Obwohl die prognostische Bedeutung einer frühzeitigen und optimalen leitliniengerechten medikamentösen Therapie (GDMT) bei HFrEF gut belegt ist, bleibt die Umsetzung im klinischen Alltag unzureichend. Zahlreiche Patientinnen und Patienten erhalten keine vollständige Vierfachtherapie oder erreichen die empfohlenen Zieldosen nicht. Digitale Entscheidungsunterstützungssysteme und strukturierte pharmazeutische Betreuung gelten als potenzielle Instrumente, diese Versorgungslücke zu schließen.
GREAT-HF Care war eine cluster-randomisierte, offene pragmatische Studie in kardiologischen Praxen in Pennsylvania (USA). Eingeschlossen wurden Patientinnen und Patienten mit HFrEF (LVEF <40 %), die noch keine vollständige Vierfachtherapie erhielten.
Die Behandelnden wurden drei Strategien zugeteilt:
- Standardversorgung
- Klinische Entscheidungsunterstützung (CDS) mit Alerts bzw. Nudges in der elektronischen Gesundheitsakte
- CDS kombiniert mit Überweisung an spezialisierte Pharmazeutinnen und Pharmazeuten
Primärer Endpunkt war der prozentuale Anteil an Teilnehmenden mit GDMT-Verbesserung nach 30 Tagen.
Insgesamt wurden 4.306 Patientinnen und Patienten eingeschlossen. Das Durchschnittsalter lag bei 70 Jahren, knapp 70 % waren männlich.
Beim primären Endpunkt nach 30 Tagen zeigte sich numerisch die höchste Rate an GDMT-Optimierungen in der Gruppe mit pharmazeutischer Unterstützung (45 %), verglichen mit 35 % unter Standardversorgung und 35 % unter reinem CDS. Der Unterschied verfehlte jedoch die statistische Signifikanz.
Nach 60 und 90 Tagen ergaben sich dagegen signifikante Vorteile für die Kombination aus CDS und pharmazeutischer Mitbetreuung. Nach 90 Tagen lag die Rate der GDMT-Eskalation bei 54 % gegenüber rund 41 % in den Vergleichsgruppen.
Limitationen
Die Studie war offen durchgeführt und auf ambulante kardiologische Zentren in Pennsylvania (USA) begrenzt, was eine direkte Übertragbarkeit auf das deutsche Gesundheitssystem erschwert. Zudem wurden primär Prozessparameter und keine harten klinischen Endpunkte untersucht.
GREAT-HF Care legt nahe, dass digitale Entscheidungsunterstützung allein möglicherweise nicht ausreicht, um die Umsetzung leitliniengerechter Herzinsuffizienztherapie relevant zu verbessern. Dagegen zeigte die Kombination mit strukturierter pharmazeutischer Mitbetreuung im Studienverlauf höhere Raten an GDMT-Optimierungen.
Die Studie adressiert ein wichtiges Problem der modernen Herzinsuffizienzversorgung: die Umsetzung evidenzbasierter Therapien im klinischen Alltag. Interessant ist insbesondere, dass sich unter zusätzlicher pharmazeutischer Unterstützung stärkere Effekte zeigten als unter alleiniger elektronischer Entscheidungsunterstützung. Die Ergebnisse liefern damit wichtige Hinweise für zukünftige multidisziplinäre Versorgungskonzepte.
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