Zentrum

DGK-Zentren auf einen Blick: Telemedizinische Zentren – spezialisierte Fern-Versorgung

Bei verschiedenen Krankheitsbildern kann eine telemedizinische Versorgung sinnvoll sein. In Telemedizinischen Zentren werden Daten von Patientinnen und Patienten systematisch ausgewertet und überwacht, um frühzeitig geeignete Behandlungsmaßnahmen zu ergreifen. Prof. Dr. Christian Perings und Dr. Thomas Helms stellen die Einrichtungen vor.

Von Max Hendriks

 

14.04.2026


Bildquelle (Bild oben): Prathankarnpap / Shutterstock.com (bearbeitet)

Das Wichtigste in Kürze

Ein Telemedizinisches Zentrum (TMZ) ist eine zentrale Einrichtung, in der medizinische Daten von Patientinnen und Patienten gesammelt, überwacht und ausgewertet werden.

 

Dort arbeiten speziell geschulte Fachkräfte zusammen, um den Gesundheitszustand von Patientinnen und Patienten kontinuierlich zu beurteilen. Bei Bedarf können so frühzeitig geeignete Maßnahmen eingeleitet werden – für eine individuelle, durchgehende und ortsunabhängige Betreuung.

 

Ein Telemedizinisches Zentrum wird in der Regel nicht eigenständig aufgesucht. Vor der Aufnahme wird geprüft, ob eine Erkrankung vorliegt, die eine regelmäßige Überwachung rechtfertigt. Die Betreuung ist vor allem für chronische Erkrankungen und Krankheitsbilder gedacht.


In Deutschland gibt es aktuell 4 Einrichtungen, die durch die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie (DGK) als Telemedizinische Zentren zertifiziert sind.


Die DGK-Zertifizierung stellt sicher, dass die Versorgung medizinisch sicher, zuverlässig und qualitativ hochwertig ist. Grundlage hierfür sind einheitliche Prozess- und Qualitätsstandards, die eine transparente und überprüfbare Versorgung ermöglichen.

Was ist ein Telemedizinisches Zentrum?

Telemedizin im Allgemeinen ist ein Sammelbegriff für verschiedene Versorgungskonzepte. Die Konzepte haben gemeinsam, dass medizinische Leistungen über räumliche oder zeitliche Distanz hinweg erbracht werden. Dazu können unterschiedliche Technologien genutzt werden. So sind eine Waage, ein Blutdruckmessgerät oder ein Implantat der Patientin oder des Patienten, wie z. B. ein Kardioverter-Defibrillator (ICD), gute Beispiele für genutzte Technologien. Die übermittelten Daten werden in einer elektronischen Patientenakte gespeichert, ausgewertet und zur Entscheidungsfindung genutzt. So wird eine räumlich und zeitlich unabhängige Diagnostik, Therapie und Betreuung ermöglicht.

 

Ein Telemedizinisches Zentrum ist eine zentrale Einrichtung, in der die medizinischen Daten der Patientinnen und Patienten gesammelt, überwacht und ausgewertet werden. Dort arbeiten speziell geschulte Ärztinnen, Ärzte und Fachkräfte zusammen, um den Gesundheitszustand von Patientinnen und Patienten kontinuierlich zu beurteilen. Bei Bedarf können so frühzeitig geeignete Maßnahmen eingeleitet werden. Ebenso gibt es Alarmfunktionen in der elektronischen Patientenakte, wenn die gemessenen Daten (beispielsweise Gewicht oder Blutdruck) bestimmte Grenzwerte über- bzw. unterschreiten.

 

Der Nutzen eines solchen Zentrums liegt vor allem darin, dass es eine individuelle, durchgehende und ortsunabhängige Betreuung ermöglicht. Kritische Veränderungen im Gesundheitszustand können schneller erkannt werden, wodurch schnell die richtigen therapeutische Maßnahmen eingeleitet werden können.

