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Studien kompakt

Kurz und knapp informiert: Dieses Mal geht es um: Nutzen von Betablockern bei HFrEF und COPD, TMAO als prädiktiver Biomarker bei Aortenaneurysmen, Ballon-expandierende vs. selbst-expandierende TAVI bei bikuspider Aortenklappenstenose, Zalunfiban zur Erstversorgung bei STEMI, hohe Semaglutid-Abbruchraten im ersten Jahr und Wirksamkeit von Acoramidis bei ATTR-CM.

Von:

Dr. Heidi Schörken

HERZMEDIZIN-Redaktion

 

01.10.2025

Bildquelle (Bild oben): niratsn2510 / Shutterstock.com

Schwedisches Register: Betablocker bei HFrEF und COPD

Der Nutzen von Betablockern wurden anhand der Registerdaten von 5.084 Personen mit HFrEF und COPD aus Schweden untersucht, die zu 91,5 % Betablocker einnahmen. Über ein medianes Follow-up von 2,5 Jahren senkten Betablocker nicht das Risiko für schwere COPD-Exazerbationen, aber das Risiko für kardiovaskuläre Todesfälle und Herzinsuffizienz-Hospitalisierungen um 16 %. Dieser positive Effekt von Betablockern war über alle Subgruppen hinweg nachweisbar und war bei Personen mit LVEF <30 % besonders stark ausgeprägt.1

TMAO: Biomarker für Aortenaneurysmen

Trimethylamin-N-oxid (TMAO) wird in der Leber aus Trimethylamin (TMA) gebildet, das als Metabolit des Darmmikrobioms bei Verzehr von rotem Fleisch, Eiern und Milchprodukten entsteht. In einer Kohortenstudie wurden die TMAO-Spiegel von 895 Personen mit Aortenaneurysmen (AA) aus Schweden und den USA untersucht. Hohe TMAO-Spiegel waren mit einem erhöhten Risiko einer beschleunigten Aneurysmen-Vergrößerung assoziiert. TMAO könnte sich daher als prädiktiver Biomarker eignen, um Hochrisiko-Personen mit AA zu identifizieren, bei denen die Notwendigkeit einer OP besteht.2

Bikuspide AS: Ballon- vs. selbst-expandierende TAVI

In einer multizentrischen Studie mit 1.443 Personen mit bikuspider Aortenklappenstenose (AS) wurden die Outcomes über 3 Jahre untersucht nach Implantation einer Ballon-expandierenden TAVI (BE-TAVI, n=860) gegenüber einer selbst-expandierenden TAVI (SE-TAVI; n=583). Der primäre Endpunkt (Tod oder Schlaganfall) unterschied sich nicht zwischen beiden Gruppen. BE-TAVI war jedoch mit höheren transvalvulären Druckgradienten und häufigeren Annulus-Rupturen verbunden, dagegen kamen Aortenklappeninsuffizienz und Herzschrittmacher-Implantationen häufiger bei Personen nach SE-TAVI vor.3

CeleBrate: Zalunfiban bei STEMI

Zalunfiban ist ein neuer Thrombozytenaggregationshemmer, der speziell für die Erstversorgung von Personen mit STEMI entwickelt wurde. In der Phase-3-Studie CeleBrate wurden 2.463 Personen eingeschlossen, die unmittelbar nach der STEMI-Diagnose (zuhause, ambulant oder in der Notfallaufnahme) Zalunfiban (s.c.) oder Placebo (s.c.) erhielten. Laut Herstellerangaben wurde der primäre Wirksamkeitsendpunkt (thromboembolische Ereignisse oder Tod) und der primäre Sicherheitsendpunkt (Blutungen BARC 3-5) innerhalb von 30 Tagen nach der Injektion erreicht. Alle weiteren Daten werden auf dem AHA 2025 (7.-10. November, New Orleans) vorgestellt.4

EASD 2025: Die Hälfte bricht Semaglutid ab

In einer Kohortenstudie wurden Daten von 77.310 Personen ohne Diabetes (mittleres Alter 50 Jahre; 71 % Frauen) untersucht, die eine Semaglutid-Therapie in Dänemark zwischen 2022 bis 2023 begonnen hatten. Prof. Reimar Thomsen (Aarhus, Dänemark) stellte die ernüchternden Ergebnisse beim EASD 2025 in Wien vor. Behandlungsabbrüche kamen überraschend häufig vor: 18 % nach 3 Monaten, 31 % nach 6 Monaten und 52 % nach 12 Monaten. Als Hauptursachen für das frühe Aus der Semaglutid-Therapie wurden geringes Einkommen und Komorbiditäten identifiziert.5

HFSA 2025: Acoramidis bei ATTR-CM

Die Post-hoc-Analyse der Studie ATTRibute-CM wurde beim HFSA 2025 in Minneapolis präsentiert und zeitgleich publiziert: In der Phase-3-Studie mit insgesamt 611 Personen mit ATTR-CM (Transthyretin-Amyloidose mit Kardiomyopathie) senkte Acoramidis die kumulative Inzidenz kardiovaskulärer Ereignisse innerhalb von 30 Monaten signifikant um rund 50 % vs. Placebo. Rund 25 % der kumulativen kardiovaskulären Ereignisse traten innerhalb der ersten 6 Monate auf, was die Bedeutung der frühen Diagnose und Therapie von ATTR-CM unterstreicht.6,7

Referenzen

  1. Beer BN et al. Beta-blockers in patients with heart failure with reduced ejection fraction and concomitant chronic obstructive pulmonary disease: Cardiovascular and respiratory outcomes. Eur J Heart Fail. 2025 Sep 11. doi: 10.1002/ejhf.70046. Epub ahead of print. PMID: 40932340.
  2. Cameron SJ et al. Circulating Trimethylamine N-Oxide and Growth Rate of Abdominal Aortic Aneurysms and Surgical Risk. JAMA Cardiol. 2025 Aug 20:e252698. doi: 10.1001/jamacardio.2025.2698.
  3. Giacoppo D et al. Transcatheter Aortic Valve Replacement With Balloon- Versus Self-Expandable Bioprostheses for the Treatment of Bicuspid Aortic Valve Stenosis. Circulation. 2025 Sep 9;152(10):639-657.
  4. https://www.celecor.com/phase-3-study-of-novel-anti-platelet-drug-for-heart-attack-reports-positive-topline-results/
  5.  Thomsen RW. Discontinuation of semaglutide therapy for weight loss: population-based study of the first 77,310 users in Denmark. EASD 2025; 16.09.; Wien 
  6. Masri A. Effect of Acoramidis on Recurrent and Cumulative Cardiovascular Outcomes in ATTR-CM: Exploratory Analysis from ATTRibute-CM. HFSA 2025; 28. September; Minneapolis, USA
  7. Masri A et al. Effect of Acoramidis on Recurrent and Cumulative Cardiovascular Outcomes in ATTR-CM: Exploratory Analysis from ATTRibute-CM. https://www.jacc.org/doi/10.1016/j.jacc.2025.09.013

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