So kann sich das Stresserleben nach einem Trauma emotional, kognitiv, körperlich und im zwischenmenschlichen Bereich zeigen. Emotionale Reaktionen sind Schock, Ängste, seelischer Schmerz, Groll, Schuld, Scham, Hilflosigkeit, Hoffnungslosigkeit und erstarrte Affekte. Kognitive Reaktionen sind Verwirrung, Desorientierung, Dissoziation, Unentschlossenheit, Konzentrationsschwäche, Gedächtnisverlust, Selbstbeschuldigungen und einschießende Erinnerungen, die nicht zu kontrollieren sind.
Im zwischenmenschlichen Bereich sind Ärzt:innen und Pflegekräfte, Freunde und Familienmitglieder betroffen. Die Beziehungen sind dann z.B. durch Misstrauen, Reizbarkeit und Distanzierung belastet.
Die körperlichen Reaktionen, wie Herzrasen, Druckgefühl im Brustbereich, Luftnot, Schwindel, Zittern der Hände, Spannungsgefühl im Körper, Schlafstörungen, Übelkeit und erhöhte Schreckhaftigkeit, veranlassen viele Betroffene bei der Kardiologin oder dem Kardiologen vorstellig zu werden. Psychische und körperliche Reaktionen auf traumatisierende Ereignisse werden in den gängigen Diagnose-Manualen ICD-10/ICD-11 als Krankheitsbilder betrachtet. Jedoch sollte man sich im Klaren darüber sein, dass es sich um normale, individuelle Reaktionen auf traumatische Erlebnisse handelt und den Betroffenen gegenüber von einer vor-schnellen Pathologisierung absehen.
Die Arbeitsgruppe empfiehlt eine Stabilisierung in drei Schritten:
1. Herstellen einer vertrauensvollen, empathischen Beziehung und tragfähigen Kommunikation
2. Vegetative Übererregung dämpfen z.B. mithilfe von Entspannungstechniken
3. Information und Beratung über Symptome und Ressourcen
Von einer Pharmakotherapie rät die Arbeitsgruppe bei der Behandlung von Traumafolgestörungen, wegen der Suchtgefahr und hohen Nebenwirkungen, ab. Eine Ausnahme ist die Behandlung einer zusätzlich auftretenden Depression mit Antidepressiva.
Bei einmaligem Trauma und bei Menschen ohne psychische Erkrankungen in der Vorgeschichte und guten internen und externen Ressourcen werden die Symptome innerhalb von wenigen Wochen wieder abklingen. Sollten die Symptome nach Ablauf von ca. drei Monaten weiter bestehen bleiben, so kann sich daraus eine PTBS (ICD-10: F43.1) entwickeln. Die Behandlung der PTBS sollte von geschulten Psychotherapeuten:innen durchgeführt werden und beinhaltet oft auch eine Trauma-Exposition.
Den vollständigen Artikel mit konkretem Fallbeispiel finden Sie in der Cardio News, Mai 2022, S. 41.
Weitere Informationen zur Arbeitsgruppe 30: https://dgk.org/ueber-uns/arbeitsgruppen/ag30-psychosoziale-kardiologie/