Eine interventionelle Behandlung bei Patientinnen und Patienten mit symptomatischer hochgradiger Aortenklappeninsuffizienz (AI), die nicht geeignet sind für eine chirurgische Therapie, ist in der aktuellen ESC Leitlinie mit einer Klasse IIB Indikation versehen worden. Daten zum direkten Vergleich zwischen TAVI und SAVR in dieser Patientengruppe liegen bisher nicht vor. Nun wurden erstmals Daten aus einem multizentrischen Register zu diesem Thema vorgestellt.
Insgesamt wurden 1.194 Patientinnen und Patienten aus 13 Zentren aus 6 Ländern in das retrospektive Register eingeschlossen. Alle mit TAVI behandelten Patientinnen und Patienten wurden mit einer spezifischen für AI zugelassenen TAVI-Prothese (Triology, JenaValve) behandelt.
In der ungematchten Kohorte zeigte sich, dass die mit TAVI versorgten Betroffenen signifikant älter (80 vs. 65 Jahre) und häufiger weiblich (45 vs. 30 %) waren. Darüber hinaus hatten sie ein höheres operatives Risiko (EuroScore II 3,6 vs. 1,7%), mehr Komorbiditäten und eine höhere Rate an präinterventionellem Linksschenkelblock (15 vs. 3,3 %). Das Überleben nach 30 Tagen war aber nicht unterschiedlich (TAVI 97,5 vs. SAVR 97,2%, p=0.85).
Nach Propensity matching (Alter, Geschlecht, EuroScore II) zeigt sich kein signifikanter Unterschied in der 1-Jahres-Überlebensrate (TAVR 91,7 vs. 93,2%, p=0.42). Die Rate an Gefäßkomplikationen war höher in der TAVI-Gruppe (6.2 vs. 0.4%, p<0.001), ebenso die Rate an Schrittmacherpflichtigkeit (17 vs. 3.4%, p=0.002). Die Schlaganfallrate war signifikant höher in der SAVR-Gruppe (1,7 vs. 1,3%, p<0.001). Hinsichtlich der Hämodynamik zeigten sich mehr paravalvuläre Leckagen in der TAVI-Gruppe (7 % leichtgradig, 1,6 % leicht-mittelgradig vs. 0,1 %). Die transvalvulären Gradienten waren signifikant niedriger nach TAVI (4 vs. 11 mmHg).
Zusammenfassend zeigen die Daten dieses multizentrischen Registers erstmals, dass bei Patientinnen und Patienten mit symptomatischer hochgradiger AI TAVI mit spezifischen für AI-zugelassenen Prothesen vergleichbar effektiv und sicher wie die chirurgischen Standdardtherapie.
Mit spezifischen für AI-zugelassenen TAVI-Prothesen konnte bei inoperablen Patientinnen und Patienten eine hohe prozedurale Erfolgsrate mit hoher Sicherheit in prospektiven Studien sowie retrospektiven Registern gezeigt werden. Dies führte zu einer IIB-Empfehlung in der ESC-Leitlinie. Die aktuelle multizentrische retrospektive Registerstudie zeigt nun erstmals vergleichbare Ergebnisse zwischen der interventionellen und chirurgischen Therapie. Dies ist eine gute Basis für die geplante prospektiv-randomisierte Studie, die uns helfen wird, die optimale Therapiestrategie für Patientinnen und Patienten mit Aortenklappeninsuffizienz zu definieren.
Geyer, M. Treatment of pure aortic regurgitation with a dedicated THV vs. surgery - first results of the pan-European EROICA-study. Hot Line Session from EuroPCR 2026, 21 May.