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Frauen und TAVI: Haben Frauen andere Ergebnisse als Männer?

Die Frage nach geschlechtsspezifischen Unterschieden in der Kardiologie rückt zunehmend ins Rampenlicht - auch im Bereich der strukturellen Herzerkrankungen. Eine aktuelle systematische Meta-Analyse von Gonçalo Nuno Ferraz-Costa et al. untersuchte in diesem Zusammenhang, ob Frauen nach einer kathetergestützten Aortenklappenimplantation (TAVI) unterschiedliche klinische Ergebnisse haben als Männer.1 Analysiert wurden 14 randomisierte Studien mit insgesamt 15.225 Patientinnen und Patienten. 

Von:

Dr. Nina C. Wunderlich

Rubrikleiterin Women in Cardiology

 

23.04.2026

Bildquelle (Bild oben): PeopleImages.com / Yuri A / Shutterstock.com

Die wichtigsten Ergebnisse

Über alle Studien hinweg zeigte sich kein signifikanter Unterschied in der Gesamtsterblichkeit zwischen Frauen und Männern nach TAVI. Dies ist eine wichtige klinische Botschaft: Das biologische Geschlecht allein sollte somit keine Entscheidung für oder gegen eine TAVI bestimmen. 


Besonders interessant war jedoch eine relevante Subgruppe: Frauen mit einem intermediären Operationsrisiko hatten ein signifikant besseres Überleben als Männer. Dies könnte auf Unterschiede in Anatomie, den Grad der Klappenverkalkung, ventrikulärem Remodeling oder der Interaktion zwischen Prothese und nativer Klappe hinweisen. 


Gleichzeitig hatten Frauen ein klar höheres Risiko für vermehrt schwere Blutungskomplikationen. Als mögliche Ursachen diskutieren die Autoren kleinere Gefäßdurchmesser, ein ungünstigeres Verhältnis von Schleusengröße zu Femoralgefäß sowie eine höhere vaskuläre Vulnerabilität. 


Bei Schlaganfällen, kardiovaskulärer Mortalität und der Rate an Schrittmacherimplantationen fanden sich hingegen keine signifikanten Unterschiede. 

Warum sind diese Ergebnisse für Frauen wichtig?

Frauen werden häufig später diagnostiziert, präsentieren sich oft in höherem Alter und zeigen andere anatomische Charakteristika als Männer. Diese Arbeit unterstreicht, dass moderne Herzmedizin stärker individualisiert werden muss: Nicht „one size fits all“, sondern Therapieplanung unter Berücksichtigung von Geschlecht, Anatomie und Frailty.

Einordnung für die Praxis

Für interventionelle Heart-Teams bedeutet das: Frauen profitieren grundsätzlich sehr gut von TAVI, benötigen aber besondere Aufmerksamkeit bei Zugangswegen, Gefäßmanagement und Blutungsprophylaxe. Präzise Bildgebung, sorgfältige Device-Auswahl und ein individualisiertes periinterventionelles Management sind entscheidend.

Fazit

  • Frauen haben nach TAVI insgesamt kein schlechteres Überleben als Männer.
  • Bei intermediärem Risiko zeigten Frauen sogar einen Überlebensvorteil.
  • Schwere Blutungen treten bei Frauen häufiger auf und erfordern gezielte Prävention.
  • Sex-spezifische Medizin sollte fester Bestandteil moderner struktureller Herzeingriffe sein.

 

Zur Autorin

Dr. Nina C. Wunderlich

Dr. Nina C. Wunderlich ist eine international anerkannte Expertin auf dem Gebiet der interventionellen Bildgebung. Ihr Schwerpunkt liegt auf der echokardiographischen Begleitung und Bildgebung bei Kathetereingriffen am Herz. Sie hat zahlreiche wissenschaftliche Publikationen zu diesem Thema veröffentlicht und gilt als renommierte Referentin und Meinungsführerin in diesem Bereich.
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Referenzen

  1. Ferraz-Costa GN, Almeida MdJ, Delgado Silva J, et al. Sex-based differences in outcomes after transcatheter aortic valve implantation: a systematic review and meta-analysis of randomised trials. Open Heart. 2026;13:e003642. doi:10.1136/openhrt-2025-003642. 

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