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Studien kompakt

Kurz und knapp informiert: Dieses Mal geht es um SCAD bei sportlich Aktiven, Komplett-Revaskularisation nach STEMI bei Herzinsuffizienz (OPTION-STEMI), Haferflocken zur LDL-C-Senkung, mit weniger Salz in Baguettes Leben retten, Kardiotoxizität durch Chemotherapie, Herzgesundheit in der Menopause (SHE-HEALS) und warum Eulen ein erhöhtes CVD-Risiko haben.

Von:

Dr. Heidi Schörken

HERZMEDIZIN-Redaktion

 

28.01.2026

Bildquelle (Bild oben): niratsn2510 / Shutterstock.com

SCAD-Register: Mehr Fälle von N-STEMI und Herzstillstand im Leistungssport

In einem prospektiven Register wurden 833 Personen mit bestätigter SCAD (Spontane Koronararterien-Dissektion) untersucht, darunter 245 Sportlerinnen und Sportler, die an mehr als 5 Tagen pro Woche trainierten (HAI-Gruppe). In der HAI-Gruppe war die Prävalenz von N-STEMI und Herzstillstand signifikant höher, dagegen waren STEMI und Mehrgefäßbeteiligungen seltener. Das Risiko für SCAD-Rezidive und kardiovaskuläre Ereignisse war über 10 Jahre nicht erhöht. Sportlich hochaktive Menschen mit SCAD weisen insgesamt ein ungewöhnliches klinisches Profil auf, das genauer untersucht werden sollte.1

OPTION-STEMI: Keine Komplett-Revaskularisation bei Herzinsuffizienz

In der randomisierten Studie OPTION-STEMI mit 994 Personen mit STEMI und Mehrgefäß-KHK konnte zuvor keine Nicht-Unterlegenheit der Komplett-Revaskularisation gegenüber der zweizeitigen Strategie nachgewiesen werden – jetzt wurde eine Subgruppenanalyse der 329 (33,1 %) Personen mit Herzinsuffizienz (HI) publiziert. Der primäre Endpunkt (Tod, Myokardinfarkt oder ungeplante Revaskularisation innerhalb eines Jahres) trat in der HI-Gruppe nach Komplett-Prozedur häufiger als bei der gestuften Strategie auf. Zukünftig soll überprüft werden, ob die Nicht-Unterlegenheit der Komplett-Strategie für Personen ohne Herzinsuffizienz nachweisbar ist.2

Ernährungsstudie: 2 Tage Haferflocken zur LDL-C-Senkung

Forschende der Universität Bonn untersuchten bei jeweils 34 Personen mit metabolischem Syndrom die Effekte einer intensiven reinen Haferflocken-Diät über 2 Tage und einer moderaten Haferflocken-Kur über 6 Wochen (jeweils gegenüber Kontrollgruppen). Die 2-Tages-Kur bewirkte eine LDL-C-Senkung um 10 %, die mindestens 6 Wochen lang anhielt. Dagegen war keine LDL-C-Senkung nach der 6-Wochen-Kur nachweisbar. Als treibender Faktor für die cholesterinsenkende Wirkung der Haferflocken wurde Dihydroferulasäure identifiziert, ein Metabolit des Darmmikrobioms. Laut den Forschenden ist die 2-Tages-Haferflocken-Diät geeignet, um das Darmmikrobiom und den Lipidstoffwechsel nachhaltig günstig zu beinflussen.3

Hypertonie: Weniger Salz in Baguettes rettet Leben

In Frankreich wird seit 2019 das Ziel verfolgt, den Salzkonsum der Bevölkerung um 30 % zu senken. Rund 25 % der täglichen Salzaufnahme erfolgt über Brot. Daher wurde die Salzmenge im Baguette schrittweise von 2 g/100 g auf rund 1,3 g/100 g gesenkt. Laut einer aktuellen Analyse verringerte diese Maßnahme den täglichen Salzkonsum pro Person um 0,35 g, wodurch hochgerechnet über 6.000 Hospitalisierungen und 1.000 Todesfälle pro Jahr vermieden wurden. Ein ähnliches Programm zur Salzreduktion wurde 2024 im Vereinigten Königreich (UK) begonnen, das Salzhöchstmengen von 84 Lebensmittel-Kategorien umfasst und einer mittleren Salzreduktion um 20 % entspricht. Laut Hochrechnungen werden durch diese Maßnahme rund 100.000 Fälle ischämischer Herzerkrankungen und 25.000 Schlaganfälle über einen Zeitraum von 20 Jahren vermieden. Diese Studien zeigen, dass große Effekte durch geringe Veränderungen erreicht werden können und sollten andere Länder zu ähnlichen Programmen ermutigen.4,5

Kardiotoxizität durch Chemotherapie: Welche Frauen sind besonders gefährdet?

