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Leadless-Schrittmacherimplantation – bereit für den klinischen Alltag?

DGK-Jahrestagung 2026 | LEXIS Global Registry: In einem internationalen Register wurde die Sicherheit und Machbarkeit der Implantation von kabellosen Herzschrittmachern nach infizierter Systemextraktion untersucht. Prof. Roland R. Tilz (UHZ Lübeck) stellte die Daten in der Session Late Breaking Clinical Trials II vor und PD Dr. Jonas Wörmann (Universitätsklinikum Köln) war Diskutant der Studie.1


Dr. Anna Traub und Prof. Roland Tilz (UHZ Lübeck) berichten. PD Dr. Jonas Wörmann (Universitätsklinikum Köln) kommentiert.

Von:

Dr. Anna Traub & Prof. Roland Tilz

Klinik für Rhythmologie, UHZ Lübeck

 

Expertenkommentar:

PD Dr. Jonas Wörmann 

Universitätsklinikum Köln

 

24.04.2026

Bildquelle (Bild oben): m:con / Ben van Skyhawk

Hintergrund

Infektionen kardialer elektronischer Implantate erfordern die vollständige Entfernung des Systems. Die herkömmliche Re-Implantationsstrategie ist jedoch häufig mit verlängertem stationären Aufenthalt, erhöhter Exposition gegenüber nosokomialen Erregern und höheren Behandlungskosten verbunden. Vor diesem Hintergrund untersuchte das globale LEXIS-Register die Sicherheit und Machbarkeit einer Leadless-Schrittmacherimplantation im Zusammenhang mit der Extraktion infizierter Systeme. 

Studiendesign

Das LEXIS-Register ist ein weltweites, multizentrisches, retrospektives Register mit 536 Patientinnen und Patienten aus 23 Zentren in 8 Ländern. Verglichen wurden eine simultane Leadless-Schrittmacherimplantationen zum Zeitpunkt der Extraktion mit einer zeitversetzten Versorgung. Hinsichtlich der Ausgangscharakteristika zeigten sich keine signifikanten Unterschiede zwischen den Gruppen.

Ergebnisse

Nach 12 Monaten ergaben sich zwischen simultaner und gestufter Strategie keine signifikanten Unterschiede in den klinischen Endpunkten. Die Gesamtmortalität lag bei 17 % und betrug 14,3 % vs. 18,4 %. Die Reinfektionsrate war mit 0,5 % insgesamt sehr niedrig (0,7 % vs. 1,2 %). Eine erneute transvenöse Systemimplantation war in 4,6 % der Fälle erforderlich (7 % vs. 10 %), und eine Extraktion des Leadless-Systems musste nur bei 2,5 % der Fälle durchgeführt werden (2,3 % vs. 2,8 %). Für keinen dieser Vergleiche zeigte sich ein signifikanter Unterschied.  

Fazit

Diese Registerdaten sprechen dafür, dass die simultane Leadless-Schrittmacherimplantation bei ausgewählten Patientinnen und Patienten eine sichere und klinisch attraktive Strategie darstellt. Potenzielle Vorteile sind eine verkürzte Hospitalisierung, geringere Ressourcennutzung, ein reduziertes Risiko nosokomialer Infektionen sowie ein höherer Patientenkomfort. Darüber hinaus kann die Kombination aus Systemextraktion und sofortiger Leadless-Versorgung eine frühzeitige Entlassung und eine sichere ambulante antibiotische Weiterbehandlung ermöglichen. 

Expertenkommentar

Die Daten des LEXIS-Registers adressieren eine klinisch relevante Fragestellung: die optimale Re-Implantationsstrategie nach infizierter Deviceextraktion. Die sehr niedrige Reinfektionsrate und das Fehlen signifikanter Unterschiede zwischen simultaner und gestufter Versorgung sprechen dafür, dass die sofortige Leadless-Implantation bei ausgewählten Patienten eine sichere Option sein kann.

 

Besonders hervorzuheben ist der potenzielle klinische Nutzen eines „Single-Procedure“-Ansatzes, etwa durch verkürzte Hospitalisation und geringere Exposition gegenüber nosokomialen Erregern abgesehen vom Patientenkomfort.

 

Gleichwohl sollten die Ergebnisse mit der gebotenen Vorsicht interpretiert werden. Es handelt sich um ein retrospektives Registerdesign, sodass eine Selektion geeigneter Patientinnen und Patienten für die simultane Strategie nicht ausgeschlossen werden kann. Insbesondere bleibt offen, welche klinischen Kriterien die Entscheidung für eine sofortige Leadless-Implantation beeinflusst haben und inwieweit diese auf den klinischen Alltag übertragbar sind.

 

Insgesamt unterstützen die LEXIS-Daten jedoch klar die zunehmende Integration der Leadless-Technologie in die klinische Praxis. Für ausgewählte Patientinnen und Patienten scheint die simultane Implantation nach Systemextraktion nicht nur machbar, sondern auch klinisch sinnvoll zu sein. Der Schritt „ready for prime time“ ist damit zumindest für definierte Subgruppen greifbar – vorausgesetzt, die Indikationsstellung erfolgt sorgfältig und in erfahrenen Zentren.

 

Zur Person

Dr. Anna Traub

Dr. Anna Traub Assistenzärztin am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Lübeck, in der Abteilung für Rhythmologie.

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Zur Person

Prof. Roland R. Tilz

Prof. Roland R. Tilz ist Direktor der Klinik für Rhythmologie des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein am Campus Lübeck. Seine Schwerpunkte liegen auf interventioneller Elektrophysiologie, komplexer Device-Therapie und LAA-Verschlüssen. Er ist als Mitglied in zahlreichen wissenschaftlichen Fachgesellschaften aktiv und als Gutachter für internationale Fachjournals tätig.

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Zur Person

PD Dr. Jonas Wörmann

PD Dr. Jonas Wörmann ist Oberarzt der Elektrophysiologie am Universitätsklinikum Köln. Sein klinischer Schwerpunkt liegt in der interventionellen Rhythmologie mit besonderem Fokus auf Katheterablation komplexer Herzrhythmusstörungen sowie der Device-Therapie, einschließlich moderner Schrittmacher- und Defibrillatorsysteme.
PD Dr. Jonas Wörmann

Referenzen

  1. Tilz R et al. Leadless pacemaker implantation at the time of infected device extraction– Ready for prime time? Insights from the LEXIS global registry. Late Breaking Clinical Trials II, 10.04.2026, Mannheim, DGK-Jahrestagung. 

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