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Spironolacton: Kein Nutzen bei HFpEF/HFmrEF nachweisbar

ACC-Kongress 2026 | SPIRIT-HF: In der DZHK-geförderten multizentrischen Studie zeigte sich bei Personen mit Herzinsuffizienz mit erhaltener und mild reduzierter Ejektionsfraktion (HFpEF/HFmrEF), dass die Behandlung mit dem Mineralokortikoidrezeptor-Antagonisten (MRA) Spironolacton keinen Effekt auf kardiovaskulären (CV) Tod und Herzinsuffizienz-Hospitalisierungen nach 24 Monaten hat. Studienleiter Prof. Frank Edelmann (Charité Berlin) stellte die Daten vor.

 

Prof. Johann Bauersachs (Medizinische Hochschule Hannover) berichtet und kommentiert.

Von:

Prof. Johann Bauersachs

Rubrikleiter Herzinsuffizienz

 

 

29.03.2026

Bildquelle (Bild oben): pisaphotography / Shutterstock.com

Methodik

In SPIRIT-HF wurden 743 Personen mit stabiler HFpEF/HFmrEF randomisiert auf Spironolacton (zunächst mit 50 mg, nach einem Amendment mit 25 mg) vs. Placebo. Der primäre kombinierte Endpunkt umfasste den kardiovaskulären (CV) Tod und Herzinsuffizienz-Hospitalisierungen nach 24 Monaten.

Baseline-Daten

Die überwiegend in Deutschland, aber auch in Holland, Österreich und Frankreich eingeschlossenen Betroffenen waren im Mittel 76 Jahre alt und zu 52 % weiblich. Bei 65 % war die New-York-Heart-Association-Klasse II, 68 % hatten eine Vorgeschichte von Vorhofflimmern, 24 % von Diabetes mellitus, die mittlere eGFR lag bei 60 ml/min.


Die medikamentöse Vorbehandlung umfasste bei 30 % einen ACE-Hemmer, bei 40 % einen Angiotensinrezeptorblocker sowie bei 5 % einen ARNI. 75 % waren mit Betablocker vorbehandelt, 17 % mit einem SGLT2-Hemmer. Diuretika waren insgesamt bei 83 % in der Therapie, bei 69 % ein Schleifendiuretikum.

Ergebnisse des primären Endpunkts

SPIRIT-HF fand bei 743 Patientinnen und Patienten mit stabiler HFpEF/HFmrEF keinen Effekt des steroidalen MRA Spironolacton auf den primären Endpunkt von CV-Tod und Herzinsuffizienz-Hospitalisierungen nach 24 Monaten (HR 1,18; 95%KI [0,72; 1,92]; p=0,512). Dieses neutrale Ergebnis war auch in den präspezifizierten Subgruppen konsistent, z. B. LVEF < bzw. >50 %.

Ergebnisse weiterer Endpunkte

Für die sekundären Endpunkte der gesamten CV-Hospitalisierungen und der Gesamt-Hospitalisierungen ergab sich sogar ein Trend zu einer Zunahme unter Spironolacton (RR 1,36 [0,99-1,86], p=0,055 bzw. 1,40 [1,07–1,83], p=0,013). Der sekundäre Endpunkt des kardiovaskulären Tods trat bei 2,4 % unter Spironolacton und 3,6 % unter Placebo auf (p=0,20).

 

Der wichtigste Sicherheitsendpunkt, Tod jeglicher Ursache, war 3,8 % bei Spironolacton und 4,0 % bei Placebo (p=0,96). Unter Spironolacton kam es zu einem signifikanten Abfall der eGFR, des systolischen Blutdrucks sowie zu einem signifikanten Anstieg des Serumkaliums. Wie erwartet trat eine klinisch relevante Hypotension bei 4,5 % unter Spironolacton auf, bei 2,0 % unter Placebo (HR 2,26, p=0,009); eine relevante Hyperkaliämie bei 4,8 % unter Spironolacton und 1,4 % unter Placebo (HR 3,49, p=0,004).

