Die Katheterablation mittels konventioneller Methoden ist eine etablierte Therapie für ventrikuläre Tachykardien (VT). Allerdings ist die Wirksamkeit bei nicht-ischämischen Kardiomyopathien (NICM) geringer gegenüber ischämischen Kardiomyopathien (ICM), was auf die schlechtere Erreichbarkeit des intramuralen Substrats zurückzuführen. Die Ultra-Low Temperature Cryoablation (ULTC) nutzt extreme Kälte (annähernd der Temperatur von flüssigem Stickstoff mit -196 °C), die tief in das Gewebe eindringt und dort dosierbare Läsionen erzeugt. Daher besteht die Hoffnung, dass insbesondere Personen mit VT und NICM von der ULTC profitieren. Erste Studien, wie Cryocure-VT, lieferten bereits vielversprechende Ergebnisse für dieses neue Ablationsverfahren.
Die multizentrische Studie FULCRUM-VT untersuchte die Outcomes der endokardialen Ablation mittels ULTC bei ischämischer vs. nicht-ischämischer Kardiomyopathie. Eingeschlossen wurden Personen mit VT und LVEF >20 %, die nicht auf eine antiarrhythmische medikamentöse Therapie ansprachen.
Bei 155 Patientinnen und Patienten wurde eine VT-Ablation mit dem ULTC-System durchgeführt, darunter 42 Personen mit NICM und 103 mit ICM. Weitere 10 Personen wurden aufgrund einer gemischten Ätiologie von der Analyse ausgeschlossen. Die Baseline-Charakteristika beider Gruppen waren vergleichbar. Es handelte sich insgesamt um eine Hochrisiko-Population mit einer mittleren LEVF von 35 % und Arrhythmien trotz medikamentöser Therapie mit Antiarrhythmika, wie Amiodaron.
In jeder Gruppe wurden im Mittel 2,6 bzw. 2,8 ventrikuläre Tachykardien mit einer durchschnittlichen Zykluslänge von 372 bzw. 378 ms induziert (jeweils NICM- und ICM-Gruppe). Die mittlere Eingriffsdauer betrug jeweils 209 bzw. 207 Minuten mit durchschnittlich 9,2 bzw. 11 Freezes pro Person. In der NICM-Gruppe lagen die Zielregionen häufiger im anterobasalen linken Ventrikel, dagegen in der ICM-Gruppe häufiger an der inferioren Wand. Die geschätzte mittlere Gewebedicke der Zielregionen betrug 10,6 bzw. 10 mm. Bei 3 bzw. 11 Personen war initial keine VT induzierbar und bei 7 bzw. 8 Personen wurde keine erneute Induktion durchgeführt. Nach der Ablation waren VT bei 94 % (30/32) der NICM-Gruppe und bei 96 % (80/83) der ICM-Gruppe (p=0,617) nicht induzierbar.
Obwohl sich das Substrat unterschied, waren die Outcomes nach der ULTC-Ablation in der NICM-Gruppe exzellent und vergleichbar zur ICM-Gruppe. Damit bestätigte die FULCRUM-VT-Studie erneut die Wirksamkeit der ULTC für die Behandlung von VT, insbesondere auch bei Personen mit NICM.
Die FULCRUM-VT-Studie zeigt, dass die Ultra-Low Temperature Cryoablation bei VT offenbar ein Sicherheitsprofil aufweist, das mit konventionellen Ablationsverfahren vergleichbar ist. Besonders bemerkenswert sind die hohen Erfolgsraten bei Patientinnen und Patienten mit nicht-ischämischer Kardiomyopathie, die deutlich über den bisherigen Erwartungen liegen; allerdings ist die Aussagekraft aufgrund der sehr kleinen analysierten NICM-Gruppe mit nur 32 Patientinnen und Patienten limitiert. Aufgrund der potenziell tiefen Läsionsbildung und der hohen Katheterstabilität stellt ULTC dennoch ein äußerst vielversprechendes Verfahren gerade für intramurale VT-Substrate dar. Entscheidend wird nun sein, diese ermutigenden Ergebnisse in größeren, prospektiven Studien zu bestätigen.
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