Die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie – Herz- und Kreislaufforschung e. V. (DGK) bringt mit Unterstützung der Friede Springer Stiftung das Nationale Herz-Netz (NHN) auf den Weg. Das medizinische Register liefert eine umfassende Datenanalyse aus dem stationären und perspektivisch auch ambulanten Versorgungsalltag. Es transformiert Routinedaten aus Arztbriefen, Befunden und weiteren klinischen Dokumentationen, die ohnehin erfasst werden, und wertet sie strukturiert aus. Durch die Betrachtung einer derart großen Datenmenge aus der deutschlandweiten Diagnostik und Behandlung, aber auch Prävention, werden erstmals belastbare Erkenntnisse über Versorgungrealität, Behandlungspfade und Outcomes gewonnen und übersetzt. Auf dieser Basis sollen sich Qualitätsvorgaben, Strukturkriterien, also konkrete Anforderungen an organisatorische oder personelle Voraussetzungen, oder zukünftig auch Mindestmengen für komplexe Eingriffe evidenzbasiert weiterentwickeln oder regulatorische Entscheidungen noch zielgenauer treffen lassen.
„Mit dem NHN schaffen wir eine völlig neue Realität: Zum ersten Mal werden Versorgungsdaten in dieser Breite und Tiefe systematisch ausgewertet. Das eröffnet uns neue Chancen, Qualitätsunterschiede in der kardiovaskulären Versorgung sichtbar zu machen. Wenn wir diese Möglichkeiten konsequent nutzen, wird das NHN zu einem echten Wendepunkt für die Herz-Kreislauf-Medizin in Deutschland“, sagt DGK-Präsident Prof. Stefan Blankenberg, der das Konzept des NHN entwickelt hat. „Wir sind der Friede Springer Stiftung sehr dankbar für die Förderung des Aufbaus und Betriebs dieser für die Herzgesundheit so wichtigen Initiative.“
Das NHN wird eine einheitliche und umfassende Datenbasis aus Real-World-Daten schaffen, die für medizinische Forschung, gesundheitspolitische Analysen oder auch regulatorische Entscheidungsprozesse genutzt werden kann. Die Datengrundlage erlaubt ebenfalls verbesserte gesundheitsökonomische Betrachtungen, die Kosten-Nutzen-Aspekte in der kardiovaskulären Versorgung valider bewerten können.
Insbesondere Kardiologinnen und Kardiologen bietet diese Datenquelle gänzlich neue und tiefgreifende Möglichkeiten zur Forschung.
Von der systematischen Zusammenführung und Auswertung in nahezu Echtzeit profitiert vor allem die Patientenversorgung, denn Versorgungsprobleme können anhand dieses umfassenden Registers frühzeitig detektiert und Verbesserungsmöglichkeiten identifiziert werden.
Das Nationale Herz-Netz basiert auf der systematischen Nutzung medizinischer Routinedaten aus der Versorgung. Grundlage bilden hierbei Daten, die im klinischen Alltag ohnehin erfasst werden, etwa demografische Informationen, Laborwerte, Diagnose, Behandlungen, Medikation oder Therapieentscheidungen. Perspektivisch werden zusätzliche Informationen erhoben, etwa zu längerfristigen Krankheitsverläufen, Re-Hospitalisierungen oder langfristigen Behandlungsergebnissen. Durch diese Kombination aus Routinedaten und ergänzenden Verlaufsinformationen entsteht ein erweiterter Datensatz, der erstmals auch Langzeitverläufe und Behandlungsergebnisse systematisch abbildet und auswertet. Über zusätzliche digitale Schnittstellen, beispielsweise über Portale für Patientinnen und Patienten oder perspektivisch eine Verknüpfung mit der elektronischen Patientenakte (ePA), können weitere Daten sektorenübergreifend zusammengeführt werden.
Mit der Gründung der NHN gGmbH beginnt aktuell die Vorbereitung einer Pilotphase, in die drei Modellregionen in Deutschland eingebunden werden. Nach dieser ersten Stufe wird das Register bundesweit ausgerollt.
„Wir arbeiten mit Hochdruck daran, die organisatorischen und technischen Voraussetzungen für das NHN zu schaffen und die ersten Datenströme aus den ausgewählten Modellregionen zusammenzuführen“, erklärt Prof. Stefan Blankenberg. „Damit legen wir den Grundstein für eine neue Form der datenbasierten Versorgungsanalyse, die künftig eine noch präzisere Bewertung der kardiovaskulären Versorgung in Deutschland ermöglichen soll.“