 

Es wurde eine hohe Rate von vorzeitigen Beendigungen der Studienmedikation beobachtet; unter Spironolacton beendeten 50 % der Patientinnen und Patienten die Therapie nach 21 Monaten, unter Placebo 50 % nach 31 Monaten. Es konnte jedoch auch bei einer „on-treatment“-Analyse kein relevanter Effekt von Spironolacton auf den primären Endpunkt gezeigt werden (RR 0,94 [0,49–1,79],  p=0,84). 

Metaanalyse

Eine präspezifizierte und mit den Primärdaten zusammen publizierte Metaanalyse umfasste SPIRIT und TOPCAT Americas – in TOPCAT Americas, einer Subgruppenanalyse der bezüglich des primären Endpunkts neutralen TOPCAT-Studie, hatte sich ein signifikanter Effekt von Spironolacton gezeigt. Auch in dieser Metaanalyse konnte kein signifikanter Effekt von Spironolacton auf CV-Tod und Herzinsuffizienz-Hospitalisierungen gezeigt werden.

Fazit und Kommentar

Bei Patientinnen und Patienten mit stabiler HFpEF/HFmrEF konnte SPIRIT-HF keinen Effekt des steroidalen MRA Spironolacton auf CV-Tod und Herzinsuffizienz-Hospitalisierungen zeigen. Die Zahl an Hospitalisierungen war sogar tendenziell höher unter Spironolacton.


Dabei ist zu bemerken, dass SPIRIT-HF durch die COVID-Pandemie beeinträchtigt wurde, und letztlich nur 743 Personen randomisiert werden konnten, sodass die Studie under-powered war. Weitere Studien (wie SPIRIT-HFpEF) laufen noch. Generell ist jedoch wichtig, dass auch bei den 743 Patientinnen und Patienten kein Trend für einen positiven Effekt von Spironolacton zu sehen war – bei substanzieller Nebenwirkungsrate. Es zeigt sich zudem, wie bereits in der BARACK-D Studie, dass ein erheblicher Teil der Betroffenen schon relativ früh nicht mehr auf Studienmedikation war.

 

Somit muss zusammengefasst werden, dass bei der bestehenden Zulassung und positiven Datenlage (FINEARTS-HF) aktuell nur der nichtsteroidale MRA Finerenon bei Patientinnen und Patienten mit HFpEF/HFmrEF empfohlen werden kann.

Zur Person

Prof. Johann Bauersachs

Prof. Johann Bauersachs ist seit 2010 Direktor und W3-Professor der Klinik für Kardiologie und Angiologie an der Medizinischen Hochschule Hannover. Seine Tätigkeitsschwerpunkte umfassen insbesondere akutes Koronarsyndrom, linksventrikuläre Heilung und Remodeling, akute und chronische Herzinsuffizienz sowie Intensivmedizin.
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Key Facts der Studie

Es wurde untersucht, ob die Behandlung mit Spironolacton vs. Placebo über 24 Monate das Risiko für kardiovaskulären Tod und Herzinsuffizienz-Hospitalisierungen bei Personen mit HFpEF/HFmrEF senken kann.

Bei Patientinnen und Patienten mit stabiler HFpEF/HFmrEF konnte SPIRIT-HF keinen Effekt des steroidalen MRA Spironolacton auf CV-Tod und Herzinsuffizienz-Hospitalisierungen zeigen. Die Zahl an Hospitalisierungen war sogar tendenziell höher unter Spironolacton.

Es war kein Trend für einen positiven Effekt von Spironolacton nachweisbar, bei substanzieller Nebenwirkungsrate. Aktuell kann nur der nichtsteroidale MRA Finerenon bei Personen mit HFpEF/HFmrEF empfohlen werden.

Referenzen

  1. Edelmann F et al. Spironolactone In The Treatment Of Heart Failure. Late-Breaking Clinical Trials IV, 29.03. (10:45-11:45 am), New Orleans, ACC 2026.

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