Älterer Patient in Gespräch mit Ärztin Älterer Patient in Gespräch mit Ärztin

Welche Therapien gibt es für Herzklappenerkrankungen?

Unbehandelt können Klappenerkrankungen das Herz stark belasten oder langfristig sogar schädigen. In den letzten Jahren wurden mehrere neue minimalinvasive Verfahren entwickelt, um fehlerhafte Herzklappen schonend zu behandeln. Wann müssen Herzklappenerkrankungen behandelt werden, welche Methoden gibt es, wie sind die Erfolgsaussichten und was ist im Alltag nach dem Eingriff zu beachten?

Von Dr. Heidi Schörken

 

03.07.2026


Bildquelle (Bild oben): FaceStock / Shutterstock.com 

Das Wichtigste in Kürze

  • Medikamente können eine Klappenerkrankung zwar nicht heilen, aber entlasten das Herz.
  • Leichte bis mittelgradige Klappenfehler werden in der Regel nicht behandelt, sondern regelmäßig ärztlich kontrolliert.
  • Menschen mit hochgradigen Klappenerkrankungen sollten in einem spezialisierten Zentrum von Expertinnen und Experten des Herzteams betreut werden.
  • Für die beiden häufigsten Klappenerkrankungen, Aortenklappenstenose und Mitralklappeninsuffizienz, stehen minimalinvasive Methoden zur Verfügung, wie die Transkatheter-Aortenklappen-Implantation (TAVI) und die Transkatheter-Edge-to-Edge-Reparatur (TEER).
  • Hier finden Sie Informationen zu spezialisierten Zentren für TAVI-Eingriffe und Mitralklappenbehandlungen.
  • Minimalinvasive Methoden sind schonender und ermöglichen eine schnellere Heilung und frühere Entlassung aus dem Krankenhaus.
  • Betroffene mit Herzklappenprothesen sollten unbedingt regelmäßige ärztliche und zahnärztliche Kontrollen wahrnehmen.

Herzklappenerkrankung: Therapie

Grundsätzlich kann die Herzklappenerkrankung nicht durch eine medikamentöse Behandlung geheilt werden, da es sich um einen mechanischen Defekt handelt. Allerdings gibt es einige Medikamente, wie Diuretika oder Betablocker, die beispielsweise den Blutdruck senken und für die Entlastung des Herzens wichtig sind. Damit sich die Herzfunktion trotz der Klappenfehler nicht verschlechtert, ist die Einnahme der verschriebenen Herzmedikamente laut der ärztlichen Verordnung unbedingt einzuhalten.


Betroffene mit einer hochgradigen Herzklappenerkrankung werden in der Regel in ein Krankenhaus mit einem spezialisierten Herzklappenzentrum überwiesen. Dabei ist es wichtig, dass es sich um ein zertifiziertes Zentrum handelt, da diese Einrichtungen über alle Qualitätsanforderungen und medizinischen Fachdisziplinen zur Behandlung von Klappenerkrankungen verfügen und regelmäßig überprüft werden. In Deutschland gibt es 75 zertifizierte Mitralklappenzentren und 60 zertifizierte TAVI-Zentren für die Behandlung von Aortenklappenstenosen


Für die Reparatur oder den Ersatz der Herzklappen stehen inzwischen mehrere Verfahren zur Verfügung, darunter auch schonende minimalinvasive Methoden. Doch nicht jede Herzklappenerkrankung muss behandelt werden. Bei der Auswahl der richtigen Behandlungsstrategie sind viele Aspekte zu berücksichtigen, wie Alter, Begleiterkrankungen, Risikofaktoren, Lage und Größe der betroffenen Klappen, Schweregrad der Klappenerkrankungen und vieles andere mehr. Über das individuelle bestmögliche Vorgehen beraten und entscheiden daher die Expertinnen und Experten des Herzteams im Krankenhaus gemeinsam mit den Betroffenen.

