Das Wichtigste in Kürze
- Herpes Zoster (Gürtelrose) ist eine häufig auftretende Viruserkrankung, die vor allem ältere Menschen und Personen mit geschwächtem Immunsystem betrifft.
- Die Infektion kann nicht nur starke Schmerzen, sondern auch schwerwiegende Komplikationen auslösen.
- Untersuchungen zeigen, dass sie das Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse wie Herzinfarkt und Schlaganfall erhöhen kann.
- Eine Impfung bietet einen guten Schutz vor der Entstehung einer Gürtelrose und der postherpetischen Neuralgie (Nervenschmerzen in Folge der Gürtelrose).
Was genau ist eine Gürtelrose?
Die Gürtelrose, oder auch Herpes Zoster, wird durch das sogenannte Varizella-Zoster-Virus ausgelöst. Beim ersten Kontakt, meist schon im Kindesalter, verursacht es Windpocken (Varizellen). Nach dem Abklingen verschwindet das Virus aber nicht – es bleibt im Körper. „Das Virus nistet sich dann insbesondere in den Nervenganglien ein. Das sind Nervenknoten in der Nähe des Rückenmarks, die sensible Informationen von der Haut an das Rückenmark und Gehirn weiterleiten“, erklärt Prof. Christopher Weise, Leitender Oberarzt an der Klinik und Poliklinik für Neurologie am Universitätsklinikum Halle (Saale). „Dort bereitet es in der Regel jahrelang keine Probleme – bis das Immunsystem irgendwann schwächelt.“
Das passiert zum Beispiel im höheren Alter, bei starkem Stress, chronischen Erkrankungen oder wenn das Immunsystem geschwächt ist – etwa durch bestimmte Medikamente oder eine Bestrahlung. „Dann kann das Virus wieder aktiv werden“, erklärt der Neurologe. „Es verursacht aber keine Windpocken mehr, sondern eine Gürtelrose. Die Betroffenen spüren einen brennenden Schmerz, begleitet von einem Ausschlag mit typischen Bläschen, der sich entlang des betroffenen Nervs auf der Haut ausbreitet.“ Der Ausschlag tritt häufig am Rumpf auf und breitet sich dort gürtelförmig aus – daher auch der Name: Gürtelrose.
Zum Experten
Prof. Dr. Christopher Weise
Prof. Dr. Christopher Weise ist Leitender Oberarzt an der Klinik und Poliklinik am Universitätsklinikum Halle (Saale).
Kann jeder Mensch Herpes-Zoster bekommen?
„Jeder Mensch, der in der Vergangenheit eine Windpockeninfektion durchgemacht hat, kann eine Gürtelrose bekommen“, sagt Prof. Weise. „Nach einer Impfung ist das Risiko jedoch geringer und die Verläufe sind meist deutlich milder.“
Gehäuft tritt die Gürtelrose bei den über 50-Jährigen auf, wobei das Erkrankungsrisiko mit zunehmenden Alter ansteigt. Laut Schätzungen des RKI erkrankt jeder Dritte bis Vierte im Laufe seines Lebens mindestens einmal an einer Gürtelrose – jährlich sind es in Deutschland mehr als 300.000 Betroffene.
Warum kann eine Gürtelrose gefährlich werden?
Eine Gürtelrose kann zum Teil schwerwiegende Komplikationen verursachen. Die häufigste ist die sogenannte postherpetische Neuralgie. Das sind starke Nervenschmerzen, die auch nach dem Abklingen der Gürtelrose bestehen bleiben. Seltener sind Gesichtslähmungen, Hirnhautentzündungen, bakterielle Superinfektionen der Haut, Augen- und Ohrenentzündungen. „Gerade Gürtelrosen im Gesicht sind häufig sehr unangenehm und komplikativ“, sagt Prof. Weise. „In seltenen Fällen können sie Seh- und Hörschäden oder auch eine Gesichtslähmung auslösen.“
Neuere Daten zeigen außerdem, dass die Gürtelrose auch das Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse wie Herzinfarkt und Schlaganfall erhöht.
„Viele unterschätzen diese Erkrankung, aber eine Gürtelrose ist keine Banalität.“
Prof. Christopher Weise
Kann eine Gürtelrose das Auftreten von Herzinfarkten und Schlaganfällen begünstigen?
