Was sind Anlass und Ziel der Publikation?
Weltweit liegt bei rund 4 % der Schwangeren eine kardiovaskuläre Erkrankung vor, wobei dieser Anteil auf über 10 % ansteigt, wenn Hypertonie miteinbezogen wird. Kardiovaskuläre Erkrankungen („cardiovascular diseases“[CVD]) sind die häufigste nicht-geburtshilflich bedingte Todesursache bei Schwangeren und machen 33 % der mütterlichen Todesfälle weltweit aus. Komplikationen treten bei bis zu 16 % der Schwangeren mit vorbestehenden kardiovaskulären Erkrankungen auf.
Im August 2025 ist die aktualisierte Leitlinie der European Society of Cardiology (ESC) zur Behandlung von kardiovaskulären Erkrankungen in der Schwangerschaft erschienen. Diese ist eine Weiterentwicklung der Version von 2018 und unterstützt ein patientinnenzentriertes, interdisziplinäres Management.
Was sind die wichtigsten Take-Home Messages?
- Die Beratung und Behandlung von Frauen mit kardiovaskulären Erkrankungen soll optimalerweise über alle Phasen der Familienplanung (vom Kinderwunsch bis zum Langzeitmonitoring) hinweg von einem Schwangerschafts-Herz-Team betreut werden.
- Im Mittelpunkt stehen eine Risikobewertung nach mWHO-Klassifikation 2.0.
Was sind Herausforderungen bei der Umsetzung und mögliche Lösungen?
Die neuen ESC-Leitlinien betonen, dass Entscheidungen rund um die Familienplanung bei Frauen mit kardiovaskulären Erkrankungen im Shared-Decision Prozess erfolgen sollen. Eine differenzierte Risikobewertung (nach mWHO-Klassifikation 2.0) stellt zudem sicher, bei welchen Frauen die Betreuung durch ein multidisziplinäres Schwangerschafts-Herz-Team notwendig ist. Viele Empfehlungen sind im deutschen Gesundheitsversorgungssystem gut abbildbar und sollten möglichst flächendeckend und intersektoral umgesetzt werden
Ausblick: Welche Entwicklungen zum Thema zeichnen sich ab?
Von großer Bedeutung für das Gesundheitssystem ist das regelhafte Langzeitmanagement nach Schwangerschaftskomplikationen. Darunter fallen Schwangerschaftshypertonie, Präeklampsie, Schwangerschaftsdiabetes, für das Gestationsalter zu leichte oder zu schwere Feten bzw. Neugeborene oder Frühgeburten. Ob letztlich, wie in den Leitlinien erläutert und im angloamerikanischen Raum bereits stellenweise vorhanden, eigene „Frauenherzzentren“ zukünftig flächendeckend in Deutschland etabliert werden, bleibt fraglich. Eine verbesserte frauenspezifische kardiovaskuläre Versorgung über Spezialambulanzen ist jedenfalls anzustreben.
Behandlung von kardiovaskulären Erkrankungen in der Schwangerschaft – DGK-Kommentar zu den Leitlinien der ESC (2025).
Haring, B., Emrich, I.E., Boer, J. et al.
Kardiologie (2026).
https://doi.org/10.1007/s12181-026-00810-x