Über alle Studien hinweg zeigte sich kein signifikanter Unterschied in der Gesamtsterblichkeit zwischen Frauen und Männern nach TAVI. Dies ist eine wichtige klinische Botschaft: Das biologische Geschlecht allein sollte somit keine Entscheidung für oder gegen eine TAVI bestimmen.
Besonders interessant war jedoch eine relevante Subgruppe: Frauen mit einem intermediären Operationsrisiko hatten ein signifikant besseres Überleben als Männer. Dies könnte auf Unterschiede in Anatomie, den Grad der Klappenverkalkung, ventrikulärem Remodeling oder der Interaktion zwischen Prothese und nativer Klappe hinweisen.
Gleichzeitig hatten Frauen ein klar höheres Risiko für vermehrt schwere Blutungskomplikationen. Als mögliche Ursachen diskutieren die Autoren kleinere Gefäßdurchmesser, ein ungünstigeres Verhältnis von Schleusengröße zu Femoralgefäß sowie eine höhere vaskuläre Vulnerabilität.
Bei Schlaganfällen, kardiovaskulärer Mortalität und der Rate an Schrittmacherimplantationen fanden sich hingegen keine signifikanten Unterschiede.
Frauen werden häufig später diagnostiziert, präsentieren sich oft in höherem Alter und zeigen andere anatomische Charakteristika als Männer. Diese Arbeit unterstreicht, dass moderne Herzmedizin stärker individualisiert werden muss: Nicht „one size fits all“, sondern Therapieplanung unter Berücksichtigung von Geschlecht, Anatomie und Frailty.
Für interventionelle Heart-Teams bedeutet das: Frauen profitieren grundsätzlich sehr gut von TAVI, benötigen aber besondere Aufmerksamkeit bei Zugangswegen, Gefäßmanagement und Blutungsprophylaxe. Präzise Bildgebung, sorgfältige Device-Auswahl und ein individualisiertes periinterventionelles Management sind entscheidend.
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