Verschiedene Studien haben das Herz-Kreislauf-Risiko nach einer Herpes Zoster-Infektion untersucht: Demnach steigt das MACE-Risiko, also das Risiko für ein „Major adverse cardiac event“, ein „schwerwiegendes unerwünschtes kardiovaskuläres Ereignis“. Im ersten Monat ist zum Beispiel das Schlaganfallrisiko um etwa 80 Prozent erhöht – insbesondere wenn der Herpes Zoster im Gesichtsbereich aufgetreten ist.
„Man vermutet, dass die Infektion auf das Gefäßsystem übergreift und dort die Entstehung von Gefäßentzündungen und Thrombosen begünstigt, sodass in der Folge vorhandene Plaques, also Gefäßablagerungen, instabil werden“, erklärt der Neurologe. „Dies könnte die Entstehung von Herzinfarkten und Schlaganfällen begünstigen.“
Dazu kommt, dass Infekte die Blutgerinnung beeinflussen und ohnehin ein Stressfaktor für den Körper sind. „Eine Gürtelrose ist schmerzhaft, daher schläft man vielleicht nicht so gut – das kann zum Beispiel den Blutdruck durcheinanderbringen“, erklärt der Neurologe. „Viele unterschätzen diese Erkrankung, aber eine Gürtelrose ist keine Banalität.“
Wie gut schützt eine Gürtelrose-Impfung vor Herzinfarkten, Schlaganfällen und koronarer Herzkrankheit?
„Eine Impfung bietet einen ziemlich guten Schutz vor der Entstehung einer Gürtelrose“, sagt Prof. Weise. „Hinweise aus Studien legen nahe, dass sie möglicherweise auch das Risiko für Herz-Kreislauf-Ereignisse senken kann – das ist jedoch noch nicht abschließend geklärt". Für eine US-amerikanische Untersuchung wurden zum Beispiel die Daten von fast fünf Millionen Personen mit Diabetes analysiert – davon hatten 68.178 eine Gürtelrose-Impfung (Lebend- oder Totimpfstoff). Das Ergebnis: Die geimpften Personen hatten ein um 24 Prozent reduziertes MACE-Risiko. Diese Effekte wurden über alle Altersgruppen und Diabetesarten hinweg sowie für beide Geschlechter beobachtet. Am stärksten war die Schutzwirkung in den ersten zwei bis drei Jahren, und sie hielt bis zu acht Jahre an.
Zwar handelt es sich bei dieser Untersuchung lediglich um eine Beobachtungsstudie, sodass für eine wissenschaftliche Anerkennung noch weitere Studien nötig sind. Grundsätzlich ist die Wirksamkeit der Impfung gegen Gürtelrose wissenschaftlich gut belegt.
FAQs – Häufige Fragen zur Herpes-Zoster-Impfung
Eine Gürtelrose wird durch das Varizella-Zoster-Virus ausgelöst. Betroffene leiden unter brennenden Schmerzen, begleitet von einem Ausschlag mit typischen Bläschen im Hautareal des betroffenen Nervens.
Eine Gürtelrose kann zum Teil schwerwiegende Komplikationen verursachen. Die häufigste ist die sogenannte postherpetische Neuralgie, starke Nervenschmerzen, die auch nach dem Abklingen der Krankheit bestehen bleiben. Seltener sind Gesichtslähmungen, Hirnhautentzündungen, bakterielle Superinfektionen der Haut, Augen- und Ohrenentzündungen und kardiovaskuläre Ereignisse wie Herzinfarkt oder Schlaganfall.
„Man vermutet, dass die Infektion Entzündungen in den Blutgefäßen auslöst. Dadurch können bestehende Gefäßablagerungen instabil werden und im weiteren Verlauf Blutgerinnsel entstehen“, erklärt der Neurologe Prof. Christopher Weise. „Das kann letztlich Herzinfarkte oder Schlaganfälle begünstigen.“
Laut Robert-Koch-Institut (RKI) beträgt die Wirksamkeit zum Schutz vor Herpes Zoster ab einem Alter von 50 Jahren 92 Prozent. Und zum Schutz vor postherpetischer Neuralgie 82 Prozent.
Weil ein guter Impfschutz so wichtig ist, unterstützt die DGK die Kampagne „Herz ist Impf“ – weitere Informationen finden Sie hier.