Zum Experten

Prof. Dr. Christian Perings

Prof. Dr. Christian Perings ist Ärztlicher Direktor und Chefarzt der Medizinischen Klinik I – Klinik für Kardiologie, Elektrophysiologie, Pneumologie und Intensivmedizin der St. Marien Hospitals Lünen.

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Dr. Thomas Helms

Dr. Thomas Helms ist Kardiologe und ehrenamtlicher Vorstandsvorsitzende der Deutschen Stiftung für chronisch Kranke.

Dr. Thomas Helms Dr. Thomas Helms

Folgende Aspekte bilden dabei einen Mehrwert für Patientinnen und Patienten im Vergleich zur klassischen Versorgung:

 

Frühzeitige Erkennung von Verschlechterung
Der größte Mehrwert eines Telemedizinischen Zentrums liegt darin, dass Patientinnen und Patienten nicht nur punktuell bei Arztterminen betreut, sondern kontinuierlich im Alltag begleitet werden. Durch diese kontinuierliche Überwachung können Veränderungen im Gesundheitszustand früher erkannt und schneller individuell behandelt werden. 

 

Lückenlose Betreuung
Telemedizinische Zentren können den Patientinnen und Patienten eine lückenlose Betreuung unabhängig von Zeit und Ort bieten, da die Daten nicht nur bei Arztbesuchen erhoben und bewertet werden.

 

Patientensicherheit & Lebensqualität
Die Patientensicherheit wird durch die Alarmfunktion und ständige Kontrolle der Gesundheitsdaten erhöht. Vermeidbare Krankenhausaufenthalte können reduziert werden.

 

Stärkung der Patientenrolle
In der Versorgung durch Telemedizinische Zentren können Patientinnen und Patienten eine aktivere Rolle in ihrem Versorgungsprozess einnehmen. Durch die Optionen von Nurse Calls und Patienten-Schulungen wird dies zusätzlich verstärkt.

Wann sollte man ein Telemedizinisches Zentrum aufsuchen?

Ein Telemedizinisches Zentrum wird in der Regel nicht eigenständig aufgesucht. Die Aufnahme erfolgt über eine behandelnde Ärztin oder einen behandelnden Arzt. Es wird geprüft, ob eine Erkrankung vorliegt, die eine regelmäßige Überwachung rechtfertigt.


Die Betreuung durch ein kardiologisches Telemedizinisches Zentrum eignet sich vor allem für Patientinnen und Patienten mit chronischen Erkrankungen und Krankheitsbildern. Bei ihnen sind eine frühzeitige Erkennung von Zustandsveränderungen und eine zeitnahe Reaktion auf Veränderungen von entscheidender Bedeutung.

 

Beispiele sind:

  • Patientinnen und Patienten mit Koronarer Herzkrankheit nach einem Myokardinfarkt, nach einer Katheter-Intervention oder nach einem herzchirurgischen Eingriff,
  • Patientinnen und Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz oder einem erhöhten Risiko für einen plötzlichen Herztod, die bereits ein implantiertes Gerät haben (z. B. Defibrillator oder spezieller Herzschrittmacher),
  • Gefährdete Patientinnen und Patienten mit Herzinsuffizienz und/oder erhöhtem Risiko für einen plötzlichen Herztod, die noch kein implantiertes Gerät haben, aber z. B. über externe Geräte überwacht werden oder einen tragbaren Defibrillator (WCD) nutzen,
  • Patientinnen und Patienten, die zur Überwachung ihres Herzrhythmus ein Gerät tragen, das gefährliche Herzrhythmusstörungen erkennen kann, oder
  • Patientinnen und Patienten mit einem implantierten Herzschrittmacher.

