Das Wichtigste in Kürze
- Gerade Menschen mit einer Herzerkrankung sind besonders gefährdet, sich anzustecken und als Folge der Grippeinfektion Komplikationen zu entwickeln.
- Viele Studien belegen, dass eine Grippeimpfung schwere Verläufe und Krankenhauseinweisungen verhindern kann.
- Da die Grippewelle bis in den April andauern kann, ist eine Impfung gegen Influenza auch im Januar oder Februar noch sinnvoll.
- Das Risiko von Impfreaktionen ist deutlich geringer als der Nutzen einer Grippeimpfung.
Ist es jetzt nicht zu spät für die Grippeimpfung?
Nein! Wie aktuelle Daten des Robert Koch-Instituts (RKI) zeigen, stieg die Anzahl der Grippekranken in den ersten Januarwochen an. Das ist nicht ungewöhnlich. Die Grippewelle, also die Zeit erhöhter Aktivität von Influenza A- und B-Viren – beginnt meist um den Jahreswechsel herum und dauert dann drei bis vier Monate. Das heißt: Bis Ende April ist mit Grippeinfektionen (Influenza) zu rechnen – wobei der Höhepunkt der Grippewelle meist im Januar und Februar liegt.
Für Menschen mit Herzerkrankungen bedeutet das: Wenn sie jetzt noch nicht geimpft sind, sollten sie das schleunigst nachholen! Es dauert etwa zwei Wochen, bis nach einer Impfung die vollständige Immunantwort aufgebaut ist. Laut Prof. Stephan Baldus, Direktor der Klinik für Kardiologie, Angiologie, Pneumologie und Internistische Intensivmedizin am Herzzentrum der Universität zu Köln, ist die Grippeimpfung für Herzkranke ein Muss. Er sagt: „Alle Personen über 60 Jahren sollten sich impfen lassen, außerdem alle Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen unabhängig vom Alter.“
Zum Experten
Prof. Dr. Stephan Baldus
Prof. Dr. Stephan Baldus ist Direktor der Klinik für Kardiologie, Angiologie, Pneumologie und Internistische Intensivmedizin am Herzzentrum der Universität zu Köln. Zudem ist er Past-Präsident der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK) (2023–2025).
Warum ist die Grippeimpfung für Menschen mit einer Herzerkrankung so wichtig?
Gerade für Menschen mit einer Herzerkrankung kann eine Grippeinfektion gefährlich werden. Sie haben ein erhöhtes Infektionsrisiko, da ihre chronische Entzündung die Immunfunktion beeinträchtigt und ihre Abwehr gegen Infektionen schwächt.
Deshalb raten nicht nur Kardiologinnen und Kardiologen, sondern auch die Ständige Impfkommission (STIKO), dass sich diese Patientengruppe jährlich impfen lassen sollte. Für Menschen ab 60 Jahren werden Hochdosis- oder MF59-adjuvantierte Impfstoffe empfohlen. Diese sind speziell für Menschen entwickelt worden, bei denen das Immunsystem nicht mehr so leistungsstark arbeitet. Sie sind ein wichtiger Schutz!
„Viren, die erkältungsähnliche Symptome auslösen, können auch das Herz angreifen“, erklärt Prof. Stephan Baldus, Klinikdirektor am Herzzentrum der Uniklinik Köln. „Studien zeigen, dass das Risiko für einen Herzinfarkt innerhalb der ersten sieben Tage nach der Diagnose einer Grippe um das Sechsfache steigt“, so der Kardiologe.
Zudem belegt die Forschung, dass Herzpatientinnen und -patienten, die mindestens eine Grippeschutzimpfung bekommen haben, einen deutlichen Überlebensvorteil gegenüber nicht-geimpften Patientinnen und Patienten hatten: Ihr Sterberisiko war 18 Prozent geringer.
Weshalb können Grippeviren dem Herz überhaupt so sehr schaden?
Viele glauben, Infektionen der Atemwege würden vor allem die Lunge, Bronchien, Luftröhre, Nase und Nasennebenhöhlen angreifen – tatsächlich bedeuten sie auch eine große Belastung für das Herz. „Grippeviren beeinflussen zum einen die Blutgerinnung, sie machen – vereinfacht gesagt – das Blut dicker. Zum anderen sorgen sie dafür, dass sogenannte Plaques, also Ablagerungen in den Herzkranzgefäßen, instabil werden und leichter aufreißen können, wodurch das Risiko für einen Herzinfarkt ansteigt“, erklärt Prof. Baldus.
Aber wirkt die aktuelle Grippeimpfung überhaupt gegen kursierende Grippeviren?
