rauchen-vaping-gefahr-h

E-Zigaretten, Vapes und Shishas – warum sie dem Herz schaden

Viele halten E-Zigaretten, Vapes oder Shishas für eine gesündere Alternative zu normalen Zigaretten. Doch das ist ein Irrtum. Denn das enthaltene Nikotin belastet Herz und Gefäße und erhöht das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. 

Von Kerstin Kropac
 

11.03.2026


Bildquelle (Bild oben): iStock / licsiren

„Über Jahrzehnte der Forschung und trotz sich wandelnder Produktangebote hat sich eine Erkenntnis mit zunehmender Klarheit herauskristallisiert: Es gibt keine sichere Form von Nikotin für das Herz-Kreislauf-System“, sagt Prof. Dr. Thomas Münzel, Seniorprofessor für Kardiologie, Umwelt- und Präventionsmedizin an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. „Von den normalen Tabakzigaretten bis hin zu modernen Produkten wie E-Zigaretten, erhitztem Tabak und oralen Nikotinbeuteln sind die Effekte von Nikotin auf das Gefäßsystem immer gleichermaßen schädlich – und vermeidbar.“

Das Wichtigste in Kürze

  • E-Zigaretten, Vapes und Shishas sind keine harmlosen Alternativen zur Zigarette – auch sie schaden dem Herz 
  • Nikotin ist kein harmloser Begleitstoff: Er treibt die Herzfrequenz in die Höhe, schädigt die Gefäße und beschleunigt die Entstehung von Atherosklerose, also die Verkalkung der Arterien.
  • Auch Passivrauchen ist schädlich: Laut WHO sterben pro Jahr weltweit rund 1,2 Millionen Menschen aufgrund von Passivrauchen.
  • Häufig beginnt die Nikotinsucht schon im Jugendalter, da viele neue Nikotinprodukte auf den Markt kommen, die ansprechend aussehen und süß schmecken. 

Was ist Nikotin überhaupt?

Nikotin ist eine natürlich vorkommende Substanz, die in den Blättern der Tabakpflanze produziert wird, um Schädlinge abzuwehren – daher steckt in allen Tabakprodukten Nikotin. Und unabhängig davon, ob es über Zigaretten, E-Zigaretten, Heat-not-Burn-Produkte oder orale Nikotinprodukte konsumiert wird, sind die grundlegenden Wirkmechanismen im Körper immer dieselben. Schon wenige Sekunden nach der Aufnahme löst Nikotin im Gehirn die Ausschüttung verschiedener Botenstoffe aus. Dazu gehören:

 

  • Dopamin – gilt als Glückshormon, ist eng mit dem Belohnungssystem verknüpft und sorgt für positive Gefühle
  • Serotonin – eine weiteres „Glückshormon“, das ebenfalls die Stimmung beeinflusst
  • Noradrenalin – das lebenswichtige Stresshormon sorgt für Leistungssteigerung, erhöhte Aufmerksamkeit und Wachheit

 

Menschen empfinden den Konsum als angenehm – und das macht süchtig.

 

Gleichzeitig wirkt das Nikotin im Körper wie ein Stresssignal. „Dadurch aktiviert es Mechanismen, die sowohl die Entstehung als auch das Fortschreiten der Atherosklerose, also der Verkalkung der Gefäße, begünstigen. in der Folge steigt das Risiko akuter Ereignisse wie Herzinfarkte und Schlaganfälle“, erklärt Prof. Münzel. 

Zur Experten

Prof. Dr. Thomas Münzel

Prof. Dr. Thomas Münzel ist Seniorprofessor für Kardiologie, Umwelt- und Präventionsmedizin an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Sein Schwerpunkt ist die wissenschaftliche Untersuchung der Auswirkungen von Lärm, Feinstaub und Umweltfaktoren auf das Herz-Kreislauf-System und die öffentliche Gesundheit.

muenzel-thomas-375x375px muenzel-thomas-375x375px

Wie genau schadet das Nikotin dem Herz?

Nikotin aktiviert den Sympathikus, also den Teil des vegetativen Nervensystems, der den Körper in Notfallsituationen auf Kampf oder Flucht („Fight or Flight“) einstellt. Das sorgt dafür, dass in bestimmten Körperregionen die Gefäße enger gestellt werden, außerdem steigen Herzfrequenz und Blutdruck

 

„Bei unseren herzkranken Patientinnen und Patienten versuchen wir, das Herz zu entlasten. Deshalb geben wir zum Beispiel Betablocker“, erklärt Prof. Münzel. „Das Nikotin bewirkt genau das Gegenteil von dem, was wir therapeutisch erreichen wollen: Es steigert den Puls und den Blutdruck – erreichen wollen wir eine Herzfrequenzreduktion und Blutdrucksenkung. Gerade für Menschen mit einer Herzerkrankung ist Nikotin daher extrem schädlich.“ Zumal es außerdem die Gefäße angreift. 

