Das Wichtigste in Kürze
-
Während der Fußballmeisterschaft 2008 stellten Forschende fest: Wenn die deutsche Nationalmannschaft spielte, gab es bei Männern fast dreimal mehr Herznotfälle als an den Kontrolltagen.
-
Beim Fußballschauen steigt der Puls: Beim DFB-Pokalfinale 2025 lag die durchschnittliche Herzfrequenz der Versuchsteilnehmenden im Stadion bei 94 Schlägen pro Minute. Zum Vergleich: Bei Erwachsenen liegt der Ruhepuls normalerweise bei etwa 60 bis 80 Schlägen pro Minute.
-
Nicht zu wild feiern! Durch übermäßigen Alkoholkonsum können auch Menschen ohne bekannte Herzerkrankung das sogenannte Holiday-Heart-Syndrom entwickeln – das sind Herzrhythmusstörungen, die typischerweise innerhalb von 24 bis 48 Stunden nach exzessivem Alkoholkonsum auftreten können.
-
Es ist vollkommen okay, wenn man beispielsweise während einer Fußball-Weltmeisterschaft mal eine Nacht weniger schläft oder einen Tag schlechter isst: Entscheidend ist es, langfristig auf ausreichend Schlaf und eine gesunde Ernährung zu achten.
-
Man kann die Weltmeisterschaft auch sportlich nutzen: Die Weltgesundheitsbehörde WHO empfiehlt mindestens 150 Minuten moderate körperliche Aktivität pro Woche. Setzt man sich während eines Fußballspiels mit Hanteln aufs Sofa oder auf den Heimtrainer, hat man sich schon nach nicht einmal zwei Spielen ausreichend bewegt.
Kann die Aufregung beim Fußballspiel einen Herzinfarkt auslösen?
Ein gegnerisches Tor, ein verschossener Elfmeter, ein fieses Foul am Lieblingsspieler – ein Fußballspiel kann schnell zur Belastungsprobe fürs Herz werden. Forschende des Universitätsklinikums München-Großhadern stellten während der Fußball-Weltmeisterschaft 2008 fest: Wenn die deutsche Nationalmannschaft spielte, gab es bei Männern fast dreimal mehr Herznotfälle als an den Kontrolltagen. Besonders häufig waren Menschen mit einer Koronaren Herzerkrankung betroffen. „Emotionaler Stress ist eine Belastung fürs Herz – vor allem, wenn dann noch andere Stressfaktoren wie Alkohol oder Schlafmangel dazu kommen“, erklärt Dr. Mareike Cramer, Oberärztin und Leiterin der kardialen Magnetresonanztomographie am Universitätsklinikum Düsseldorf. „Das heißt nicht, dass man solche Events nicht feiern sollte. Aber wenn man eine Herz-Kreislauf-Erkrankung hat, sollte man ein paar Dinge beachten.“
Fußballschauen soll doch Spaß machen – warum ist das überhaupt eine Belastung fürs Herz?
„Bei Aufregung – bei Freude, aber auch bei Ärger – wird das sympathische Nervensystem aktiviert“, erklärt die Kardiologin. Das heißt: Der Körper schüttet Stresshormone wie Adrenalin und Noradrenalin aus, wodurch Puls und Blutdruck steigen. Eine Untersuchung der Universität Bielefeld konnte zum Beispiel zeigen: Beim DFB-Pokalfinale 2025 lag die durchschnittliche Herzfrequenz im Stadion bei 94 Schlägen pro Minute. Nach dem ersten Tor von Arminia Bielefeld stieg der Puls der Stadionbesucherinnen und -besucher sogar auf durchschnittlich 108. Zum Vergleich: Bei Erwachsenen liegt der Ruhepuls normalerweise bei etwa 60 bis 80 Schlägen pro Minute. In Stresssituationen steigen Herzfrequenz und Blutdruck, wodurch der Herzmuskel mehr Arbeit leisten muss und sein Sauerstoffbedarf zunimmt. „Gesunde Herzkranzgefäße können ihre Durchblutung in der Regel entsprechend steigern. Sind sie jedoch durch Ablagerungen verengt, reicht die Sauerstoffversorgung unter Umständen nicht mehr aus“, so die Kardiologin.
Den Sieg so richtig feiern: Wie wirkt sich Alkohol auf das Herz aus?