 

Nach der Aufnahme in die Betreuung durch das Telemedizinische Zentrum erhält die Patientin oder der Patient die erforderliche technische Ausstattung – soweit noch nicht vorhanden – und wird in die Anwendung der Geräte und die Arbeitsweise des Telemedizinischen Zentrums eingewiesen. Welche Geräte genutzt werden richtet sich individuell nach der Patientin oder dem Patienten, dem Krankheitsbild und den zu überwachenden Parametern.

Beispiele von in Telemedizinischen Zentren verwendeten Geräten

Implantierbare Geräte (invasiv): 

  • Herzschrittmacher, ICD (implantierbarer Defibrillator), CRT-/CRT-D-Systeme, etc.
  • erfasste Parameter: Herzrhythmus, Herzfrequenz, EKG, Herz-Kreislauf-Stabilität


Externe Messgeräte (nicht-invasiv):

  • Blutdruckmessgerät, Körperwaage, EKG-Geräte, Pulsoxymeter (Sauerstoffmessung), Wearables (z. B. Smartwatch), Blutzuckermessgerät, etc.
  • erfasste Parameter: Blutdruck, Körpergewicht, Herzfrequenz, Herzrhythmus, Sauerstoffsättigung, EKG, Blutzucker

Die Patientinnen und Patienten werden anschließend zu Hause betreut. Die Gesundheitsdaten werden regelmäßig durch die Geräte an das Telemedizinische Zentrum übertragen und dort regelmäßig durch das Fachpersonal kontrolliert. Manche Geräte übertragen die Daten automatisch nach der Messung (z. B. Gewicht, Blutdruck, Sauerstoffsättigung). Andere Daten müssen aktiv durch die Patientinnen und Patienten verschickt werden. Für die Übertragung stellen die Hersteller spezielle Übertragungsgeräte oder Apps zur Verfügung (z. B. für das Versenden eines EKGs). Wenn in den Messungen bestimmte Grenzwerte über- oder unterschritten werden, wird das Zentrum auch automatisch alarmiert. Daraufhin reagiert das Telemedizinische Zentrum und kontaktiert die betroffene Person, die behandelnde Ärztin oder den behandelnden Arzt, sodass weitere Maßnahmen abgestimmt werden können.


In einem ganzheitlichen Betreuungskonzept kann das Telemonitoring durch strukturierte und standardisierte Telefonate mit qualifiziertem Personal, sogenannte „Nurse Calls“, ergänzt werden. Dabei können Informationen zur Lebensqualität, Medikation, klinischer Symptomatik und zur Häufigkeit von Arztbesuchen und Klinikaufenthalten abgefragt werden, um die Messdaten des Telemonitorings zu ergänzen. Zudem können strukturierte Schulungen durch das qualifizierte Personal zum Umgang mit der Erkrankung das Wissen und das Verständnis der Patientinnen und Patienten über die Erkrankung und die einhergehenden Therapien erhöhen.

Wie findet man ein Telemedizinisches Zentrum in seiner Nähe?

In Deutschland gibt es aktuell 4 von der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK) zertifizierte Telemedizinische Zentren. Mit der Suche der DGK finden Sie nach Eingabe Ihrer Postleitzahl alle Einrichtungen in Ihrem Umkreis auf einen Blick!

Welche Vorbereitungen kann man treffen, bevor man in die Betreuung eines Telemedizinischen Zentrums startet?

Für die Teilnahme an einer telemedizinischen Betreuung ist vor allem eines wichtig: die Bereitschaft, aktiv mitzuwirken. Das bedeutet zum Beispiel, regelmäßig Messwerte zu erfassen, auf Veränderungen zu achten und bei Bedarf mit dem Behandlungsteam in Kontakt zu bleiben. Dabei werden Patientinnen und Patienten nicht allein gelassen. Zu Beginn wird ihnen in Ruhe erklärt, wie die Geräte funktionieren und wie sie sie richtig anwenden. Wenn Fragen oder Unsicherheiten auftreten, können die Patientinnen und Patienten sich jederzeit an das Team des telemedizinischen Zentrums wenden und Unterstützung erhalten.