Forschende der Universität Krakau untersuchten gefäßschädigende Effekte der Chemotherapie in tumorfreien Gewebeproben bei 22 pre- und 40 postmenopausalen Brustkrebs-Patientinnen, wovon jeweils 14 pre- und 20 postmenopausale Frauen eine neoadjuvante Chemotherapie erhielten und die übrigen Frauen nur eine OP. Die Chemotherapie führte bei postmenopausalen Frauen zu oxidativem Stress und Schädigungen der Gefäße, aber nicht bei premenopausalen Frauen. In der OP-Gruppe waren dagegen keine Unterschiede nachweisbar. Laut den Forschenden haben postmenopausale Brustkrebs-Patientinnen ein stark erhöhtes Risiko für Gefäßschädigungen durch die Chemotherapie und sollten daher eine Primärprävention erhalten.6

SHE-HEALS: Hormonelle Veränderungen in der Menopause

Das Global Cardiovascular Research Funders Forum (GCRFF) fördert mit rund 10 Mio. US-Dollar die geplante internationale SHE-HEALS-Studie unter Leitung von Prof. Ziad Mallat (Cambridge, UK) und Prof. Martha Hickey (Melbourne, Australien). In der bislang größten Studie, die auch durch das DZHK gefördert wird, soll untersucht werden, wie sich hormonelle Veränderungen in der Menopause auf die Herzgesundheit auswirken.7

Chronotypen: Warum Eulen ein erhöhtes CVD-Risiko haben

Der Zusammenhang von Chronotypen und CVD-Risiko wurde in einer UKBiobank-Analyse mit mehr als 300.000 Erwachsenen untersucht. Etwa 8 % gehörten zu den Eulen (späte Schlafenszeit), 24 % zu den Lerchen (frühe Schlafenszeit) und 67 % zum intermediären Chronotyp. Eulen hatten ein 16 % höheres Risiko für CVD-Ereignisse gegenüber dem intermediären Typ. Das erhöhte Risiko war vor allem auf LE8-Faktoren zurückzuführen (Ernährung, Bewegung, Rauchen, Schlaf, Körpergewicht, Lipidwerte, Blutzucker und Blutdruck), was darauf hinweist, dass Eulen besonders stark von Maßnahmen zur Verbesserung des Lebensstils profitieren würden.8

Referenzen

  1. Battenberg AE et al. Spontaneous Coronary Artery Dissection in Highly Active Individuals: Insights From a Prospective Registry. JACC Adv. 2026 Jan 2;5(2):102485.
  2. Kim MC et al. Complete revascularization timing in ST-segment elevation myocardial infarction and multivessel disease with heart failure: the OPTION-STEMI trial. Eur Heart J. 2026 Jan 6:ehaf924.
  3. Klümpen L et al. Cholesterol-lowering effects of oats induced by microbially produced phenolic metabolites in metabolic syndrome: a randomized controlled trial. Nat Commun. 2026 Jan 14;17(1):598.
  4. Grave C et al. From French Gastronomy to Cardiovascular Health: Cutting Salt in the Baguette Has Saved Thousands of Lives in France. Hypertension. 2026 Jan 26. doi: 10.1161/HYPERTENSIONAHA.125.25977.
  5. Bandy L et al. Estimating the Potential Impact of the 2024 UK Salt Reduction Targets on Cardiovascular Health Outcomes and Health Care Costs in Adults: A Modeling Study. Hypertension. 2026 Jan 26. doi: 10.1161/HYPERTENSIONAHA.125.25159. Epub ahead of print. PMID: 41582820.
  6. Szczepaniak P et al. Menopausal Status Associated With Docetaxel-Induced Vascular Dysfunction in Breast Cancer Patients. J Am Coll Cardiol. 2025 Dec 29:S0735-1097(25)10162-9. doi: 10.1016/j.jacc.2025.10.077. Epub ahead of print. PMID: 41532932.
  7. https://www.gcrff.org/she-heals
  8. Kianersi S et al. Chronotype, Life's Essential 8, and risk of cardiovascular disease: a prospective cohort study in UK Biobank. JAHA 2026

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