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Klinische Entscheidungsunterstützung mit pharmazeutischer Betreuung verbessert leitliniengerechte medikamentöse Therapie

Heart Failure 2026 | GREAT-HF Care: Die pragmatische Studie untersuchte, ob elektronische Entscheidungsunterstützung in der elektronischen Gesundheitsakte (EHR) bzw. eine pharmazeutische Mitbetreuung die leitliniengerechte Therapie bei HFrEF verbessern können. Dr. Eric Wright (Danville, USA) stellte die Daten vor.1


Dr. Fabian Kerwagen (Universitätsklinikum Würzburg) berichtet und kommentiert.

Von:

Dr. Fabian Kerwagen

Universitätsklinikum Würzburg

 

15.05.2026

Bildquelle (Bild oben): CasualClicks / Shutterstock.com

Bisheriger Stand der Forschung

Obwohl die prognostische Bedeutung einer frühzeitigen und optimalen leitliniengerechten medikamentösen Therapie (GDMT) bei HFrEF gut belegt ist, bleibt die Umsetzung im klinischen Alltag unzureichend. Zahlreiche Patientinnen und Patienten erhalten keine vollständige Vierfachtherapie oder erreichen die empfohlenen Zieldosen nicht. Digitale Entscheidungsunterstützungssysteme und strukturierte pharmazeutische Betreuung gelten als potenzielle Instrumente, diese Versorgungslücke zu schließen.

Methodik und Studiendesign

GREAT-HF Care war eine cluster-randomisierte, offene pragmatische Studie in kardiologischen Praxen in Pennsylvania (USA). Eingeschlossen wurden Patientinnen und Patienten mit HFrEF (LVEF <40 %), die noch keine vollständige Vierfachtherapie erhielten.


Die Behandelnden wurden drei Strategien zugeteilt:

 

  1. Standardversorgung
  2. Klinische Entscheidungsunterstützung (CDS) mit Alerts bzw. Nudges in der elektronischen Gesundheitsakte
  3. CDS kombiniert mit Überweisung an spezialisierte Pharmazeutinnen und Pharmazeuten


Primärer Endpunkt war der prozentuale Anteil an Teilnehmenden mit GDMT-Verbesserung nach 30 Tagen.

Ergebnisse

Insgesamt wurden 4.306 Patientinnen und Patienten eingeschlossen. Das Durchschnittsalter lag bei 70 Jahren, knapp 70 % waren männlich.


Beim primären Endpunkt nach 30 Tagen zeigte sich numerisch die höchste Rate an GDMT-Optimierungen in der Gruppe mit pharmazeutischer Unterstützung (45 %), verglichen mit 35 % unter Standardversorgung und 35 % unter reinem CDS. Der Unterschied verfehlte jedoch die statistische Signifikanz.


Nach 60 und 90 Tagen ergaben sich dagegen signifikante Vorteile für die Kombination aus CDS und pharmazeutischer Mitbetreuung. Nach 90 Tagen lag die Rate der GDMT-Eskalation bei 54 % gegenüber rund 41 % in den Vergleichsgruppen.

Limitationen

Die Studie war offen durchgeführt und auf ambulante kardiologische Zentren in Pennsylvania (USA) begrenzt, was eine direkte Übertragbarkeit auf das deutsche Gesundheitssystem erschwert. Zudem wurden primär Prozessparameter und keine harten klinischen Endpunkte untersucht.

Fazit und Kommentar

GREAT-HF Care legt nahe, dass digitale Entscheidungsunterstützung allein möglicherweise nicht ausreicht, um die Umsetzung leitliniengerechter Herzinsuffizienztherapie relevant zu verbessern. Dagegen zeigte die Kombination mit strukturierter pharmazeutischer Mitbetreuung im Studienverlauf höhere Raten an GDMT-Optimierungen.

 

Die Studie adressiert ein wichtiges Problem der modernen Herzinsuffizienzversorgung: die Umsetzung evidenzbasierter Therapien im klinischen Alltag. Interessant ist insbesondere, dass sich unter zusätzlicher pharmazeutischer Unterstützung stärkere Effekte zeigten als unter alleiniger elektronischer Entscheidungsunterstützung. Die Ergebnisse liefern damit wichtige Hinweise für zukünftige multidisziplinäre Versorgungskonzepte.

Zur Person

Dr. Fabian Kerwagen

Dr. Fabian Kerwagen, Assistenzarzt in der Weiterbildung Kardiologie am Universitätsklinikum Würzburg und Deutschen Zentrum für Herzinsuffizienz, engagiert sich in der digitalen Herzmedizin, insbesondere im Bereich Telemonitoring und Herzinsuffizienz. Er ist aktives Mitglied der YoungDGK sowie Ambassador der YoungHFA für Deutschland und wirkt an nationalen wie europäischen Forschungsprojekten zur digitalen Versorgung mit.
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Key Facts der Studie

Die Studie untersuchte, ob elektronische Entscheidungsunterstützung in der elektronischen Gesundheitsakte (EHR) mit Alerts und Nudges oder zusätzlich mit einer pharmazeutischen Mitbetreuung die leitliniengerechte Therapie bei HFrEF verbessern können.

Während reine EHR-basierte „Nudges“ keinen klaren Effekt zeigten, führte die Kombination mit Überweisung an spezialisierte Pharmazeutinnen und Pharmazeuten zu einer Optimierung der leitliniengerechten medikamentösen Therapie (GDMT).

Unter zusätzlicher pharmazeutischer Unterstützung zeigten sich stärkere Effekte als unter alleiniger elektronischer Entscheidungsunterstützung. Die Ergebnisse liefern damit wichtige Hinweise für zukünftige multidisziplinäre Versorgungskonzepte.

Referenzen

  1. Wright E. Great-HF Care: Impact of EHR-based nudges or pharmacy services on GDMT prescribing in patients with HFrEF. Advances in heart failure detection and therapy, 10.05., Barcelona, HFA 2026.

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