 

„Für das Herz-Kreislauf-System gilt: Es gibt keine sichere Form von Nikotin – unabhängig davon, wie es aufgenommen wird.“

Prof. Dr. Thomas Münzel

Kann Nikotin Gefäßschäden verursachen?

Herzgefäße sind mit einer dünnen Zellschicht ausgekleidet, dem sogenannten Endothel. Gesunde Endothelzellen bilden Stickstoffmonoxid (NO). Das sorgt dafür, dass sich die Gefäße entspannen, der Blutdruck sinkt und Blutplättchen nicht verklumpen. Das Nikotin hemmt nicht nur die NO-Bildung, sondern beschleunigt gleichzeitig auch noch den Abbau von NO durch die Bildung von freien Radikalen. Dadurch entstehen Gefäßschäden, die langfristig Ablagerungen in den Arterien (Atherosklerose) begünstigen und so das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall erhöhen.

 

Nikotin beeinträchtigt die Endothelfunktion also schnell und konsistent über alle Produktformen hinweg. Das bedeutet: Auch ein tabakfreies Nikotinprodukt ist kurz- und langfristig eine starke Noxe, also eine Substanz, die dem Organismus Schaden zufügen kann. Sie schadet den Gefäßen und dem Herz und hat zudem ein Suchtpotential, das dem von Kokain entspricht.

So gefährlich ist der Tabakkonsum

Weltweit sterben jährlich über 8 Millionen Menschen an den Folgen des Tabakkonsums, davon rund 7 Millionen durch aktiven Konsum und etwa 1,2 Millionen durch Passivrauchen. Nach Schätzungen der WHO (World Health Organization) entfällt der größte Teil der tabakbedingten Todesfälle nicht auf Krebs, sondern auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Ist Passivrauchen genauso ungesund?

„Passivrauchen ist nicht genauso ungesund, aber leider ebenfalls sehr ungesund: Die WHO beziffert die globale Mortalität durch Passivrauch auf über 1,2 Millionen Todesfälle pro Jahr“, sagt Prof. Münzel. „Bereits nach etwa 30 Minuten ist auch beim Passivrauchen von Tabakzigaretten bereits eine Beeinträchtigung der Gefäßfunktion nachweisbar.“


Der Passivrauch erhöht messbar das Risiko für die koronare Herzkrankheit (KHK) und akute Ereignisse – und das schon bei relativ geringer Exposition. In Bezug auf Passivrauchen durch E-Zigaretten gibt es noch keine ausreichenden Erfahrungen. „Festzuhalten ist, dass diese E-Zigaretten kein harmloses Wasserdampf-Wölkchen erzeugen, sondern ein Aerosol, das unter anderem Nikotin, ultrafeine Partikel, flüchtige organische Verbindungen und Schwermetalle enthält“, so der Kardiologe.

Aber könnte man Nikotinprodukte wie E-Zigaretten nutzen, um sich das Rauchen abzugewöhnen?

Tabakunternehmen werben mit dem Harm-Reduction-Potenzial von E‑Zigaretten. Angeblich sollen sie helfen, den Tabakzigarettenkonsum zu reduzieren oder sogar ganz zu ersetzen. „Tatsächlich erzählen immer wieder Patientinnen und Patienten, dass sie erfolgreich den Wechsel von der normalen zur E-Zigarette geschafft haben“, erzählt Prof. Münzel. Dann bleiben sie aber aufgrund des Nikotins und dessen Suchtpotentials an der E-Zigarette hängen. Nur wenige (etwa 10 Prozent) schaffen erfolgreich den Ausstieg. Aus diesem Grund listet die Weltgesundheitsorgansisation (WHO) in ihren Leitlinien zum Thema Rauchentwöhnung E-Zigaretten auch nicht als Ausstiegstool. Zudem wird häufig – bei ca. 20 bis 30 Prozent – ein sogenannter Dual Use festgestellt, das heißt, dass man dann sowohl E-Zigaretten als auch Tabakzigaretten konsumiert.

Warum sind mit den neuen Nikotinprodukten gerade Kinder und Jugendliche gefährdet?