In jeder Saison kursieren unterschiedliche Virenstämme, daher kann die Wirksamkeit der Influenza-Impfung sehr unterschiedlich ausfallen. Bereits jetzt – also viele Monate im Voraus – legt die Weltgesundheitsorganisation fest, gegen welche Untertypen des Influenzavirus in der kommenden Grippesaison geimpft werden soll. Daher kann man in der Regel erst im Nachhinein mit Gewissheit sagen, wie effektiv der aktuelle Impfstoff schützt. Aktuelle Schätzungen des Europäischen Zentrums für Prävention und Kontrolle von Infektionskrankheiten gehen aber von einer Effektivität der aktuellen Impfstoffe von 52 bis 57 Prozent aus.
Wie sicher schützt eine Grippeimpfung vor einer Infektion?
Bei den Grippeimpfungen geht es weniger darum, eine Infektion zu verhindern – vielmehr sollen schwere Verläufe, die eine Einweisung ins Krankenhaus notwendig machen, verhindert werden. Derzeit beobachtet das RKI eine hohe Zahl an Krankenhauseinweisungen bei Menschen ab 80 Jahren.
Ein großes Problem: In Deutschland haben sich zuletzt so wenig ältere Erwachsene gegen die Grippe impfen lassen wie seit 17 Jahren nicht mehr! In der Saison 2024/2025 sank die Quote der Standardimpfung gegen Influenza bei Menschen ab 60 auf 34 Prozent – vor 17 Jahren war noch etwa jeder zweite geimpft. „Die Impfquote ist viel zu niedrig. Gerade in der kritischen Risikogruppe sollten sich alle Menschen impfen lassen. Das kann Leben retten“, betont Prof. Baldus.
Welche Nebenwirkungen können nach der Grippeimpfung auftreten?
Laut dem RKI sind die Influenza-Impfstoffe gut verträglich. Allerdings kann es wenige Tage nach der Impfung zu Beschwerden wie Fieber, Frösteln oder Schwitzen, Müdigkeit, Kopf- oder Muskelschmerzen kommen. In der Regel klingen diese Beschwerden aber nach kurzer Zeit wieder ab. Zu schwerwiegenden Impfreaktionen kommt es nur sehr selten. Impfreaktionen, die gehäuft bei Herzkranken auftreten, gibt es nicht. „Der Nutzen der Impfung ist deutlich höher als das Risiko für Komplikationen“, betont Prof. Baldus.
Wer sich am Tag des Impftermins geschwächt oder krank fühlt, Fieber hat oder unter einer akuten Infektion leidet, sollte den Termin dennoch verschieben. „Am besten, Sie vereinbaren direkt einen neuen Termin. Denn der Schutz durch die Grippeimpfung ist für Herzkranke so wichtig, dass sie sich diesen nicht entgehen lassen sollten“, so der Kardiologe.
„Studien zeigen, dass das Risiko für einen Herzinfarkt innerhalb der ersten sieben Tage nach der Diagnose einer Grippe um das Sechsfache steigt.“
Prof. Stephan Baldus
Fazit
Die Grippeimpfung ist eine gut verträgliche und wirksame Maßnahme zur Prävention kardiovaskulärer Komplikationen. Da die Grippesaison häufig erst in den ersten Monaten des Jahres ihren Höhepunkt erreicht, lohnt sich auch eine späte Impfung – insbesondere für Menschen mit Herzerkrankungen.
FAQs – Häufige Fragen zur Grippeimpfung
Laut Studien versechsfacht sich in den ersten sieben Tagen nach einem positiven Influenza-Test das Herzinfarkt-Risiko. Und nicht nur das Herzinfarktrisiko steigt: Grippeinfektionen gehen zudem mit einem stark erhöhten Risiko für Herzinsuffizienz-Hospitalisierungen einher.
Herzkranke haben nicht nur ein erhöhtes Risiko, dass eine Atemwegsinfektion ein schwerwiegendes Herz-Kreislauf-Ereignis auslöst – sie haben obendrein auch ein erhöhtes Infektionsrisiko, da ihre chronische Entzündung die Immunfunktion beeinträchtigt und ihre Abwehr gegen Infektionen schwächt.
Vereinfacht gesagt, machen Grippeviren das Blut dicker. Zusätzlich sorgen sie dafür, dass sogenannte Plaques, also Ablagerungen in den Herzkranzgefäßen, instabil werden und leichter aufreißen können. Das erklärt das erhöhte Risiko für einen Herzinfarkt.
Da Grippeinfektionen bis in den April hinein auftreten können, lohnt sich auch in den ersten Wochen des Jahres noch eine Grippeimpfung.
Weil ein guter Impfschutz so wichtig ist, unterstützt die DGK die Kampagne „Herz ist Impf“ – weitere Informationen finden Sie hier.