Die beiden randomisierten Studien Fast III und ALL-RISE untersuchten drahtlose Verfahren zur funktionellen Beurteilung intermediärer Koronarstenosen im Vergleich zur etablierten druckdrahtbasierten FFR-Messung. Beide Studien wurden als Non-inferiority-Studien konzipiert, was sinnvoll ist, da sie eine semi-invasive Alternative zur invasiven, drahtbasierten FFR darstellen.
In der FAST-III-Studie wurde die Revaskularisationsstrategie anhand der angiografiebasierten vessel fractional flow reserve (vFFR) mit der klassischen druckdrahtbasierten FFR verglichen. Eingeschlossen wurden über 2.200 Patientinnen und Patienten mit intermediären Stenosen (30–80 %). Nach einem Jahr zeigte sich kein Unterschied im primären kombinierten Endpunkt (Tod, Myokardinfarkt oder Revaskularisation), der in beiden Gruppen bei circa 7,5 % lag. Die vFFR-Strategie erwies sich damit als nicht unterlegen (Non-inferiority Margin von 3 %) bei vergleichbarer Sicherheit.
Die ALL-RISE-Studie evaluierte ein ähnliches Konzept, jedoch mit angiografiebasierter FFR (FFRangio). Insgesamt 1.930 Patientinnen und Patienten wurden randomisiert. Auch hier zeigte sich nach einem Jahr kein signifikanter Unterschied im primären Endpunkt (6,9 % vs. 7,1 %). Die angiografiebasierte Strategie war ebenfalls nicht unterlegen gegenüber der druckdrahtgestützten Messung, ohne Unterschiede bei prozeduralen Komplikationen.
Zusammenfassend belegen beide Studien konsistent, dass angiografiebasierte, drahtlose Verfahren zur funktionellen Läsionsbeurteilung (vFFR bzw. FFRangio) klinisch gleichwertig zur etablierten FFR sind. Diese Ansätze könnten die Anwendung physiologischer Diagnostik im Katheterlabor vereinfachen und potenziell deren Nutzung im klinischen Alltag erhöhen.
Die in Fast III und ALL-RISE untersuchten angiografiebasierten Verfahren (vFFR, FFRangio) sind zweifellos vielversprechend, da sie eine funktionelle Läsionsbeurteilung ohne Druckdraht und Hyperämie ermöglichen. Eine wesentliche Limitation dieser Methoden liegt allerdings in ihrer Abhängigkeit von der Bildqualität und standardisierten Akquisition. Insbesondere bei der retrospektiven Auswertung bereits vorhandener Angiografiefilme – also genau in dem Szenario, in dem der größte praktische Nutzen wäre – ist die Performance deutlich eingeschränkt. Diese Methoden sind nur dann sinnvoll, wenn sie direkt in das Röntgensystem integriert und unmittelbar nach Bildakquisition verfügbar sind. Eine Off-line-Auswertung ist zeitaufwendiger als die traditionelle drahtbasierte Methode. Letztlich bleibt die Frage, ob die gezeigte Nichtunterlegenheit nicht zumindest teilweise darauf zurückzuführen ist, dass die Ereignisrate bei Patientinnen und Patienten mit chronischem Koronarsyndrom insgesamt niedrig ist.
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