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Studien kompakt

Kurz und knapp informiert: Dieses Mal geht es um eine ultra-niedrig dosierte Dreifachkombination als Initialtherapie bei Hypertonie, Mammografien zur kardiovaskulären Risikostratifizierung, einen neuen Risiko-Score bei akutem Koronarsyndrom und Krebs, weniger Vorhofflimmer-Rezidive unter Semaglutid, die Zeit bis zur ersten Zigarette als Risikoprädiktor, Intervallfasten bei Übergewicht, Herzstillstand bei Langstreckenläufen sowie neue ESC-Patientenleitlinien zur Schwangerschaft.

Von:

Martin Nölke & Dr. Heidi Schörken

HERZMEDIZIN-Redaktion

 

11.03.2026

Bildquelle (Bild oben): niratsn2510 / Shutterstock.com

Hypertonie: Dreifachkombination als Initialtherapie

In zwei multizentrischen, randomisierten Phase-3-Studien aus Südkorea (HM-APOLLO-301/302) wurde eine Einzeltablette mit ultra-niedrig dosierter Dreifachkombination aus Amlodipin (1,67 mg), Losartan (16,67 mg) und Chlorthalidon (4,17 mg) mit Standard-Monotherapien verglichen. Insgesamt wurden 610 Erwachsene mit milder bis moderater Hypertonie randomisiert und über 8 Wochen behandelt. In Studie 301 war die Kombination gegenüber Amlodipin 5 mg nicht unterlegen (–19,1 vs. –19,9 mmHg; p=0,495). In Studie 302 war sie Losartan 50 mg überlegen (–19,9 vs. –16,4 mmHg; p=0,037). Nebenwirkungen waren vergleichbar und selten; Therapieabbrüche lagen ≤1 %. Die Ergebnisse sprechen für eine mögliche Initialtherapie mit ultra-niedrig dosierter Dreifachkombination.1

Mammografien: Auch zur kardiovaskulären Risikostratifizierung

In einer multizentrischen Kohortenstudie mit 123.762 Frauen wurden anhand von Routine-Mammografien KI-gestützt Brustarterienverkalkungen (BAC) quantifiziert. Leichte, mittelschwere und schwere BAC waren in allen Altersgruppen unabhängig von traditionellen Risikofaktoren und dem PREVENT-Risiko-Score mit einem erhöhten Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse (MACE) assoziiert. Jeder Anstieg der BAC um 1 mm2 ging mit einem zusätzlichen Risiko von 2–3 % für MACE einher (p<0,001). Der mediane Beobachtungszeitraum betrug 7,0 Jahre. Der Ansatz könnte künftig eine opportunistische kardiovaskuläre Risikobewertung während der routinemäßigen Brustkrebsvorsorge ermöglichen, ohne zusätzlich die Strahlenbelastung zu erhöhen.2

ONCO-ACS-Score: Risiko bei akutem Koronarsyndrom und Krebs

Aus einer britischen Kohorte mit 815.170 ACS-Betroffenen, darunter 36.771 mit Krebserkrankung, wurde ein neuer Risikoscore entwickelt. Die kumulative Inzidenz betrug für Mortalität 27,8 %, für schwere Blutungen 7,3 % und für ischämische Ereignisse 16,1 %. Wichtigster Prädiktor für Mortalität war der Tumortyp. Für ischämische Ereignisse waren vor allem Alter, Killip-Klasse und Nierenfunktion relevant. In der externen Validierung (202.589 ACS-Betroffene, darunter 8.327 mit Krebs) zeigte der Score eine gute Vorhersageleistung mit einer 6-Monats-tAUC von je nach Land ≥0,80 für Mortalität, ≥0,70 für ischämische Ereignisse und ≥0,64 für Blutungen. Der Score könnte helfen, konkurrierende Risiken bei ACS-Betroffenen mit Krebs besser abzuschätzen und Therapiestrategien zu individualisieren.3

VHF-Ablation bei Adipositas: Weniger Rezidive unter Semaglutid

In einer monozentrischen Registerstudie aus Italien reduzierte Semaglutid bei adipösen Personen mit paroxysmalem Vorhofflimmern die Rezidivrate nach Katheterablation. 181 Personen, die innerhalb von 3 Monaten vor oder 1 Monat nach der Ablation mit dem GLP-1-Rezeptoragonisten behandelt wurden, wurden mit 181 gematchten Kontrollen verglichen. Nach 18 Monaten Follow-up betrug die Rezidivfreiheit 80,2 % unter Semaglutid gegenüber 65,2 % in der Kontrollgruppe. Semaglutid war mit einem signifikant geringeren Rezidivrisiko assoziiert (HR 0,52; p=0,002). Gewicht und BMI nahmen signifikant ab; 70,7 % erreichten eine Gewichtsreduktion von ≥10 %. Weitere Studien sind erforderlich, um den Einfluss von GLP-1-Rezeptoragonisten auf Vorhofflimmer-Rezidive zu klären.4

