die Pumpleistung des Herzens aufrechterhalten wird. Die lebenden, aus elastischen Fasern bestehenden Klappen haben eine natürliche Schließ- und Öffnungsfunktion, die den Blutkreislauf lenkt und den Rückstrom verhindert. Die mechanische Beanspruchung der Herzklappen ist enorm: Bei jedem Herzschlag, also etwa 70-mal pro Minute, müssen sich die Klappen öffnen und anschließend wieder dicht schließen – das entspricht ca. 3 Milliarden Öffnungen und Schließungen im Laufe eines 80-jährigen Lebens. Somit stellen die Herzklappen eine beeindruckende technische Meisterleistung dar.


Insgesamt gibt es 4 Herzklappen, die sich in den beiden Herzhälften jeweils zwischen Vorhof und Kammer sowie an den beiden Ausgängen der Kammern befinden. Die Klappen bestehen aus feinem Bindegewebe und hochelastischen Fasern, die passiv bei jedem Herzschlag bewegt werden. Sie sind frei von Blutgefäßen und werden durch das vorbeifließende Blut mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt.

Lage und Funktion der 4 Herzklappen

Im rechten Herzen, das für den Lungenkreislauf verantwortlich ist, befindet sich die Trikuspidalklappe zwischen Vorhof und Kammer sowie die Pulmonalklappe am Ausgang der rechten Kammer. Im linken Herzen, das für den großen Körperkreislauf sorgt, verbindet die Mitralklappe den Vorhof mit der Kammer und die Aortenklappe befindet am Ausgang der linken Kammer.

Grafik Lage und Bezeichnung der 4 Herzklappen
© Bildquelle: KAMAKSI / Shutterstock.com, modifiziert
Abbildung: Lage und Bezeichnung der 4 Herzklappen

Das Herz ist einen Doppelpumpe, die aus der linken und rechten Hälfte besteht, wobei jede Hälfte einen Blutkreislauf aufrechterhält: Die rechte Herzhälfte pumpt sauerstoffarmes Blut in die Lunge (Lungenkreislauf) und die linke Hälfte sauerstoffreiches Blut in den Körper (Körperkreislauf). Jede Hälfte besteht aus einem Vorhof und einer Kammer, die jeweils durch Herzklappen miteinander in Verbindung stehen.

Was sind Herzklappenerkrankungen und wie machen sie sich bemerkbar?

Erkrankungen an den Herzklappen, die auch als Klappenvitien bezeichnet werden, treten in der Regel in einem höheren Lebensalter als Folge von Verschleiß (Degeneration) auf. Durch Verengungen, Verkalkungen oder Undichtigkeiten der Herzklappen wird der Blutstrom behindert, wodurch sich die Pumpleistung vermindert und das Herz stärker belastet wird. Grundsätzlich werden 2 Typen von Klappenerkrankungen unterschieden: Verengungen beim Öffnen (Stenose) und Undichtigkeiten beim Schließen (Insuffizienz). 

 

Bei der Stenose kommt es durch Fettablagerungen, Verkalkungen oder Entzündungsprozesse zu Versteifungen der elastischen Fasern und die Klappen können sich nur unvollständig öffnen. Folglich kann nicht mehr ausreichend Blut bei jedem Herzschlag hindurchfließen – das Herz muss stärker arbeiten, um das Blut durch die Verengung zu pumpen. Auf Dauer wird der Herzmuskel überlastet und geschwächt. Mit Abstand am häufigsten kommt eine Verengung der Aortenklappe (Aortenklappenstenose) vor.


Bei der Insuffizienz schließen die Klappen nicht mehr vollständig und ein Teil des Blutes fließt bei jedem Herzschlag zurück in die falsche Richtung. Die Undichtigkeit führt zu einer verringerten Pumpleistung. Das Herz muss stärker arbeiten, um den Blutkreislauf aufrecht zu erhalten. Die häufigste Klappeninsuffizienz ist die Mitralklappeninsuffizienz.


Sowohl Stenose als auch Insuffizienz der Herzklappen belasten den Herzmuskel übermäßig und vermindern die Versorgung der Organe mit Sauerstoff. Anfangs kann das Herz die Klappenfehlfunktion ausgleichen, daher bleiben Klappenerkrankungen häufig über längere Zeit unbemerkt. In der Regel machen sich die Symptome erst dann bemerkbar, wenn der Verschleiß der Klappen bereits weit fortgeschritten ist.

Erste Anzeichen und Symptome von Herzklappenerkrankungen

Die typischen Anzeichen von Herzklappenerkrankungen, wie Luftnot, Müdigkeit und Schwindel, sind eher unspezifisch und können auch bei vielen anderen Erkrankungen auftreten, wie beispielsweise Lungenerkrankungen, Anämie oder neurologischen Erkrankungen. Zur Abklärung ist eine gründliche ärztliche Untersuchung, einschließlich sorgfältiger Abhörung des Herzens mit dem Stethoskop (Auskultation) sowie der Ausschluss von anderen Krankheiten mit ähnlichen Beschwerden notwendig. 