Aus Sicht der WHO gibt es keinen Alkoholkonsum ohne gesundheitliches Risiko. Je mehr Alkohol konsumiert wird, desto stärker steigt unter anderem das Risiko für Bluthochdruck und Herzrhythmusstörungen. „Alkohol hat einen deutlichen Einfluss auf unsere Herz-Kreislauf-Gesundheit. Daher empfehlen wir, den Alkoholkonsum möglichst gering zu halten“, sagt Dr. Cramer. Und das gilt nicht nur für den regelmäßigen Konsum, sondern auch für feiernde Fußball-Fans, die jetzt `ausnahmsweise mal über die Stränge schlagen`. Bei einem übermäßigen Alkoholkonsum kann das sogenannte Holiday-Heart-Syndrom auftreten – das sind Herzrhythmusstörungen, die typischerweise innerhalb von 24 bis 48 Stunden nach exzessivem Alkoholkonsum vorkommen können. Und das auch bei Menschen ohne bekannte Herzerkrankung. Typische Symptome sind Herzklopfen, zusätzlich können Schwindel oder Brustschmerzen auftreten.
Für eine aktuelle Untersuchung wurden 202 gesunde junge Freiwillige über 48 Stunden EKG-überwacht. Atem-Tests ergaben bei ihnen Alkohol-Peak-Werte von bis zu 2,5 Promille. Das Ergebnis: Die EKG-Daten zeigten mit zunehmendem Alkoholkonsum einen Anstieg der Herzfrequenz. Klinisch bedeutsame Rhythmusstörungen wie Vorhofflimmern traten bei etwa 5 Prozent der Feiernden auf.
„Auch hier gilt wieder: Das Risiko steigt, wenn Schlafmangel und Stress dazukommen und man zudem nicht genug Nicht-Alkoholisches trinkt“, sagt Dr. Cramer.
Zum Expertin
Dr. Mareike Cramer
Dr. Mareike Cramer ist Oberärztin und Leiterin der kardialen Magnetresonanztomographie am Universitätsklinikum Düsseldorf
Pizza, Chips und Co. vor dem Fernseher – wie ungesund ist Fast Food für das Herz?
Das kennen vermutlich viele Fans: Wenn ein entscheidendes Spiel ansteht, bleibt oft nicht ausreichend Zeit zum Kochen. Stattdessen setzt man sich mit einer Fertigpizza vor den Fernseher und isst vielleicht danach noch ein paar Chips. „Ein Kollege aus der Gastroenterologie rät immer: `Nichts essen, was man aufreißen muss!` Daran sollte man sich grundsätzlich auch als Herzpatientin oder Herzpatient halten“, empfiehlt die Kardiologin. Denn viele Fertigprodukte enthalten sehr viel Salz, gesättigte Fettsäuren und Kalorien. Das belastet auf Dauer das Herz-Kreislauf-System: Es erhöht Blutdruck, Cholesterinwerte und Gewicht. „Wenn man das jetzt aber ausnahmsweise mal während der WM macht, ist das für die meisten Menschen kein Problem“, so die Herz-Expertin.
Nachts aufstehen und das Spiel gucken – was macht Schlafmangel mit dem Herz?
„Schlaf ist wichtig für die Regeneration des Herz-Kreislaufsystems“, erklärt die Kardiologin. „Ein Schlafmangel kann langfristig zu Bluthochdruck führen und die Entstehung von Übergewicht und Diabetes begünstigen.“ Zudem steigert auch Schlafmangel die Aktivität des Stress-Nervensystems, was die Belastung des Herzens noch einmal erhöht. Die Europäische Gesellschaft für Kardiologie empfiehlt daher in ihrer Leitlinie zur Prävention von Herz-Kreislauferkrankungen mindestens sieben Stunden Schlaf pro Nacht. Sollte man dann also vorschlafen, wenn in der Nacht Fußballspiele anstehen? „Es geht eher um einen dauerhaften Schlafmangel – wenn man jetzt bei der WM zwischendurch einmal nicht auf die sieben Stunden Schlaf kommt, sollte das unkritisch sein“, entwarnt die Kardiologin.
„Am besten wäre es für die Herzgesundheit, wenn einen das Sport-Event motiviert, selbst wieder regelmäßig sportlich aktiv zu werden.“
Dr. Mareike Cramer
Public Viewing in der Hitze? Worauf sollten Menschen mit Herzerkrankung achten?
itze erweitert die Blutgefäße. Dadurch kann der Blutdruck sinken. Gleichzeitig verlieren wir durch das Schwitzen sehr viel Flüssigkeit. „Das kann insbesondere für ältere Menschen, die an einer Herzinsuffizienz, also einer Herzschwäche, leiden, zu Problemen führen“, sagt die Kardiologin. Diese Menschen sollten sich nicht nur regelmäßig wiegen, um zu kontrollieren, ob ihr Körper zu viel oder zu wenig Flüssigkeit abgibt. Ihnen empfiehlt die Kardiologin auch, ihre Aktivitäten möglichst in den frühen Morgen oder späten Abend zu verlegen – und gegebenenfalls eher auf das Public Viewing zu verzichten. Bei Warnzeichen wie geschwollenen Beinen, einer deutlichen Gewichtszunahme, Schwindel, Herzrasen oder Luftnot sollten sie sofort ärztlichen Rat einholen.