Risikoprädiktor: Zeit bis zur ersten Zigarette

Eine kürzere Zeitspanne bis zur ersten Zigarette nach dem Aufwachen (time to first cigarette, TTFC) ist unabhängig und dosisabhängig mit einem höheren Risiko für Herzinsuffizienz assoziiert, auch nach Berücksichtigung von Rauchbelastung und Begleiterkrankungen. Das ergab eine prospektive Kohortenstudie mit 229.391 Teilnehmenden aus der UK Biobank. Während einer medianen Nachbeobachtungszeit von 15,5 Jahren traten 6.912 (3,01 %) Fälle von Herzinsuffizienz auf. Rauchende mit einer TTFC <5 min hatten im Vergleich zu Nichtrauchenden das höchste Risiko (adjustierte HR 2,22; p<0,001), was einer absoluten Risikodifferenz von 4,03 % entspricht. Die Zeit bis zur ersten Zigarette könnte somit ein einfach zu erhebender Marker für ein erhöhtes Herzinsuffizienzrisiko sein.5

Cochrane-Review: Was bringt Intervallfasten?

Die Cochrane Collaboration untersuchte Daten von 22 Studien mit 2.000 Teilnehmenden zu den Effekten von Intervallfasten. Dabei wurden keine Unterschiede im Hinblick auf Gewichtsabnahme und Lebensqualität festgestellt – weder im Vergleich zu anderen Diäten noch zu gar keiner Intervention. Limitationen der Studien waren die kleine Teilnehmeranzahl und die kurze Beobachtungsdauer. Insgesamt waren keine positiven Effekte des Intervallfastens nachweisbar. Daher sollte jeder selbst anhand der eigenen Vorlieben entscheiden, ob intermittierendes Fasten für eine Gewichtsabnahme in Frage kommt.6

Langstreckenläufe: Herzstillstand selten – Risiko Endspurt?

Eine Registeranalyse untersuchte sportassoziierte Herzstillstände bei großen Laufveranstaltungen (Marathon, Halbmarathon, 20-km-Lauf) in Paris zwischen 2011 und 2024. Unter rund 1,2 Mio. Teilnehmenden wurden 17 Ereignisse registriert. Die Überlebensrate lag bei 88 %. In 47,1 % der Fälle blieb die Ursache ungeklärt. 88 % der Betroffenen waren Männer. Die Inzidenz betrug 16,9 pro 1 Mio. Männern und 5,7 pro 1 Mio. Frauen. Auffällig war eine Häufung im letzten Rennkilometer: Das Risiko war dort 15,2-fach höher als in anderen Rennabschnitten (p<0,001). Männer beschleunigten in dieser Phase fast doppelt so häufig wie Frauen, was neben physiologischen Faktoren zur männlichen Überrepräsentation beitragen könnte.7

Neue ESC-Patientenleitlinien: Schwangerschaft und CVD

68 % der kardiovaskulär bedingten Todesfälle im Zusammenhang mit Schwangerschaften gelten als vermeidbar. Am Weltfrauentag (8. März) veröffentlichte die European Society of Cardiology (ESC) eine neue Patientenversion der europäischen Leitlinien zu Schwangerschaft und kardiovaskuläre Erkrankungen. Sie soll Frauen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen unterstützen, fundierte Entscheidungen über Schwangerschaft und Geburt zu treffen und die gemeinsame Entscheidungsfindung mit dem Behandlungsteam zu erleichtern. Die Inhalte basieren auf den ESC-Fachleitlinien von 2025 und bieten leicht verständliche Informationen für die Zeit vor, während und nach der Schwangerschaft.

Referenzen

  1. Sung KC, Park K, Kim DH, et al. Single-Pill Low-Dose Triple Combination Therapy vs Standard-Dose Monotherapy in Patients With Mild-to-Moderate Hypertension. J Am Coll Cardiol. Published online February 3, 2026. doi:10.1016/j.jacc.2025.12.028.
  2. Dapamede T et al. Artificial intelligence-based quantification of breast arterial calcifications to predict cardiovascular morbidity and mortality. Eur Heart J. Published online March 9, 2026. doi:10.1093/eurheartj/ehag128.
  3. Wenzl FA, Ow KW, Velders MA, et al. Prediction of mortality, bleeding, and ischaemic events in patients with cancer and acute coronary syndrome: a model development and validation study. Lancet. 2026;407(10527):515-528. doi:10.1016/S0140-6736(25)02020-3.
  4. Ciconte G et al. Semaglutide as adjunctive therapy to catheter ablation in obesity-related paroxysmal atrial fibrillation. Europace. 2026;28(2):euag018. doi:10.1093/europace/euag018.
  5. Wen J et al. Time to first cigarette after waking and incident heart failure: a dose-response analysis from the UK biobank. ESC Heart Fail. 2026;13(1):xvag049. doi:10.1093/eschf/xvag049.
  6. Garegnani LI et al. Intermittent fasting for adults with overweight or obesity. Cochrane Database of Systematic Reviews 2026, Issue 2. DOI: 10.1002/14651858.
  7. Chocron R, Laurenceau T, Cezard P, et al. Characteristics of sudden cardiac arrest during endurance racing: a decade of the Paris registry. Europace. 2026;28(2):euaf313. doi:10.1093/europace/euaf313.

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