Experte Prof. Stephan Baldus (Direktor der Klinik III für Innere Medizin der Uniklinik Köln) schildert seine Erfahrungen aus dem Klinikalltag. „Betroffene mit Herzklappenerkrankungen berichten typischerweise über eine Einschränkung ihrer Leistungsfähigkeit oder auch Luftnot. Angina pectoris, also Brustenge, auch Schwindelsymptome können darüber hinaus auftreten. Auch neu aufgetretene Herzrhythmusstörungen, wie z. B. das Vorhofflimmern, können auf eine Herzklappenerkrankung hinweisen.“

Zum Experten

Prof. Stephan Baldus

Prof. Stephan Baldus ist seit 2012 Direktor der Klinik für Kardiologie, Angiologie, Pneumologie und Internistische Intensivmedizin am Herzzentrum der Universität zu Köln. Von 2021 bis 2023 war er Präsident der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK).

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Zu den Symptomen von Herzklappenerkrankungen gehören:

 

  • Verminderte Leistungsfähigkeit und schnelle Erschöpfung
  • Luftnot bei Belastung, später auch in Ruhe
  • Kraftlosigkeit
  • Brustschmerz
  • Müdigkeit
  • Herzrhythmusstörungen (Vorhofflimmern)
  • Schwindel
  • Kurze Bewusstlosigkeit oder Ohnmacht
  • Wassereinlagerungen im Gewebe (Ödeme)

Wie werden Herzklappenerkrankungen erkannt?

Je früher Klappenerkrankungen erkannt und kontrolliert werden, desto besser lassen sie sich behandeln. Manchmal werden Herzklappenerkrankungen zufällig entdeckt, wenn die Ärztin oder der Arzt das Herz mit dem Stethoskop bei Routine-Untersuchungen abhört (Herz-Auskultation). Bestimmte Herzgeräusche können auf eine Fehlfunktion der Klappen hindeuten. 


Sehr häufig bleiben defekte Herzklappen lange Zeit unerkannt. „Einerseits liegt es daran, dass ältere Menschen Beschwerden eher akzeptieren, bevor sie zum Arzt oder zur Ärztin gehen. Andererseits gibt es nicht überall regelmäßige körperliche Untersuchungen, die auch das Abhören mit dem Stethoskop (Auskultation) beinhalten“, erläutert Prof. Baldus die Gründe. „Das ist schade, denn durch die Auskultation des Herzens kann ein großer Teil der Herzklappenerkrankungen schnell erkannt werden.“


Falls ein Verdacht auf eine Herzklappenerkrankung vorliegt, sei es aufgrund von Beschwerden oder wegen einer Stethoskop-Untersuchung, wird immer eine Ultraschalluntersuchung (Echokardiografie) des Herzens durchgeführt. Mithilfe der Echokardiografie lassen sich Herzklappenerkrankungen eindeutig erkennen und der Schweregrad einstufen. Ggf. können weitere diagnostische Untersuchungen notwendig sein, um weitere Details abzuklären und die Behandlung zu planen. Dazu gehört die transösophageale Echokardiografie (Schluck-Echo). Bei dieser Untersuchung wird die Ultraschall-Sonde über die Speiseröhre durch ein Endoskop eingeführt, ähnlich wie bei einer Magenspiegelung. Zu den weiteren diagnostischen Untersuchungen, die insbesondere für die Planung von minimalinvasiven Eingriffen eingesetzt werden, gehören die Kardio-CT (Computertomographie), die kardiale MRT (Magnetresonanztomographie) oder auch eine Herzkatheteruntersuchung. 


Das EKG (Elektrokardiogramm), das die elektrische Aktivität aller Herzmuskelfasern grafisch aufzeichnet, liefert zwar auch Hinweise auf viele verbreitete Herzkrankheiten, vor allem auf einen Herzinfarkt und auf Herzrhythmusstörungen, ist aber nicht für das Erkennen von Herzklappenfehlern geeignet. Falls eine Herzklappenerkrankung vorliegt, sollten jedoch auch zusätzlich regelmäßige EKG-Untersuchungen erfolgen, um die Herzfunktion zu kontrollieren. 

Was sind Ursachen von Herzklappenerkrankungen?

Die Herzklappen sind ein Wunderwerk der Natur, das technische Ventile kaum erreichen: Sie funktionieren jahrzehntelang ohne Wartung oder Schmierung. Aufgrund der extremen mechanischen Belastung kann es jedoch im Alter (ab etwa 65 Jahren) zu einem Verschleiß (Degeneration) der Herzklappen kommen. Verkalkungen, Entzündungsprozesse und abnehmende Elastizität stellen die häufigsten Ursachen von Klappenerkrankungen dar. Im Alter sind Klappendefekte nicht selten: Etwa jede 10. Person über 75 Jahre ist betroffen. Allein in Deutschland wurden im Jahr 2024 rund 100.000 Menschen wegen Herzklappenerkrankungen im Krankenhaus behandelt und es ist davon auszugehen, dass die Fallzahlen zukünftig weiter zunehmen werden.


