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DFG fördert zwei neue kardiovaskuläre Sonderforschungsbereiche

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) richtet zwei neue kardiovaskuläre Sonderforschungsbereiche (SFB) ein und verlängert die Förderung von vier bestehenden kardiovaskulären SFB. Dies entschied der zuständige Bewilligungsausschuss der DFG am 13. Mai in Bonn.1

 

Prof. Malte Kelm (Universitätsklinikum Düsseldorf), wissenschaftliches Mitglied des Ausschusses, kommentiert.

Von:

Martin Nölke

HERZMEDIZIN-Redaktion

 

Expertenkommentar:

Prof. Malte Kelm

Herausgeber Herzmedizin.de

 

15.05.2026

Bildquelle (Bild oben): tilialucida / Shutterstock.com

Insgesamt fördert die DFG bundesweit 13 neue SFB zur weiteren Stärkung der universitären Spitzenforschung, darunter zwei neue kardiovaskuläre SFB. Die neuen Forschungsverbünde werden ab Oktober 2026 zunächst für 3 Jahre und 9 Monate mit insgesamt rund 170 Millionen Euro gefördert.


Zudem bewilligte der Ausschuss die Verlängerung von 25 bestehenden SFB um jeweils eine weitere Förderperiode, darunter 8 SFB/Transregio (TRR), wobei TRR von mehreren antragstellenden Hochschulen gemeinsam getragen werden. Im kardiovaskulären Bereich wurden 4 Verbünde verlängert.


SFB ermöglichen die Bearbeitung innovativer und langfristig konzipierter Forschungsvorhaben im Verbund und dienen der Schwerpunkt- und Strukturbildung an Hochschulen. Die maximale Förderdauer beträgt 12 Jahre. Ab Oktober 2026 fördert die DFG damit insgesamt 260 SFB-Verbünde.

Die neuen kardiovaskulären SFB im Überblick

  • „CARDDIAB – Herz-Diabetes-Crosstalk“ – SFB 1774
    (Universität Düsseldorf, Sprecherin: Prof. Maria Grandoch)
    Der SFB „CARDDIAB – Herz-Diabetes-Crosstalk“ untersucht, wie Fettgewebe, Knochenmark, Darm und Leber mit dem Herz-Kreislauf-System und der systemischen Blutzuckerkontrolle wechselwirken, um die Entstehung und Progression kardiovaskulärer Erkrankungen entlang des Übergangs von gesundem Stoffwechsel zu Typ-2-Diabetes (T2D) besser zu verstehen. Durch die Identifizierung von Prädiabetes- und T2D-Subtypen mit unterschiedlichem kardiovaskulärem Risiko sollen gezieltere Strategien zur Prävention, Diagnose und Therapie von kardiovaskulären Komplikationen entwickelt werden.
  • „Das Zusammenspiel von Thrombose und Inflammation – Translation molekularer Mechanismen in klinische Applikationen (InTraC)“ – SFB 1784
    (LMU München, Sprecher: Prof. Steffen Massberg)
    Der SFB „Das Zusammenspiel von Thrombose und Inflammation – Translation molekularer Mechanismen in klinische Applikationen (InTraC)“ erforscht die wechselseitigen Mechanismen von Thrombose und Entzündung mit dem Ziel, neue Ansätze für Diagnostik, Prävention und Therapie thromboinflammatorischer Erkrankungen zu entwickeln. Dafür nutzt der Forschungsverbund Multiomics-Analysen, Großtiermodelle und moderne Bildgebungsverfahren, um die Entwicklung neuartiger Therapeutika wie RNA-, Gen- und Zelltherapien voranzutreiben.

Die verlängerten kardiovaskulären SFB im Überblick

  • „Kardio-immune Schnittstellen“ – SFB 1525
    (Universität Würzburg, Sprecher: Prof. Stefan Frantz)
    Der SFB erforscht immunologische Mechanismen bei Myokarderkrankungen, um neue immunbasierte Diagnostika und personalisierte Therapieansätze zu entwickeln.
  • „Schadenskontrolle durch das Stroma-vaskuläre Kompartiment“ – SFB 1531
    (Universität Frankfurt, Sprecher: Prof. Ralf P. Brandes)
    Der SFB untersucht, wie verschiedene Zellpopulationen der Stroma-vaskulären Kompartimente von Herz, Gehirn und Blutgefäßen auf Schäden reagieren und zu Reparaturprozessen beitragen.
  • „Molekulare Schaltkreise von Herzerkrankungen“ – SFB 1550
    (Universität Heidelberg, Sprecher: Prof. Johannes Backs)
    Der SFB erforscht anhand von Multiomics-Ansätzen die molekularen Schaltkreise von Herzerkrankungen auf Ebene von DNA, RNA, Proteinen und Metaboliten in Kardiomyozyten sowie künftig auch in Endothelzellen, Fibroblasten und Immunzellen.
  • „Neutrophile Granulozyten: Entwicklung, Verhalten, und Funktion“ – TRR 332
    (Universität Münster, Sprecher: Prof. Oliver Söhnlein; ebenfalls antragstellend: Universität Duisburg-Essen, LMU München) 
    Der TRR untersucht, wie Mikroumgebungen und intrazelluläre Signalwege die Produktion und Funktion von Neutrophilen beeinflussen und wie dies mit Gefäßentzündungen, Krebs und Infektionen in Zusammenhang steht.

