Chicago

PFA erstmals als Firstline-Therapie bei persistierendem VHF

HRS-Kongress 2026 | AVANT GUARD: Erstmals wurde eine Katheterablation mittels Pulsed-Field-Ablation (PFA) als initiale Therapie direkt mit einer antiarrhythmischen medikamentösen Therapie bei persistierendem Vorhofflimmern (VHF) verglichen. Die Studie, die von Dr. Oussama Wazni (Cleveland Clinic, USA) vorgestellt und parallel im New England Journal of Medicine publiziert wurde, könnte eine wichtige Lücke in der Behandlung des persistierenden VHF schließen.1,2


Prof. Christian-Hendrik Heeger (Asklepios Klinik Hamburg Altona) berichtet und kommentiert.

Von:

Prof. Christian-Hendrik Heeger

Asklepios Klinik Hamburg Altona 

 

29.04.2026

Bildquelle (Bild oben): RomanSlavik.com/Shutterstock.com

Studiendesign

AVANT GUARD ist eine internationale, multizentrische, randomisierte kontrollierte Studie mit 382 Patientinnen und Patienten mit bislang unbehandeltem persistierendem VHF. Die Teilnehmenden wurden im Verhältnis 2:1 in folgende Gruppen randomisiert:

 

  • Gruppe 1: PFA mittels pentaspline Katheter inkl. Pulmonalvenenisolation und Isolation der Hinterwand des linken Atriums
  • Gruppe 2: Antiarrhythmische medikamentöse Therapie nach Leitlinien (AAD)

 

Zusätzlich wurde eine weitere Kohorte ausschließlich zur Sicherheitsanalyse mit PFA behandelt. Alle Patientinnen und Patienten erhielten einen implantierbaren kardialen Event-Rekorder zur kontinuierlichen Rhythmusüberwachung. Der primäre Effektivitätsendpunkt war ein kombinierter Parameter aus akutem und langfristigem Therapieerfolg über 12 Monate, einschließlich Arrhythmiefreiheit, Vermeidung von Kardioversionen oder erneuter Katheterablation.

Deutlicher Vorteil für die Ablation

Nach 12 Monaten zeigte sich ein signifikanter Vorteil für die Katheterablation mittels PFA:

 

  • Therapieerfolg: 56 % PFA vs. 30 % AAD
  • HR für Therapieversagen: 0,46 (p<0,001) 


Auch die Arrhythmielast war im Katheterablations-Arm deutlich geringer. Die kontinuierliche Überwachung mittels implantierbarem Event-Rekorder unterstrich die Aussagekraft der Daten.


Sicherheit auf akzeptablem Niveau

Der primäre Sicherheitsendpunkt trat bei 5,1 % der Ablationsgruppe auf und lag damit klar unter dem vordefinierten Grenzwert von 12 %. Schwere unerwünschte Ereignisse innerhalb eines Jahres traten insgesamt in beiden Gruppen in vergleichbarer Häufigkeit auf (25 % vs. 21%). Neurologische Ereignisse führten zwischenzeitlich zu einer Pausierung der Studie, nach Anpassung des Protokolls wurden keine weiteren neurologischen Ereignisse beobachtet. 

Fazit und Kommentar

Die Studie lieferte erstmals randomisierte Evidenz dafür, dass eine Ablationsstrategie auch bei persistierendem VHF als Erstlinientherapie der medikamentösen Behandlung überlegen sein kann. Damit erweitert AVANT GUARD das bisherige Konzept, das eine frühe Ablation primär bei paroxysmalem VHF unterstützt hatte. Die Ergebnisse sprechen dafür, dass auch Patientinnen und Patienten mit persistierendem VHF von einer frühen interventionellen Strategie mittels Katheterablation profitieren könnten. Die relativ hohe Rate an neurologischen Ereignissen im Rahmen des 1-Jahres-Follow-ups waren in beiden Gruppen vergleichbar und müssen vorsichtig bewertet werden. Die geplante langfristige Nachbeobachtung über bis zu 3 Jahre soll weitere Erkenntnisse zur Arrhythmielast und Krankheitsprogression liefern. 


Die AVANT-GUARD-Studie markiert einen möglichen Paradigmenwechsel in der Rhythmustherapie des persistierenden VHF – mit der PFA-basierten Katheterablation als potenziell neue First-Line-Option.

Zur Person

Prof. Christian-Hendrik Heeger

Prof. Christian-Hendrik Heeger ist Leitender Arzt des Departments für Rhythmologie an der Asklepios Klinik Altona in Hamburg. Sein Schwerpunkt liegt im Bereich der invasiven Elektrophysiologie, mit Fokus auf neue Technologien zur Therapie von atrialen und ventrikulären Arrhythmien. Er gehört zum Nukleus der DGK-Arbeitsgruppe 1 Elektrophysiologie und Rhythmologie (AGEP).
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Key Facts der Studie

Wirksamkeit und Sicherheit der initialen Therapie mittels Pulsed-Field-Ablation (PFA) gegenüber einer antiarrhythmischen medikamentösen Therapie (AAD) bei persistierendem Vorhofflimmern (VHF).

 

Nach 12 Monaten zeigte sich ein signifikanter Vorteil für die Katheterablation mittels PFA. Der primäre Endpunkt, Therapieerfolg, trat bei 56 % unter PFA vs. 30 % unter AAD auf.

AVANT GUARD markiert einen möglichen Paradigmenwechsel in der Rhythmustherapie des persistierendem VHF mit PFA als potenzieller neuer Firstline-Option.

Referenzen

  1. Wazni OM et al. Prospective Randomized Multicenter Global Study Comparing Pulsed Field Ablation versus Anti-Arrhythmic Drug Therapy as a First Line Treatment for Persistent Atrial Fibrillation (AVANT GUARD. Late-Breaking Clinical Trials: Cardiac Implanted Electronic Devices, 25.04., Chicago, HRS 2026.
  2. Wazni OM et al. Pulsed Field Ablation as Initial Therapy for Persistent Atrial Fibrillation. N Engl J Med. 2026. doi: 10.1056/NEJMoa2600929. Epub ahead of print. 

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