Das Herzteam

In den größeren, spezialisierten Krankenhäusern werden Patientinnen und Patienten mit Herzklappenerkrankungen von einem Herzteam betreut. Die Herzteams bestehen aus Expertinnen und Experten von unterschiedlichen Fachbereichen, wie Chirurgie, Kardiologie und Anästhesiologie und beraten zu Therapiemöglichkeiten, um die bestmögliche Versorgung zu gewährleisten. Letztendlich wird darüber, welche Therapie angewendet wird, gemeinsam mit den Betroffenen in jedem Einzelfall entschieden. Falls weitere Herzerkrankungen oder andere Begleiterkrankungen vorliegen, können zusätzliche Ärztinnen oder Ärzte aus anderen Disziplinen, wie Rhythmologie, Radiologie oder Intensivmedizin hinzugezogen werden.

Wann muss die Herzklappenerkrankung behandelt werden?

Nicht jede Klappenerkrankung muss behandelt werden. Bei leichten bis mittelgradigen Klappenfehlern reichen im Allgemeinen regelmäßige Kontrolluntersuchungen aus. Bei einem ausgeprägten Schweregrad und starken Beschwerden ist in der Regel ein operativer Eingriff notwendig, entweder um den Klappendefekt zu reparieren oder um die defekte Herzklappe zu ersetzen. 


Der Experte Prof. Dr. Stephan Baldus erklärt: „Entscheidend ist zunächst einmal, dass die Herzklappenerkrankung präzise diagnostiziert ist und hochgradige Klappenfehler von nicht hochgradigen Klappenfehlern unterschieden werden. Dann ist die Patientin oder der Patient gefragt, sich selbst zu beobachten und beim Auftreten von Beschwerden – insbesondere beim Auftreten einer Leistungsschwäche oder auch Luftnot – sich erneut vorzustellen, damit der Verlauf dieser Erkrankung beurteilt werden kann und dann auch Empfehlungen ausgesprochen werden können bezüglich einer möglichen Behandlung.“

Minimalinvasive Verfahren oder offene Herzoperation?

Für die Behandlung der beiden häufigsten Klappenerkrankungen, Aortenklappenstenose und Mitralklappeninsuffizienz, muss der Brustkorb nicht zwingend geöffnet werden, denn inzwischen stehen zusätzlich auch moderne minimalinvasive Methoden zur Verfügung, wie die Transkatheter-Aortenklappen-Implantation (TAVI) und die Transkatheter-Edge-to-Edge-Reparatur (TEER). Bei diesen Katheter-unterstützenden Techniken wird eine kleine Klappenprothese über die Leiste durch einen Katheter bis in das Herz an die passende Stelle gebracht. Ob eine operative oder minimalinvasive Methode in Frage kommt, richtet sich nach der betroffenen Klappe, dem Defekt und Schweregrad sowie nach dem Alter und anderen Begleitumständen.

 
Grundsätzlich haben minimalinvasive Techniken den Vorteil, dass der Eingriff wesentlich schonender ist, den Körper weniger belastet und die Erholung deutlich schneller erfolgt. Allerdings können bisher nur biologische Prothesen für die Katheter-unterstützte Technik verwendet werden, deren Langzeit-Haltbarkeit gegenüber mechanischen Prothesen nach heutigem Wissensstand kürzer ist.

Tabelle Tavi und TEER-Verfahren im Vergleich
Abbildung: Vorteile der minimalinvasiven Verfahren (TAVI oder M-TEER) gegenüber einer Herzoperation, eigene Darstellung

Biologische oder mechanische Herzklappe?

Grundsätzlich können die defekten Klappen durch mechanische oder biologische Klappenprothesen ersetzt werden. Eine mechanische Klappenprothese hat eine geringere Abnutzung und hält oftmals ein ganzes Leben lang. Allerdings ist die lebenslängliche Einnahme von Blutverdünnern notwendig (Antikoagulanzien), um die Bildung von Blutgerinnseln an den Klappen zu verhindern. Dagegen ist die Antikoagulanzien-Einnahme bei biologischen Herzklappen, die aus Gewebe von Schweinen oder Rindern bestehen, nicht notwendig.