Wie wird ein Telemedizinisches Zentrum zertifiziert?

DGK-zertifizierte kardiologische Telemedizinische Zentren unterliegen besonderen Anforderungen. Diese sollen sicherstellen, dass die Versorgung nicht nur technisch funktioniert, sondern auch medizinisch sicher, zuverlässig und qualitativ hochwertig ist. Grundlage hierfür sind einheitliche Prozess- und Qualitätsstandards, die eine transparente und überprüfbare Versorgung ermöglichen. Für Patientinnen und Patienten bedeutet dies, dass die Qualität der Behandlung klar definierten und kontrollierten Kriterien folgt.

 

Zentral ist die Implementierung eines systematischen Qualitätsmanagementsystems. Dieses ermöglicht es, die Qualität der Versorgung in drei Bereichen – Struktur-, Prozess- und Ergebnisqualität – zu erfassen, zu überprüfen und nachzuweisen. Um das DGK-Zertifikat zu erhalten, werden die Qualitätsbereiche objektiv geprüft und bestätigt. So werden beispielsweise die Qualifikationen der Mitarbeitenden und die Arbeitsabläufe geprüft – also, was passiert, wenn ein bestimmter Alarm auftritt.

 

Gerade diese systematische Überprüfung stellt einen wesentlichen Vorteil für Patientinnen und Patienten dar, da sie eine gleichbleibend hohe Versorgungsqualität sicherstellt und kontinuierliche Verbesserungen ermöglicht. Dadurch soll die Leistung des Telemedizinzentrums kontinuierlich verbessert und gleichzeitig das Vertrauen der Patientinnen und Patienten in die Versorgung gestärkt werden. Insgesamt bietet die DGK-Zertifizierung somit einen klaren Mehrwert, da sie eine strukturierte, überprüfte und patientenorientierte Versorgung gewährleistet. 

FAQ – Häufige Fragen zu Telemedizinischen Zentren

Ein Telemedizinisches Zentrum ist eine zentrale Einrichtung, in der medizinische Daten von Patientinnen und Patienten gesammelt, überwacht und ausgewertet werden. Dort arbeiten speziell geschulte Fachkräfte zusammen, um den Gesundheitszustand von Patientinnen und Patienten kontinuierlich zu beurteilen. Bei Bedarf können so frühzeitig geeignete Maßnahmen eingeleitet werden. Der Nutzen eines solchen Zentrums liegt vor allem darin, dass es eine individuelle, durchgehende und ortsunabhängige Betreuung ermöglicht.

Ein Telemedizinisches Zentrum wird in der Regel nicht eigenständig aufgesucht. Vor der Aufnahme wird geprüft, ob eine Erkrankung vorliegt, die eine regelmäßige Überwachung rechtfertigt.


Die Betreuung eignet sich vor allem für Patientinnen und Patienten mit chronischen Erkrankungen und Krankheitsbildern. Bei ihnen sind eine frühzeitige Erkennung von Zustandsveränderungen und eine zeitnahe Reaktion auf Veränderungen von entscheidender Bedeutung.

In Deutschland gibt es aktuell 4 Einrichtungen, die als Telemedizinisches Zentrum zertifiziert sind. Über die Suche der DGK finden Sie die zertifizierten Einrichtungen in Ihrem Umkreis!

DGK-zertifizierte Telemedizinische Zentren unterliegen spezifischen Anforderungen. Diese sollen sicherstellen, dass die Versorgung nicht nur technisch funktioniert, sondern auch medizinisch sicher, zuverlässig und qualitativ hochwertig ist. Grundlage hierfür sind einheitliche Prozess- und Qualitätsstandards, die eine transparente und überprüfbare Versorgung ermöglichen. Für Patientinnen und Patienten bietet die DGK-Zertifizierung somit einen klaren Mehrwert, da sie eine strukturierte, überprüfte und patientenorientierte Versorgung gewährleistet.

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