Minimalinvasive Trikuspidalklappeninterventionen (TTVI) haben sich in den letzten Jahren als Therapieoption bei schwerer symptomatischer Trikuspidalinsuffizienz etabliert und erhielten in den ESC/EACTS-Leitlinien 2025 eine Klasse-IIa-Empfehlung.2 Bei Patientinnen und Patienten mit schwerer links- oder rechtsventrikulärer Dysfunktion oder präkapillärer pulmonaler Hypertonie wird jedoch aufgrund limitierter Evidenz primär eine konservative Therapie empfohlen. Inwiefern diese Patientinnen und Patienten bisher in der klinischen Praxis behandelt wurden und in welchem Maße sie von der interventionellen Klappenbehandlung profitiert haben, wurde bislang nicht strukturiert untersucht.
Insgesamt 1.626 Patientinnen und Patienten des großen internationalen EuroTR-Registers3, die vor Publikation der aktuellen Leitlinie mittels „edge-to-edge“-Reparatur der Trikuspidalklappe (T-TEER) behandelt wurden, ließen sich anhand ihrer rechts- und linksventrikulären Funktion sowie des Typs und Ausmaßes der pulmonalen Hypertonie in zwei Gruppen einteilen4. Diejenigen, die mindestens eines der in den Leitlinien definierten Ausschlusskriterien (schwere links- oder rechtsventrikuläre Dysfunktion bzw. präkapilläre pulmonale Hypertonie) erfüllten, wurden als „OMT-Kandidaten“ klassifiziert und mit Patientinnen und Patienten verglichen, die gemäß Leitlinienempfehlung für eine interventionelle Therapie geeignet waren. Primäre und sekundäre klinische Endpunkte umfassten Überleben, Hospitalisierung aufgrund von Herzinsuffizienz sowie die Veränderung der NYHA-Klasse im Follow-up.
Insgesamt wurden 1.626 mittels T-TEER behandelte Patientinnen und Patienten in die Analyse eingeschlossen. Davon erfüllten 13,1 % mindestens eines der Leitlinienkriterien (schwere links- oder rechtsventrikuläre Dysfunktion bzw. präkapilläre pulmonale Hypertonie) und wurden retrospektiv als „OMT-Kandidaten“ klassifiziert. Diese Patientinnen und Patienten zeigten aufgrund ihres weiter fortgeschrittenen Krankheitsprozesses im Vergleich zu gemäß Leitlinie empfohlen interventionell behandelten Betroffenen geringere 1-Jahres-Überlebensraten frei von Herzinsuffizienz-Hospitalisierung (58,7 % vs. 74,3 %; p<0,001). Nichtsdestotrotz beobachteten wir eine vergleichbare symptomatische Verbesserung in beiden Gruppen, mit einer Verbesserung der NYHA-Klasse um mindestens eine Stufe bei 56,2 % der „OMT-Kandidaten“ gegenüber 59,5 % in der Vergleichsgruppe entsprechend der aktuellen Leitlinienempfehlungen interventionell behandelter Patientinnen und Patienten.
Diese retrospektive Analyse unterliegt den üblichen Einschränkungen eines Registerdesigns. Die Beurteilung der rechtsventrikulären Funktion ist methodisch herausfordernd und nicht vollständig standardisiert erfasst, zudem erfolgten die echokardiografischen Analysen ohne zentrale Auswertung durch ein Referenzlabor.
Bis Ergebnisse spezifischer randomisierter Studien für Hochrisikopatientinnen und -patienten mit Trikuspidalklappeninsuffizienz und schwerer rechts- oder linksventrikulärer Dysfunktion und/oder pulmonaler Hypertonie vorliegen, bleibt es die Aufgabe des interdisziplinären Herzteams, den potenziellen symptomatischen Nutzen gegenüber einer der insgesamt eingeschränkten Gesamtprognose sorgfältig abzuwägen. Die vorliegenden Daten liefern hierfür eine wichtige Grundlage und unterstützen eine individualisierte Entscheidungsfindung in eben jener Patientengruppe.