Und was gilt für Menschen ohne eine Herzschwäche? „Die sollten – genau wie herzgesunde Menschen – darauf achten, ausreichend zu trinken“, sagt die Kardiologin. Außerdem empfiehlt sie ihnen, möglichst nicht nur auf der Stelle zu stehen, sondern ein bisschen herumzulaufen, um das Venensystem zu aktivieren. „Oder man macht es wie die Königliche Garde vor dem Buckingham Palace: Die bewegen angeblich ihre Füße in den Stiefeln, um die Wadenmuskelpumpe in Gang zu halten und den venösen Rückstrom zu fördern.“
Sport in der Halbzeit: Wie kann ich die WM für mein Herz nutzen?
Die Weltgesundheitsbehörde WHO empfiehlt mindestens 150 Minuten moderate körperliche Aktivität pro Woche. „Wenn wir uns vorstellen, dass jedes Fußballspiel eine 15-minütige Pause in der Halbzeit hat, würde es reichen, zehn Pausen zu nutzen, um das Wochenpensum zu schaffen“, sagt die Kardiologin. „Oder man setzt sich mit Hanteln aufs Sofa oder aber auf den Heimtrainer – dann hat man sich schon nach nicht einmal zwei Spielen ausreichend bewegt. Am besten wäre es für die Herzgesundheit, wenn einen das Sport-Event motiviert, selbst wieder regelmäßig sportlich aktiv zu werden.“ Dann hätte die Weltmeisterschaft nämlich einen ausnahmslos positiven Effekt auf die Herzgesundheit …
Und was gilt für Menschen ohne eine Herzschwäche? „Die sollten – genau wie herzgesunde Menschen – darauf achten, ausreichend zu trinken“, sagt die Kardiologin. Außerdem empfiehlt sie ihnen, möglichst nicht nur auf der Stelle zu stehen, sondern ein bisschen herumzulaufen, um das Venensystem zu aktivieren. „Oder man macht es wie die Königliche Garde vor dem Buckingham Palace: Die bewegen angeblich ihre Füße in den Stiefeln, um die Wadenmuskelpumpe in Gang zu halten und den venösen Rückstrom zu fördern.“
FAQ – Häufige Fragen zu Stadionbesuchen und Herzgesundheit
Häufige Fragen (FAQ) zum Thema:
Bewegung hat nachweislich einen positiven Effekt auf das Herz. Denn Sport lässt das Fortschreiten von Fett- und Kalkablagerungen in den Gefäßen (Atherosklerose) verlangsamen. Das wiederum verringert die Gefahr einer sogenannten kardiovaskulären Erkrankung, zum Beispiel eines Herzinfarkts. Ein weiteres Plus: Sport senkt die Cholesterinwerte und verringert wie nebenbei Übergewicht. Durch Bewegung verbessert sich die körperliche Leistungsfähigkeit im Alltag – und auch die Laune.
Damals hat man in verschiedenen französischen Weinbauregionen trotz eines hohen Fett- und Nikotinkonsums eine deutlich niedrigere Herz-Kreislauf-Sterblichkeit beobachtet. Dieses Phänomen – das auch das Französische Paradox genannt wird – wurde von einigen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern mit dem erhöhten Rotweinkonsum erklärt. Tatsächlich enthält Rotwein beispielsweise Polyphenole, die möglicherweise einen positiven Effekt haben. Inzwischen geht man aber davon aus, dass eher der Gesamtlebensstil in diesen Regionen herzschützend wirkt: etwa die mediterrane Ernährung, regelmäßige Bewegung, soziale Einbindung und andere gesundheitsfördernde Faktoren.
Schlaf bedeutet Entspannung fürs Herz. Während des Schlafens sinkt der arterielle Blutdruck im Vergleich zum Wachsein um mindestens 10 Prozent. Diese Blutdruckabsenkung wird „Dipping“ genannt. Schlafmangel hingegen kann den Blutdruck erhöhen. Er geht mit einer verstärkten Aktivität des Sympathikus und einer verminderten Aktivität des Parasympathikus einher. Dadurch steigen Herzfrequenz und Gefäßspannung – Faktoren, die das Herz-Kreislauf-System langfristig belasten können.
Schlaf bedeutet Entspannung fürs Herz. Während des Schlafens sinkt der arterielle Blutdruck im Vergleich zum Wachsein um mindestens 10 Prozent. Diese Blutdruckabsenkung wird „Dipping“ genannt. Schlafmangel hingegen kann den Blutdruck erhöhen. Er geht mit einer verstärkten Aktivität des Sympathikus und einer verminderten Aktivität des Parasympathikus einher. Dadurch steigen Herzfrequenz und Gefäßspannung – Faktoren, die das Herz-Kreislauf-System langfristig belasten können.
Weitere informative Artikel dazu finden Sie auf unserer Übersichtsseite Alle News.