Prof. Rudolph Prof. Rudolph

Eine der erfolgreichsten Interventionen in der Medizin

Mit einer Fortsetzung der letztjährigen Kampagne ruft die Nationale Herz-Allianz (NHA) auch in diesem Jahr wieder Kardiologinnen und Kardiologen auf, sich aktiv für die Erhöhung von Impfquoten einzusetzen. Neue Zahlen des RKI zeigen eindrücklich, wie relevant die Impfaufklärung weiterhin ist. 

 

Dieser Artikel erschien zuerst in der Cardio News, April 2026. DGK-Mitglieder erhalten die Cardio News kostenlos. Hier Mitglied werden!

Von:

Melissa Wilke

DGK-Redaktion

 

21.05.2026

Bildquelle (Bild oben): HKM / Serviceplan Content Health

Impfakzeptanz in Deutschland: Zwischen Vertrauen und anhaltender Skepsis

Kürzlich veröffentlichte Studiendaten des Robert-Koch-Instituts (RKI) im Rahmen des Projekts IMPRESS, ein neues jährliches Impfakzeptanz-Monitoring in Deutschland, zeigen, dass die Impfakzeptanz in der Gesellschaft weiterhin stark unter Politikskepsis und Impfmythen leidet. Die Mehrheit der Bevölkerung bewertet Impfungen zwar als sinnvolle Präventionsmaßnahme und vertraut grundsätzlich den Zulassungsverfahren. Gegenüber politischen Impfentscheidungen besteht jedoch verbreitete Skepsis hinsichtlich ihrer wissenschaftlichen Grundlage. Auch zeigen sich große Unsicherheiten bei klar widerlegten Falschinformationen. So sind sich etwa 5 von 10 Personen unsicher, ob Impfungen Autismus auslösen und Allergien fördern und rund 4 von 10 Befragten zeigen Unsicherheit hinsichtlich der Auswirkungen von Kinderimpfungen auf das Immunsystem. 

Sinkende Impfquoten als Ausdruck anhaltender Verunsicherung

Diese Skepsis spiegelt sich auch in den niedrigen Impfquoten hierzulande wider. In der Saison 2024/2025 erreichte die Influenza-Impfquote bei Personen ab 60 Jahren mit 34 % den niedrigsten Stand seit 17 Jahren bzw. seit Beginn der RKI-Berichterstattung (Saison 2008/2009). Bei Erwachsenen ab 18 Jahren mit impfrelevanter Grunderkrankung lag die Impfquote bei 28 %. Die COVID-19-Impfquote lag deutlich niedriger. Bei Personen ab 60 Jahren sank sie im Vergleich zur Vorsaison um mehr als ein Drittel auf 13 %. Bei Erwachsenen mit impfrelevanter Grunderkrankung halbierte sich die Impfquote nahezu – von 14 % auf 8 %. Das RKI spricht sich nun für eine verbesserte Aufklärung und Zusammenarbeit der in die Gesundheitsversorgung involvierten Institutionen aus. 

Fokus auf kardiovaskulär gefährdete Patientengruppen

Die Awareness-Kampagne „Impfen ist Herzenssache“ unter Schirmherrschaft der NHA soll dabei vor allem auch Kardiologinnen und Kardiologen für das Thema sensibilisieren. Denn Herzpatientinnen und -patienten sind bei akuten Infektionen einem besonders hohen Risiko ausgesetzt. Die Pathomechanismen einer akuten Infektion erhöhen kurzfristig das Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse bei Personen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen (CVD) dramatisch, während umgekehrt aber auch ein erhöhtes Infektionsrisiko bei chronischen Krankheiten besteht. Das Ziel der Kampagne unter Schirmherrschaft der NHA ist es daher, empfohlene Impfungen als selbstverständliche Maßnahme der kardiovaskulären Prävention zu etablieren. Auch Prof. Michael Böhm, Pressesprecher der DGK, betont: „Neben den gängigen Ansätzen zur Prävention wie Lipideinstellung, Blutdruckeinstellung und Behandlung eines Diabetes erscheint eine Impfung nach Daten in der Literatur eine mindestens ähnlich große Effizienz und Kosteneffektivität zu besitzen wie die gängigen Präventionsmaßnahmen.“ Trotzdem werden Betroffene noch zu selten in kardiologischen Praxen beraten und geimpft.

Impfungen als unterschätzte Präventionsmaßnahme

Auch Prof. Stephan Baldus, Mitinitiator der Kampagne, sieht Optimierungsbedarf in der kardiologischen Versorgung: „Impfungen können so effektiv sein wie die Statintherapie zur Verhinderung eines Herzinfarktes, aber wir impfen im besten Fall 50 Prozent der Patientinnen und Patienten, für die in unserem Fach eine Impfung empfohlen ist. Wir müssen fairerweise sagen, dass die kardiovaskulär aktiven Medizinerinnen und Mediziner hier nur einen Bruchteil der Verantwortung übernehmen.“ Die NHA bietet Kardiologinnen und Kardiologen ihre Unterstützung bei der Patientenaufklärung an, indem sie umfassendes Informationsmaterial auf Herzmedizin.de zur Verfügung stellt. Prof. Böhm findet klare Worte zu der aktuellen Situation: „Neben der Verminderung von Infektionen sollte es in der Gesellschaft ein besonders dringendes Anliegen sein, die häufigste Todes- und Hospitalisierungsursache in unserer Gesellschaft durch eine der erfolgreichsten Interventionen in der Medizin, nämlich der Impfung und Immunisierung gegenüber Krankheitserregern, erfolgreich zu bekämpfen.“

Mehr zum Thema

Das könnte Sie auch interessieren

Innovatives Posterformat in Mannheim: Neue Struktur stärkt Diskussion und Effizienz auf der Jahrestagung.

DGK-Jahrestagung 2026 | Prof. C. Tiefenbacher und Prof. P. Diemert blicken auf ihren Start in der Rolle als Leitung der DGK-Akademie.

Publikationen prägnant vorgestellt – dieses Mal: Empfehlungen zur Untersuchung der mikrovaskulären Dysfunktion und des Koronarspasmus. Von Prof. T. Gori