 

Gegenüber den mechanischen Prothesen ist die Haltbarkeit der biologischen Klappenprothesen mit etwa 10 bis 20 Jahren jedoch begrenzt. Biologische Klappen sind daher vor allem für minimalinvasive Eingriffe bei älteren Personen geeignet, bei denen eine offene Herzoperation zu belastend wäre. Wie der Kardiologe weiß, laufen gegenwärtig mehrere Studien, die auch kränkere Menschen und insbesondere solche mit Herzschwäche untersuchen. Für die Trikuspidalklappe und für die Mitralklappe beispielsweise werden zurzeit neue Prothesen untersucht, die über die Leiste implantiert werden können. In Zukunft, so hofft der Kardiologe, werden minimalinvasive Verfahren für einen Großteil der Patientinnen und Patienten möglich sein.

Zum Experten

Prof. Dr. Stephan Baldus

Prof. Dr. Stephan Baldus ist seit 2012 Direktor der Klinik für Kardiologie, Angiologie, Pneumologie und Internistische Intensivmedizin am Herzzentrum der Universität zu Köln. Von 2021 bis 2023 war er Präsident der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK).

baldus-stephan-2025-375x375px baldus-stephan-2025-375x375px

Leben mit der Herzklappenprothese

Da der Eingriff am Herzen sowohl Körper als auch Psyche belastet, wird eine Rehabilitation nach dem Krankenhausaufenthalt empfohlen. Betroffene können sich von der Operation erholen, zu neuen Kräften finden und sich über das Leben mit der neuen Herzklappe informieren. Die Kosten werden in der Regel von der Krankenversicherung übernommen. Menschen mit Herzklappen-Prothese müssen kaum mit Einschränkungen im Alltag rechnen. Sport treiben, verreisen, feiern, das Leben genießen – all das ist auch nach einer Operation an der Herzklappe weiterhin möglich.

 

Der Experte erläutert die Erfolgsaussichten nach einer operativen Behandlung der Herzklappen: „Prinzipiell sind die Behandlungsformen, die zur Verfügung stehen für die Herzklappenerkrankung allesamt sehr effektiv und verbessern die Prognose der Patientinnen und Patienten. Ob minimalinvasiv-chirurgisch oder kathetergestützt, ob klappenersetzend oder klappenreparierend. Für die allermeisten dieser Klappenerkrankungen existieren mittlerweile sehr solide Studiendaten, die zeigen, dass nicht nur die Beschwerden gelindert werden, sondern auch die Lebenserwartung verbessert werden kann. Bei ansonsten herzgesunden Menschen kann der Ersatz oder die Reparatur einer Herzklappe die Lebenserwartung auf das Niveau gleichaltriger, nicht herzklappenerkrankter Menschen verbessern.“


Ein gesunder aktiver Lebensstil ist für das Herz förderlich. Regelmäßige angepasste Bewegung kräftigt die Muskulatur und verbessert die Durchblutung. Dabei ist auf die Balance zwischen Aktivität und Überlastung zu achten und der Rat der Kardiologin oder des Kardiologen einzuholen. Generell ist es ratsam, langsam mit der Bewegung zu beginnen und die Belastung sanft zu steigern. Leichtes Ausdauertraining, wie Nordic Walking, Radfahren oder Schwimmen sind für herzkranke Menschen gut geeignet. Herzsportgruppen bieten Programme speziell für Menschen mit Herzkrankheiten unter fachlicher Anleitung.

