Das Kennzeichen einer Arrhythmie-induzierten Kardiomyopathie (AICM) ist eine signifikante LV-Funktionsfunktionsverbesserung nach Wiederherstellung des Sinusrhythmus. Ob bei diesem Krankheitsbild die Fortführung der Herzinsuffizienztherapie auch bei normalisierter LV-Funktion notwendig ist, ist bislang unklar. Die WITHDRAW-AF-Studie ist die erste multizentrische, randomisierte Studie mit „Cross-over“-Design, die diese ungeklärte Frage adressiert.
Das Krankheitsbild der AICM ist pathomechanistisch und prognostisch unzureichend verstanden. Dennoch sehen wir im klinischen Alltag häufig Fälle mit unter Arrhythmie reduzierter LVEF, bei denen sich die LV-Funktion nach Rhythmisierung von Vorhofflimmern oder anderen Arrhythmien normalisiert oder signifikant verbessert. Über die Notwendigkeit des Rhythmuserhalts in diesen Fällen hinaus ist die optimale weitere Therapie jedoch nicht geklärt. Die Ergebnisse der WITHDRAW-AF-Studie deuten darauf hin, dass ein kontrolliertes, stufenweises Absetzen der Herzinsuffizienz-Medikation in einem ausgesuchten Kollektiv mit vorhofflimmervermittelter Kardiomyopathie und stabilem Sinusrhythmus ohne erhöhtes Risiko für eine erneute LV-Funktionsverschlechterung möglich ist. Dennoch sind Limitation der Studie zu beachten. Die Studie umfasst eine sehr kleine Kohorte und das Follow-Up ist begrenzt. Zudem handelt es sich um ein hochselektiertes Kollektiv, umfassend charakterisiert und verlaufsbeobachtet mittels MRT, welches eine frühzeitige Erkennung myokardialer Veränderungen erlaubt. Dies schränkt die Übertragbarkeit auf die Gesamtheit der Fälle im klinischen Alltag ein.
WITHDRAW-AF liefert wichtige erkenntnisreiche, aber präliminäre Daten zur Frage, ob bei AICM eine Fortführung der Herzinsuffizienztherapie nach erfolgreicher Rhythmuskontrolle und Normalisierung der LV-Funktion von Vorteil ist. In vielen Fällen scheint ein Absetzversuch unter engmaschiger Kontrolle von Klinik, Rhythmus und LV-Funktion möglich und sicher.
Trotz vielversprechender Ergebnisse bleibt es essentiell, diese Strategie individualisiert und nur unter kardiologischer Verlaufskontrolle anzuwenden. Größere, längere Studien sind erforderlich, um klare Leitlinienempfehlungen formulieren zu können.
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