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Quick Dive: Kardiovaskuläre Erkrankungen in der Schwangerschaft

In unserer Reihe "Quick Dive" stellen die Autorinnen und Autoren von Publikationen medizinischer Fachgesellschaften prägnant die wichtigsten Hintergründe und Inhalte der jeweiligen Veröffentlichung vor. Dieses Mal wird eingetaucht in das:

Behandlung von kardiovaskulären Erkrankungen in der Schwangerschaft

DGK-Kommentar zu den Leitlinien der ESC (2025) aus der Kommission für Klinische Kardiovaskuläre Medizin der DGK

22.04.2026 | Verfasst von:  Bernhard Haring · Insa E. Emrich · Jana Boer · Sebastian Feickert · Ingo Dähnert · Ulrich Kintscher · Stephanie Wallwiener· Waltraut M. Merz · Julinda Mehilli · Ute Seeland · Johann Bauersachs

Von:

Melissa Wilke

DGK-Redaktion

 

05.05.2026

Bildquelle (Bild oben): vovan / Shutterstock.com

4 Fragen an den Erstautor

Prof. Dr. Bernhard Haring, Klinik Hietzing

Was sind Anlass und Ziel der Publikation?

 

Weltweit liegt bei rund 4 % der Schwangeren eine kardiovaskuläre Erkrankung vor, wobei dieser Anteil auf über 10 % ansteigt, wenn Hypertonie miteinbezogen wird. Kardiovaskuläre Erkrankungen („cardiovascular diseases“[CVD]) sind die häufigste nicht-geburtshilflich bedingte Todesursache bei Schwangeren und machen 33 % der mütterlichen Todesfälle weltweit aus. Komplikationen treten bei bis zu 16 % der Schwangeren mit vorbestehenden kardiovaskulären Erkrankungen auf. 

 

Im August 2025 ist die aktualisierte Leitlinie der European Society of Cardiology (ESC) zur Behandlung von kardiovaskulären Erkrankungen in der Schwangerschaft erschienen. Diese ist eine Weiterentwicklung der Version von 2018 und unterstützt ein patientinnenzentriertes, interdisziplinäres Management.

 

Was sind die wichtigsten Take-Home Messages?

 

  1. Die Beratung und Behandlung von Frauen mit kardiovaskulären Erkrankungen soll optimalerweise über alle Phasen der Familienplanung (vom Kinderwunsch bis zum Langzeitmonitoring) hinweg von einem Schwangerschafts-Herz-Team betreut werden.
  2. Im Mittelpunkt stehen eine Risikobewertung nach mWHO-Klassifikation 2.0.
Schaubild zur Funktionalität des Schwangerschaft Herzteams

Was sind Herausforderungen bei der Umsetzung und mögliche Lösungen?

 

Die neuen ESC-Leitlinien betonen, dass Entscheidungen rund um die Familienplanung bei Frauen mit kardiovaskulären Erkrankungen im Shared-Decision Prozess erfolgen sollen. Eine differenzierte Risikobewertung (nach mWHO-Klassifikation 2.0) stellt zudem sicher, bei welchen Frauen die Betreuung durch ein multidisziplinäres Schwangerschafts-Herz-Team notwendig ist. Viele Empfehlungen sind im deutschen Gesundheitsversorgungssystem gut abbildbar und sollten möglichst flächendeckend und intersektoral umgesetzt werden

 

Ausblick: Welche Entwicklungen zum Thema zeichnen sich ab?


Von großer Bedeutung für das Gesundheitssystem ist das regelhafte Langzeitmanagement nach Schwangerschaftskomplikationen. Darunter fallen Schwangerschaftshypertonie, Präeklampsie, Schwangerschaftsdiabetes, für das Gestationsalter zu leichte oder zu schwere Feten bzw. Neugeborene oder Frühgeburten. Ob letztlich, wie in den Leitlinien erläutert und im angloamerikanischen Raum bereits stellenweise vorhanden, eigene „Frauenherzzentren“ zukünftig flächendeckend in Deutschland etabliert werden, bleibt fraglich. Eine verbesserte frauenspezifische kardiovaskuläre Versorgung über Spezialambulanzen ist jedenfalls anzustreben.

Weiter zur vorgestellten Publikation:

Behandlung von kardiovaskulären Erkrankungen in der Schwangerschaft – DGK-Kommentar zu den Leitlinien der ESC (2025).

Haring, B., Emrich, I.E., Boer, J. et al. 

Kardiologie (2026).

https://doi.org/10.1007/s12181-026-00810-x

Zur Person

Prof. Dr. Bernhard Haring

Prof. Dr. Bernhard Haring ist Vorstand der 4. Medizinischen Abteilung – Innere Medizin mit Kardiologie an der Klinik Hietzing in Wien. Der Internist, Kardiologe, Angiologe und Intensivmediziner mit Ausbildung in Österreich, USA und Deutschland hat seine Forschungsschwerpunkte im Bereich Präventionsmedizin, Frauengesundheit, Herzinsuffizienz und kardiovaskuläre Bildgebung.
Prof. Bernhard Haring

Kurzinfo: Die Formate der DGK-Publikationen

Leitlinien sind für Ärztinnen und Ärzte eine wichtige Stütze im klinischen Alltag, um ihre Patientinnen und Patienten nach neuestem Stand der Wissenschaft bestmöglich zu behandeln. Dabei dienen die Leitlinien als verlässliche Handlungsempfehlungen in spezifischen Situationen.

Pocket-Leitlinien sind Leitlinien in kompakter, praxisorientierter Form. Bei Übersetzungen von Pocket-Leitlinien der ESC werden alle Empfehlungsklassen und Evidenzgrade der Langfassung übernommen.

Master Pocket-Leitlinien stellen eine Zusammenfassung der wichtigsten Aspekte der Leitlinienempfehlungen in Form von grafischen Diagnose- und Therapiealgorithmen dar. Als Quelle der Empfehlungen dienen dabei vorwiegend die nach strengen wissenschaftlichen Kriterien erstellten Leitlinien der European Society of Cardiology (ESC) sowie deren deutsche Übersetzung durch die DGK.

CardioCards behandeln im Wesentlichen Themen der Diagnostik und Akuttherapie für den ambulanten Bereich. Hier werden die essenziellen Informationen von Leitlinien komprimiert und übersichtlich zusammengefasst.

Kommentare beinhalten Hinweise, wie sich die neuen von den alten Leitlinien unterscheiden, Hinweise auf wesentliche Neuerungen, die seit dem Erscheinen der ESC-Leitlinien bekannt geworden sind, Diskussion kontroverser Empfehlungen in den ESC-Leitlinien sowie Möglichkeiten und Grenzen der Leitlinienumsetzung im Bereich des deutschen Gesundheitswesens.

Ein Positionspapier behandelt eine Fragestellung von großem allgemeinen Interesse, für die keine aktuelle Leitlinie vorliegt.

Bei einem Konsensuspapier handelt es sich um ein von mehreren Fachgesellschaften getragenes Statement.

Diese Veröffentlichungen enthalten Empfehlungen einer DGK-Arbeitsgruppe zu einer speziellen Frage von großem Interesse.

Stellungnahmen der DGK beziehen sich auf gesundheitspolitische Fragestellungen und erfolgen durch den Vorstand, gemeinsam mit Kommissionen und Projektgruppen. Sofern möglich und sinnvoll, werden auch Fachgesellschaft-übergreifende Stellungnahmen ausgearbeitet.

Ein Manual ist eine praktisch orientierte Expertenempfehlung für wesentliche kardiovaskuläre Prozeduren.

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