Nachsorge und Alltag nach Klappenreparatur oder Klappenersatz

Die Aussicht (Prognose) nach einer Klappenreparatur oder einem Klappenersatz ist sehr gut. Der Eingriff stellt die normale Herzfunktion wieder her und erhöht sowohl die Lebensqualität als auch die Lebenserwartung deutlich. Nach dem Eingriff sollte die Klappenfunktion regelmäßig (einmal jährlich) ärztlich durch eine Ultraschalluntersuchung (Echokardiografie) kontrolliert werden. Bei mechanischen Klappenprothesen ist eine lebenslange Einnahme von Blutverdünnern (Antikoagulation) erforderlich. Dagegen ist bei biologischen Klappenprothesen und nach katheterunterstützten Klappeneingriffen (TAVI, M-TEER oder T-TEER) meist nur eine vorrübergehende Einnahme von Acetylsalicylsäure (ASS) über 3 bis 12 Monate nach dem Eingriff notwendig. Darüber hinaus werden häufig auch weitere Medikamente verordnet, wie beispielsweise zur Senkung des Blutdrucks oder des Cholesterin-Wertes. Wichtig ist es, diese Medikamente entsprechend der ärztlichen Verordnung einzunehmen und alle Termine zu den Untersuchungen einschließlich der Kontrollen der Blutwerte regelmäßig wahrzunehmen. 


Wie Prof. Baldus betont, ist es sehr wichtig, die Medikamente entsprechend der ärztlichen Verordnung einzunehmen, insbesondere von blutverdünnenden Medikamenten, die in Abhängigkeit des Eingriffs und in Abhängigkeit der eingesetzten Prothese sehr unterschiedlich sein können. Neben den jährlichen Ultraschall-Kontrollen der Herzklappe ist auch eine regelmäßige zahnärztliche Kontrolle unbedingt wahrzunehmen, um die Gefahr von Entzündungen in der Mundhöhle als Ursache für mögliche Klappenentzündungen von vornherein zu minimieren.

Mehr zum Thema

FAQ – Häufige Fragen zur Therapie von Herzklappenerkrankungen

Nein – ob eine Klappenerkrankung behandelt werden muss, richtet sich vor allem nach dem Schweregrad und den Beschwerden. In der Regel werden nur hochgradige Klappenfehler mit starken Beschwerden behandelt, während leichte bis mittelgradige Klappenfehler regelmäßig ärztlich kontrolliert werden.

Herzklappenerkrankungen werden durch operative Eingriffe in Krankenhäusern mit einer darauf spezialisierten Abteilung behandelt. Die Patientinnen und Patienten werden dabei durch das Herzteam, das mehrere Fachdisziplinen umfasst, optimal betreut. Medikamente können den Klappendefekt zwar nicht heilen, können aber für die Stärkung der Herzfunktion wichtig sein.

Für die Reparatur oder den Ersatz der Klappe gibt es neben der Operation am offenen Herzen auch schonende minimalinvasive Verfahren, wie TAVI oder TEER. Welche Methode in Frage kommt, richtet sich nach dem Alter, der betroffenen Klappe und weiteren Begleitumständen.

Mechanische Klappen halten lebenslang, eignen sich aber nicht für minimalinvasive Verfahren und die Einnahme von Blutverdünnern ist lebenslang notwendig. Biologische Prothesen haben eine begrenzte Haltbarkeit, aber sind für minimalinvasive Verfahren geeignet. Eine Einnahme von Blutverdünnern ist in der Regel nur einige Monate notwendig.

Alle Verfahren zur Behandlung von Klappendefekten haben sehr gute Erfolgsaussichten. Nach dem Eingriff ist in der Regel ein beschwerdefreies normales Leben möglich. Wichtig sind regelmäßige ärztliche und zahnärtliche Kontrollen, die Einahme der verordneten Medikamente und ein gesunder Lebensstil.

Das könnte Sie auch interessieren

Symptome, Diagnose, Behandlung: So wirkt sich eine Aortenklappenstenose auf das Herz aus und wann ein Klappenersatz nötig wird.
aortenklappenstenose-917730100-t aortenklappenstenose-917730100-t

Mitralklappeninsuffizienz erkennen: Symptome, Ursachen und Behandlungen im Überblick – wann Medikamente reichen und wann ein Eingriff nötig ist.
mitralklappeninsuffizienz-1217096099-t mitralklappeninsuffizienz-1217096099-t

Beim Herz-Ultraschall, der sogenannten Echokardiographie, können fast alle Herzerkrankungen erkannt werden. Was Patientinnen und Patienten dazu wissen müssen.
herz-ultraschall-iStock-1390738817-t herz-ultraschall-iStock-1390738817-t