Das Wichtigste in Kürze
- Fünf Risikofaktoren werden für mindestens die Hälfte aller Herz-Kreislauf-Erkrankungen weltweit verantwortlich gemacht. Dazu gehören Bluthochdruck, erhöhte Cholesterinwerte, Diabetes, Übergewicht und Rauchen.
- Wer im Alter von 50 Jahren keinen der fünf klassischen Risikofaktoren aufweist, lebt über zehn Jahre länger als eine Person, bei der alle fünf Risikofaktoren vorliegen.
- Je mehr Risikofaktoren gleichzeitig vorliegen, desto stärker geht es zu Lasten der Lebenszeit ohne Herz-Kreislauferkrankung.
- Bluthochdruck ist der Risikofaktor, der weltweit den höchsten Anteil an der Entwicklung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen in der Bevölkerung ausmacht.
- Von allen fünf Risikofaktoren ist die Kontrolle des Blutdrucks mit den meisten zusätzlichen gesunden Lebensjahren ohne Herz-Kreislauferkrankung verknüpft.
- Neben der Hypertonie war der Rauchstopp besonders stark mit dem Gewinn an Lebenszeit assoziert: Ein Nichtraucherstatus im Alter von 50 Jahren bringt einen Lebenszeitgewinn von über fünf Jahren. Je früher der Rauchstopp gelingt, desto größer sind die gesundheitlichen Vorteile.
- Übergewicht erhöht das Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall, Herzschwäche und Herzrhythmusstörungen.
Warum sind gerade diese fünf Risikofaktoren so relevant für die Herzgesundheit?
Ein Forscherteam unter der Leitung von Frau Professor Christina Magnussen vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) wollte wissen: Welche Rolle spielen die Risikofaktoren Bluthochdruck, erhöhte Cholesterinwerte, Diabetes, Übergewicht und Rauchen in Bezug auf die Lebenserwartung und die gesunden Lebensjahre?
Dafür hat das Team über zwei Millionen Teilnehmende aus acht Regionen weltweit untersucht und festgestellt: Wer im Alter von 50 Jahren keinen der fünf klassischen Risikofaktoren – Bluthochdruck, hohe Cholesterinwerte, Diabetes, Rauchen und Übergewicht – aufweist, lebt im Durchschnitt zehn Jahre länger als eine Person, bei der alle fünf Risikofaktoren vorliegen. Und man lebt nicht nur länger, sondern bleibt auch länger vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen verschont. Das gilt für Frauen und Männer gleichermaßen. „Unsere Ergebnisse belegen, dass man seine Herzgesundheit – zumindest zum Teil – auch selbst in der Hand hat“, sagt Prof. Magnussen. „Denn alle fünf Risikofaktoren können wir beeinflussen.“
Zur Person
Prof. Christina Magnussen
Prof. Christina Magnussen ist stellv. Klinikdirektorin und Leiterin der Interventionellen Koronartherapie am Universitären Herz- und Gefäßzentrum Hamburg.
Aus welchem Grund spielt gerade der Bluthochdruck eine entscheidende Rolle bei der Lebenserwartung?
„Bluthochdruck ist der wichtigste Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen“, sagt Prof. Magnussen. Der Blutdruck beschreibt die Kraft, mit der das Blut durch unseren Körper gepumpt wird. Schon ein leicht erhöhter Blutdruck von über 130/85 mmHg sollte ernst genommen und ärztlich kontrolliert werden. Ab einem Wert von 140/90 mmHg sprechen Fachleute von einem Bluthochdruck (Hypertonie).
„Laut unseren Untersuchungen verlängert die Kontrolle des Bluthochdrucks im mittleren Alter die Lebenszeit um etwa zwei Jahre“, so die Kardiologin. Das Problem: Häufig bemerken Betroffene nicht, dass ihr Blutdruck erhöht ist – dennoch kann er Schäden an Herz, Gehirn, Nieren und Gefäßen verursachen. Umso wichtiger ist es, den Blutdruck regelmäßig zu kontrollieren – und bei Bedarf zu senken: mit Sport, Gewichtsreduktion, salzarmer Ernährung und Medikamenten.
Warum begünstigt Cholesterin die Entstehung von Herz-Kreislauferkrankungen?
Unser Körper braucht Cholesterin: für stabile Zellmembranen, als Ausgangsstoff für die Bildung verschiedener Hormone und für unsere Gehirnfunktion. Unser Körper stellt es zum Teil selbst her, wir nehmen es aber auch über unsere Nahrung auf. Haben wir zu viel Cholesterin im Blut, lagert es sich in den Gefäßwänden ab. Durch diese Ablagerungen – sogenannte Plaques – verengen sich die Blutgefäße. Das erhöht das Risiko für Herzinfarkte und Schlaganfälle. Bei gesunden Menschen sollte das sogenannte LDL-Cholesterin, das viele auch als das „schlechte Cholesterin“ bezeichnen, unter 116 mg/dl liegen.
Für Menschen mit erhöhtem Herz-Kreislauf-Risiko gelten niedrigere Zielwerte. Wie man die erreicht? „Eine überwiegend mediterrane Ernährung zeigt oft binnen weniger Wochen messbare Effekte“, so die Expertin. „Eine deutliche Senkung erreicht man meist nur durch Medikamente.“ Es gilt: Je niedriger der LDL-Cholesterinwert, desto geringer das Herzrisiko!
