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Absetzen der Betablocker nach Myokardinfarkt

ACC-Kongress 2026 | SMART-DECISION: In der randomisierten Studie aus Südkorea wurde untersucht, ob der Abbruch der Betablockertherapie nach über einem Jahr nach Myokardinfarkt bei Personen ohne eingeschränkte Pumpfunktion (LVEF ≥40 %) gegenüber der fortgesetzten Therapie nicht unterlegen ist. Die Studie wurde vorgestellt von Prof. Ki Hong Choi (Seoul, Südkorea) und zeitgleich im NEJM publiziert.

 

PD Dr. Luise Gaede (Klinikum Herrsching, Starnberger Kliniken) kommentiert.

Von:

Dr. Heidi Schörken

HERZMEDIZIN-Redaktion

 

Expertenkommentar:

PD Dr. Luise Gaede

Rubrikleiterin Vaskuläre Herzerkrankungen

 

 

02.04.2026

Bildquelle (Bild oben): pisaphotography / Shutterstock.com

Immer noch ist nicht abschließend geklärt, ob Betroffene mit LVEF ≥40 % von einer Langzeittherapie mit Betablockern nach Herzinfarkt profitieren und wie lange diese Therapie anhalten sollte. Daher untersuchte die multizentrische Studie aus Südkorea die Nicht-Unterlegenheit des Abbruchs vs. der Fortsetzung der Betablocker-Therapie über ein Jahr hinaus nach Herzinfarkt im Hinblick auf den primären Endpunkt (Komposit aus Tod jeglicher Ursache, erneuter Myokardinfarkt oder Herzinsuffizienz-Hospitalisierungen).

Ergebnisse

2.540 Patientinnen und Patienten (mittleres Alter 63 Jahre und 87 % Männer) aus 25 Zentren in Südkorea, die mindestens ein Jahr lang Betablocker nach Herzinfarkt erhielten und eine LVEF ≥40 % aufwiesen, brachen randomisiert entweder die Betablocker-Therapie ab oder setzten diese weiter fort. Nach einer medianen Follow-up-Dauer von 3,1 Jahren trat der kombinierte primäre Endpunkt bei 7,2 % der Abbruch-Gruppe gegenüber 9 % der Betablocker-Gruppe auf, wodurch die Nicht-Unterlegenheit als erwiesen galt (HR 0,80; 95%KI [0,57; 1,13]; p=0,001). Die sekundären Endpunkte (u. a. neu auftretendes Vorhofflimmern, ungünstige LVEF-Änderungen, Lebensqualität und unerwünschte Ereignisse) waren in beiden Gruppen vergleichbar.


Die Ergebnisse waren für die präspezifizierten Subgruppen generell konsistent, allerdings war die Aussagekraft durch die geringe Anzahl von Frauen und von Personen mit LVEF >50 % für die entsprechenden Vergleiche eingeschränkt. 

Fazit

Insgesamt wurde in dieser randomisierten Studie erstmalig nachgewiesen, dass das Absetzen der Betablocker-Therapie nach einem Jahr nach Herzinfarkt gegenüber der fortgesetzten Therapie bei Patientinnen und Patienten ohne eingeschränkte Pumpfunktion nicht unterlegen ist. Ob Frauen oder Patientinnen und Patienten mit einer leicht eingeschränkten LV-Funktion stärker von Betablockern profitieren, bleibt weiterhin offen.

Expertenkommentar

Die Rolle von Betablockern nach Myokardinfarkt scheint sich zunehmend auf Patientinnen und Patienten mit eingeschränkter linksventrikulärer Funktion zu beschränken. Darauf weisen Studien wie BETAMI-DANBLOCK und REBOOT-CNIC sowie entsprechende Metaanalysen hin, in denen bei Betroffenen ohne relevante LV-Dysfunktion bereits initial auf eine Betablockertherapie verzichtet wurde.


Vor diesem Hintergrund sind die Ergebnisse der vorliegenden Studie wenig überraschend: Eingeschlossen wurden ausschließlich Personen mit einer initialen Ejektionsfraktion ≥40 %. Das Absetzen der Betablockertherapie nach einem Jahr war der Fortführung nicht unterlegen. Ein Absetzen nach einem Jahr erscheint daher vertretbar und sogar sinnvoll.


Für die Praxis ist jedoch eine differenzierte Betrachtung entscheidend: Patientinnen und Patienten mit durchgehend nur leicht bis moderat eingeschränkter LV-Funktion müssen klar von jenen unterschieden werden, die sich aus einer zuvor hochgradig reduzierten Funktion erholt haben (HFimpEF). Die TRED-HF-Studie – wenngleich ausschließlich bei dilatativer Kardiomyopathie durchgeführt – zeigte, dass das Absetzen der Therapie trotz verbesserter LV-Funktion mit einem Rückfallrisiko von nahezu 50 % einhergeht. Mangels spezifischer Evidenz für die ischämische Kardiomyopathie wurden diese Daten in den Leitlinien/Empfehlungen der ESC auf Betroffene mit HFimpEF übertragen, mit der klaren Empfehlung zur Fortführung der Therapie.


Voraussetzung für jede Deeskalation, eingeschlossen des Absetzens von Betablocker, ist daher die Kenntnis der initialen LV-Funktion, um Fehlentscheidungen zu vermeiden.

Zur Person

PD Dr. Luise Gaede

PD Dr. Luise Gaede ist Standortleitung der Kardiologie/Intensivmedizin am Klinikum Herrsching, Starnberger Kliniken. Ihre fachlichen Zusatzqualifikationen (DGK) erwarb sie in den Bereichen der Interventionellen Kardiologie, Herzinsuffizienz sowie Intensiv- & Notfallmedizin.
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Key Facts der Studie

Die Studie untersuchte die Nicht-Unterlegenheit des Abbruchs vs. der Fortsetzung der Betablocker-Therapie über ein Jahr hinaus nach Herzinfarkt im Hinblick auf den primären Endpunkt (Komposit aus Tod jeglicher Ursache, erneuter Myokardinfarkt oder Herzinsuffizienz-Hospitalisierungen).

Der kombinierte primäre Endpunkt trat in der Abbruch-Gruppe gegenüber der Betablocker-Gruppe seltener auf (7,2 % vs. 9 %), wodurch die Nicht-Unterlegenheit als erwiesen galt. Die sekundären Endpunkte waren in beiden Gruppen vergleichbar.

Eingeschlossen wurden ausschließlich Personen mit einer initialen Ejektionsfraktion ≥40 %. Ein Absetzen nach einem Jahr erscheint vertretbar und sogar sinnvoll, muss für die Praxis jedoch differenziert betrachtet werden: Patientinnen und Patienten mit durchgehend nur leicht bis moderat eingeschränkter LV-Funktion müssen klar von jenen unterschieden werden, die sich aus einer zuvor hochgradig reduzierten Funktion erholt haben (HFimpEF). 

Referenzen

  1. Choi KH et al. Discontinuation Of β-blocker Therapy In Stabilized Patients After Acute Myocardial Infarction, 30.03.2026, New Orleans, ACC 2026.
  2. Choi KH et al. Discontinuation of Beta-Blocker Therapy after Myocardial Infarction. N Engl J Med. 2026 Mar 30. doi: 10.1056/NEJMoa2601005. Epub ahead of print. PMID: 41910427.

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