„Es kommen derzeit viele neue Nikotinprodukte auf den Markt, die billig, süß, bunt und für Kinder leichter zugänglich sind“, sagt Prof. Münzel, der über die Stiftung Mainzer Herz Rauchpräventionsunterricht an Schulen anbietet. „Die jüngste katastrophale Fehlentwicklung sind gesüßte Nikotin-Zahnstocher: Die wirken harmlos, fast spielzeugartig, erzeugen keine Rauchentwicklung und keinen Geruch und werden von Schule oder Eltern kaum als Gefahr erkannt.“ Dabei sind solche Produkte häufig der Einstieg in die Nikotinabhängigkeit und auf Schulhöfen schon unter den Zehn- bis Zwölfjährigen verbreitet. „Das Dilemma ist, dass die Industrie oft schneller ist als die Regulierung“, sagt der Kardiologe.

 

„Wenn ein Stoff abhängig macht, das Herz schädigt und gezielt Kinder erreicht, darf er nicht schneller auf den Markt kommen als die Wissenschaft ihn bewerten kann.“ Er fordert bessere regulatorische Maßnahmen und höhere Steuern. Denn: Je teurer ein Nikotinprodukt ist, desto geringer ist der Konsum bei Jugendlichen. „Die Konsequenz ist, dass die EU von einer Tabakprodukte-Gesetzgebung zu einer Nikotinprodukte-Gesetzgebung wechseln muss, um dem Missbrauch durch ständig neue Nikotinprodukten Herr zu werden“, fordert Prof. Münzel.

Fazit

Viele halten E-Zigaretten, Vapes oder Shishas für harmlos, dabei schadet ihr Konsum nicht nur der Herzgesundheit – häufig sind sie auch der Einstieg in eine Nikotinabhängigkeit. Wenn man zu solchen Produkten greift, dann allenfalls zur Überbrückung, um sich das Rauchen abzugewöhnen. Wichtig zu wissen: Ein Nichtraucherstatus im Alter von 50 Jahren bringt einen Lebenszeitgewinn von über fünf Jahren im Vergleich zu Personen, die regelmäßig rauchen. 

FAQ: Häufige Fragen zu Nikotin

E-Zigaretten, Vapes und Shishas gelten im Vergleich zu herkömmlichen Tabakzigaretten zwar als potenziell weniger schädlich, da keine Verbrennung stattfindet – ungefährlich sind sie deshalb nicht. Das enthaltene Nikotin aktiviert genau jene Mechanismen, die sowohl die Entstehung als auch das Fortschreiten der Atherosklerose, also der Verkalkung der Gefäße, begünstigen wie auch das Auftreten akuter Ereignisse wie Herzinfarkte und Schlaganfälle.

Das Nikotin aktiviert das sympathische Nervensystem und erhöht den Blutdruck und die Herzfrequenz, außerdem verengt es die Gefäße und begünstigt entzündliche Prozesse in der Gefäßinnenschicht, dem sogenannten Endothel.

Passivrauchen ist nicht genauso ungesund, aber ebenfalls sehr schädlich. Weltweit sterben jährlich über 8 Millionen Menschen an den Folgen des Tabakkonsums, davon rund 7 Millionen durch aktiven Konsum und etwa 1,2 Millionen durch Passivrauchen.

Der Nikotinkonsum unter Jugendlichen nimmt deutlich zu. Das liegt im Wesentlichen an neuen Produkte, die speziell auf Jugendliche ausgerichtet sind – mit bunten Verpackungen und Mint-, Cola- und Cherry-Geschmack. In Deutschland haben rund 38 Prozent der 14- bis 17-Jährigen bereits E-Zigaretten ausprobiert.

Das könnte Sie auch interessieren

Wer raucht, führt seinem Körper eine Vielzahl von Giftstoffen zu, die auch das Herz schädigen können - welche das sind und wie sie sich auswirken.
rauchen-giftstoffe-1276726464-t rauchen-giftstoffe-1276726464-t

Mit dem Rauchen aufzuhören, fällt vielen trotz der gesundheitlichen Risiken schwer – welche Maßnahmen bei der Rauchentwöhnung helfen.
rauchen-aufhoeren-rauchstopp-1237976675-t rauchen-aufhoeren-rauchstopp-1237976675-t

Das Risiko einer Herz-Kreislauferkrankung kann jeder mit beeinflussen. Welche Faktoren das Herz gefährden und wie sie sich aufs Krankheitsrisiko auswirken.
risiko-herz-kreislauf-erkrankung-iStock-646346068-t risiko-herz-kreislauf-erkrankung-iStock-646346068-t