„Unsere Ergebnisse belegen, dass man seine Herzgesundheit – zumindest zum Teil – auch selbst in der Hand hat.“
Prof. Dr. Christina Magnussen
Beeinträchtigt auch Diabetes die Lebenserwartung?
Diabetes mellitus Typ 2 geht häufig mit Übergewicht, hohem Blutdruck und einem gestörten Fettstoffwechsel einher. Daher haben Menschen mit dieser chronischen Stoffwechselerkrankung ein stark erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herzinfarkt, Schlaganfall und die arterielle Verschlusskrankheit (Schaufensterkrankheit). Woran liegt das?
Der hohe Blutzuckerspiegel löst im Körper Entzündungsprozesse aus. Er beschleunigt die Ablagerung in den Gefäßen und erhöht langfristig das Risiko für Veränderungen am Herzen und für Herzschwäche. „Durch eine gesunde Lebensweise, ein normales Körpergewicht und ausreichend Bewegung lässt sich das Risiko, an Diabetes Typ 2 zu erkranken, erheblich senken“, erklärt die Kardiologin. Und wenn man bereits an Diabetes erkrankt ist? „Dann helfen Medikamente, die den Blutzucker senken und zudem eine günstige Wirkung auf Herz und Gefäße haben.“
Wie viele Lebensjahre kann man gewinnen, wenn man aufs Rauchen verzichtet?
Im Tabakrauch stecken über 7.000 Chemikalien – darunter auch zahlreiche Stoffe, die zur Entstehung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen beitragen. Freie Radikale und reaktive Sauerstoffspezies (ROS) fördern die Entstehung der Atherosklerose. „Zigarettenrauch verengt die Gefäße, fördert Entzündungen und erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass Blutgerinnsel entstehen“, erklärt Prof. Magnussen.
Daher schenkt Nichtrauchen echte Lebenszeit: Wer mit 50 Jahren nicht raucht, gewinnt über fünf Jahre Lebenszeit! „Je früher der Rauchstopp gelingt, desto größer sind die gesundheitlichen Vorteile“, so die Expertin. Trotzdem ist es auch im fortgeschrittenen Alter nicht zu spät, mit dem Rauchen aufzuhören: Ein Rauchstopp zwischen dem 55. und 60. Lebensjahr bringt im Vergleich zu anderen Lebensstilveränderungen den größten Zugewinn an Lebensjahren!
Weshalb schadet Übergewicht der Herzgesundheit?
Fettgewebe ist nicht nur ein Energiespeicher, sondern kann auch entzündungsfördernde Botenstoffe freisetzen. Diese können Veränderungen an den Gefäßen und am Herzen auslösen. Auch dadurch begünstigt Übergewicht die Entstehung von anderen Risikofaktoren wie Bluthochdruck und Diabetes und erhöht so das Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall, Herzschwäche und Herzrhythmusstörungen.
„Da uns die fünf Risikofaktoren bekannt sind, die zu einer Verkürzung des Lebens führen, sollten wir versuchen, sie zu vermeiden“, sagt Prof. Magnussen. „Die Basis dafür sind eine gesunde Lebensweise mit ausreichender körperlicher Aktivität, die Vermeidung von Übergewicht und das Wissen: Wir können diese fünf Risikofaktoren beeinflussen und so länger und gesünder leben.“
FAQ: Häufige Fragen zu Risikofaktoren für die Herzgesundheit
Da ein erhöhter Blutdruck keine Schmerzen verursacht, bleibt er häufig eine längere Zeit unbemerkt. Ein unbehandelter Bluthochdruck ist allerdings eine schleichende Gefahr: Langfristig kann er zur Atherosklerose führen – und die wiederum kann Gefäßverengungen und akute Gefäßverschlüsse verursachen.
Die beste Prävention ist eine gesunde Ernährung. Zudem sorgt körperliche Aktivität für ein angemessenes Körpergewicht. Allerdings kann man der eigenen genetischen Programmierung nur teilweise „entkommen“. Besonders wichtig sind daher regelmäßige ärztliche Check-ups. So können erhöhte Cholesterinwerte frühzeitig festgestellt und behandelt werden.
Ein Diabetes verursacht keine spezifischen Symptome. Anzeichen können aber häufiges Wasserlassen und ein starker Durst sein. Weitere Hinweise können sein, dass man sich müde und abgeschlagen fühlt, dass eine Wunde schlecht heilt und man häufiger Infekte entwickelt, weil das Abwehrsystem geschwächt ist. Viele Patientinnen und Patienten entwickeln allerdings keine Symptome. Die Zuckerkrankheit wird bei ihnen oft zufällig entdeckt.
Viele Krankenkassen bieten Online-Programme oder Nichtraucher-Coachings für ihre Versicherten an. Wer sich bei der Entwöhnung von Expertinnen oder Experten begleiten lassen möchte, findet Kontakte in einer gemeinsamen Datenbank des Deutschen Krebsforschungszentrums der Helmholtz-Gemeinschaft und dem Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit. Das bietet zudem ein eigenes Ausstiegsprogramm: https://www.rauchfrei-info.de/
Bereits eine Gewichtsabnahme von etwa fünf Prozent kann sich positiv auf Blutdruck, Blutzucker und Stoffwechsel auswirken. In Bezug auf den Blutdruck gilt zum Beispiel die Faustregel: Pro 10 Kilogramm Körpergewichtsabnahme nimmt der Blutdruck um 10 mmHg ab.