Nikotin-Pads

„Auch reines Nikotin ist keineswegs harmlos“

Die Schädlichkeit von Nikotin und Tabak ist ausreichend belegt. Mit klaren Botschaften wurde nun kürzlich ein Beitrag im European Heart Journal veröffentlicht, der darauf abzielt, Regulierung, Besteuerung und einen adäquaten Jugendschutz auf die Agenda der Politik zu setzen. Im Interview gibt Erstautor Prof. Thomas Münzel (Universitätsmedizin Mainz) einen Überblick über die wichtigsten Punkte und Hintergründe.  

Von:

Romy Martínez

HERZMEDIZIN-Redaktion

 

30.01.2026

Bildquelle (Bild oben): Gera Photo / Shutterstock.com

FAQ - Nikotin und das Herz-Kreislauf-System

Dieses Konzept bezieht sich auf die Verwendung von hochreinem, häufig synthetisch hergestelltem Nikotin. Produkte wie Nikotinbeutel, E-Zigaretten oder Nikotinersatztherapien sollen eine reinere Nikotinzufuhr ohne Tabakrauch, der nachweislich bis zu 7.000 davon 250 giftige chemische Substanzen enthält, ermöglichen. Aber auch „reines“ Nikotin ist keineswegs harmlos, sondern führt unmittelbar zu Blutdruck- und Herzfrequenzanstieg, was z. B. für Personen mit koronarer Herzkrankheit problematisch sein kann. Wissenschaftliche Erkenntnisse und der weltweite Expertenkonsens bestätigen, dass es kein sicheres Nikotin für das Herz-Kreislauf-System gibt.

Die endotheliale Dysfunktion ist der früheste klinisch messbare Marker von Gefäßschäden. Bereits nach einmaligem Konsum – sei es Zigarette, Shisha, E-Zigarette oder Nikotinbeutel – lässt sich eine endotheliale Dysfunktion nachweisen. Nikotin beeinflusst die NO-Synthase (eNos) im Endothel und fördert eine sogenannte Entkopplung. Dadurch wird statt Stickstoffmonoxid vermehrt Superoxid gebildet, was langfristig die Atherosklerose vorantreibt. 

Trotz noch ausstehender Langzeitstudien zu den gesundheitlichen Folgen, deuten aktuelle Daten darauf hin, dass E-Zigaretten keine gesunde Alternative zu herkömmlichen Zigaretten darstellen. Neben ihrem hohen Suchtpotentital, führen E-Zigaretten  zu Bluthochdruck, Entzündungsreaktionen und endothelialer Dysfunktion, einem etablierten Frühmarker für spätere kardiovaskuläre Erkrankungen. Mechanistisch bilden sich vermehrt freie Radikale und entzündliche Veränderungen in den Gefäßen. Dazu zeigen experimentelle Daten aus Tiermodellen: Schon nach vier Tagen E-Zigaretten-Exposition steigt der oxidative Stress im Gehirn an – mit möglicher Relevanz für spätere Demenzentwicklungen. 

Die Publikation von Münzel, T. et al (2025) macht darauf aufmerksam, dass dringende politische Maßnahmen gegen die gesundheitlichen Risiken von Nikotin notwendig sind. Besonders im Fokus stehen die gezielte Vermarktung von Nikotinprodukten an Jugendliche, die eindeutigen kardiovaskulären Gefahren aller Nikotinformen sowie bestehende regulatorische Lücken. Gefordert werden strengere, einheitliche Regelungen, wie z. B. ein Verbot von aromatisierten Nikotinprodukten und farbigen Verpackungsdesign, umfassende Rauchverbote und das Schaffen von rauchfreien Räumen sowie ein aktives Engagement von Kardiologie und Politik zum Schutz der öffentlichen Gesundheit.

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