Neben dem altersbedingten Verschleiß können in selteneren Fällen auch bakterielle Entzündungen der Herzinnenhaut (Endokarditis) die Herzklappen schädigen. In Ländern mit einer schlechten medizinischen Versorgung kann zudem rheumatisches Fieber die Klappenerkrankungen auslösen, das als Reaktion auf Infektionskrankheiten auftritt. Schließlich kommen auch andere Herzerkrankungen als Ursachen in Betracht, wie z. B. eine Herzschwäche – in diesen Fällen handelt es sich um sekundäre Klappenerkrankungen. 


Die Ursachen von Herzklappenerkrankungen unterscheiden sich zwischen Männern und Frauen. Prof. Baldus skizziert die wichtigsten geschlechterspezifischen Unterschiede: „Bei Männern verkalkt die Aortenklappe häufig stärker, während bei Frauen die Verengung der Klappe häufiger durch Fibrosierung, also Bindegewebsvermehrung, ausgelöst wird. Während Frauen häufiger die primäre Form der Mitralklappensuffizienz aufweisen, also degenerative Veränderungen an der Klappe zeigen, haben Männer häufiger eine sekundäre Form, die infolge der Herzschwäche entsteht (z. B. bedingt durch Durchblutungsstörungen des Herzmuskels). Bei der Trikuspidalklappeninsuffizienz sehen wir die Unterschiede am deutlichsten: Frauen sind häufiger betroffen, wobei eine Vergrößerung des Ansatzringes der Trikuspidalklappe durch Herzinsuffizienz, Bluthochdruck oder Vorhofflimmern verursacht werden kann.“

Herzklappenerkrankungen: Risikofaktoren und Vorbeugung

Neben dem hohen Lebensalter gehören Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu den wichtigsten Risikofaktoren für Klappenvitien, wie Herzschwäche, Bluthochdruck, Koronare Herzkrankheit, Herzinfarkt, erhöhte Blutfettwerte und seltene, angeborene Fehlbildungen der Herzklappen. Aber auch Rauchen, Übergewicht, Diabetes mellitus und Niereninsuffizienz erhöhen das Risiko für Klappenerkrankungen. 


Um Klappenerkrankungen vorzubeugen, gelten grundsätzlich die gleichen Maßnahmen, die bekannterweise auch vor anderen Herzkrankheiten schützen. Dazu gehört ein gesunder Lebensstil mit einer ausgewogenen Ernährung, ausreichender Bewegung, Nichtrauchen und regelmäßige ärztliche Untersuchungen einschließlich Kontrollen von Blutdruck, Blutzucker (Diabetes) und Blutfetten (Cholesterin). Wichtig ist auch, dass alle verordneten Medikamente – sei es für Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder andere Erkrankungen, wie z. B. Diabetes oder Nierenerkrankungen, regelmäßig entsprechend den ärztlichen Empfehlungen eingenommen werden. Denn entzündliche Prozesse und erhöhte Werte von Blutzucker und Blutfetten können sich negative auf die Gefäße und die Herzklappen auswirken. 


Auch eine sorgfältige Mundhygiene und regelmäßige Zahnarztbesuche sind wichtig. Denn Bakterien aus dem Mundraum können bei Entzündungen des Zahnfleisches oder unbehandelten Zahnerkrankungen in die Blutbahn gelangen und eine Herzentzündung (Endokarditis) verursachen. „Mangelnde Zahnhygiene ist ein wichtiger Risikofaktor. Wir wissen, dass Infekte im Zahnhalteapparat bzw. im Zahnfleisch zur Ausschwemmung von Bakterien in das Blut führen und Entzündungen der Herzklappen provozieren können. Insbesondere dann, wenn diese Klappen vorgeschädigt sind bzw. durch Klappenprothesen in der Vergangenheit ersetzt wurden“, erläutert der Kardiologe.

FAQ – Häufige Fragen zu Herzklappenerkrankungen

Die Herzklappen arbeiten als Ventile, die sich mit jedem Herzschlag öffnen und wieder schließen und dadurch den Blutfluss lenken. Es gibt 4 Herzklappen: Aortenklappe und Mitralklappe in der rechten Herzhälfte sowie Pulmonalklappe und Trikuspidalklappe in der linken Herzhälfte.

Herzklappenerkrankungen (Klappenvitien) entstehen meist durch Verschleiß im höheren Lebensalter und sind weit verbreitet: Etwa jede 10. Person über 75 Jahre ist betroffen. Weitere Ursachen für sogenannte sekundäre Klappenerkrankungen sind andere Herzkrankheiten, wie z. B. Herzschwäche.

Typische Anzeichen von Herzklappenerkrankungen sind Luftnot, Müdigkeit, Brustschmerz, Schwindel und Erschöpfung.

Grundsätzlich werden bei Klappenvitien Stenose (Verengungen) und Insuffizienz (Undichtigkeit) unterschieden. Herzklappenerkrankungen können beim Abhören des Herzens mit dem Stethoskop (Auskultation) entdeckt werden. Die Diagnose von Herzklappenerkrankungen erfolgt durch eine Ultraschalluntersuchung (Echokardiografie) des Herzens. 

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