Expertenkommentar

Kardiovaskuläre Verbundforschung in Deutschland

Das Programm zur Verbundforschung in Sonderforschungsbereichen (SFB) und Transregios (TRR) ist ein Flaggschiff-Programm der DFG, welches über alle Disziplinen hinweg nach einem zweistufigen intensiven und detaillierten Begutachtungsprozess Verbünde in allen Disziplinen an deutschen Universitäten fördert. Aufgrund seiner strengen Auswahl und mehrdimensionalen Ausrichtung ist dieses Programm in der Forschungslandschaft der europäischen Förderinstitutionen als Instrument der Förderung einer international sehr sichtbaren und exzellenten Forschung mit einem außerordentlichen Renommee hoch anerkannt. Dabei werden einzelne Forschungsprojekte zu verwandten Forschungsthemen in Verbünden zusammengefasst mit dem Ziel, in dem Verbund einen Mehrwert zu generieren, der höher ist als der Wert der einzelnen Teilprojekte.

 

Der Verbund muss neben einer exzellenten Forschung in den Teilprojekten eine Strategie entwickeln, wie er das jeweilige wissenschaftliche Feld während einer 12-jährigen Laufzeit (3 Perioden à 4 Jahre mit jeweiliger Zwischenbegutachtung) weiterentwickelt. Neben der Projektförderung stellt die Schwerpunkt- und Strukturbildung an der jeweiligen beantragenden Hochschule ein wesentliches Merkmal dieser Verbundförderung dar. Damit umfasst das Programm zeitgleich zwei wesentliche Aspekte von Förderungsstrategien, welche es in dieser Kombination weder im Einzelverfahren noch in der Exzellenzstrategie gibt.

 

In Deutschland werden aktuell 10 SFB-/TRR-Verbünde mit kardiologischen Schwerpunktthemen gefördert (siehe nachfolgende Tabelle). Dies ist eine außerordentlich hohe Leistung der deutschen kardiovaskulären Forschungs-Community und stärkt die experimentelle, translationale und klinische Wissenschaft gleichermaßen in der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie. Besonders hervorzuheben ist, dass sich die Anzahl der kardiovaskulären Verbünde in den letzten 6 Jahren mehr als verdoppelt hat. 

Aktuell DFG-geförderte kardiovaskuläre Sonderforschungsbereiche
Aktuell von der DFG-geförderte kardiovaskuläre Sonderforschungsbereiche (SFB) / cardiovascular collaborative research centers (CRC)

In der aktuellen Sitzung des Bewilligungsausschusses der DFG wurden davon 4 Verbünde erfolgreich re-begutachtet und werden nun in der zweiten 4-jährigen Förderperiode weiter gefördert werden: SFB 1525 „Kardio-immune Schnittstellen“ (Würzburg), SFB 1531 „Stroma-vaskuläres Kompartment“ (Frankfurt), SFB 1550 „Molekulare Schaltkreise von Herzerkrankungen“ (Heidelberg) sowie der TRR 332 „Neutrophile Granulozyten“ (Münster). Diese erfreuliche Bilanz wird noch verstärkt durch die erfolgreiche Begutachtung und Bewilligung der Ersteinrichtung von zwei neuen kardiovaskulären Forschungsverbünden: SFB 1774 „Herz-Diabetes-Crosstalk“ (Düsseldorf) und SFB 1784 „Thrombose und Inflammation“ (München).

 

In Summe hat die kardiovaskuläre Verbundforschung damit in den letzten Jahren einen erheblichen Aufschwung erfahren. Dies spiegelt nicht nur den hohen „medical need“ wider, die Ursachen der aktuell häufigsten nicht kommunizierbaren Erkrankungen zu erforschen und daraus neue diagnostische und therapeutische Pfade zu entwickeln, sondern auch die international hoch kompetitive Leistungsbereitschaft und das Potenzial kardiovaskulärer Forscher und Forscherinnen an deutschen Universitäten.

Zur Person

Prof. Malte Kelm

Prof. Malte Kelm ist Direktor der Klinik für Kardiologie, Pneumologie und Angiologie am Universitätsklinikum Düsseldorf. Seine Forschungsschwerpunkte sind u. a. interventionelle Kardiologie bei Myokardinfarkt, koronarer Blutfluss bei Ischämie/Reperfusion sowie endothelialer Dysfunktion.
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Take-aways

  • Die Deutsche Forschungsgemeinschaft richtet 2 neue kardiovaskuläre Sonderforschungsbereiche (SFB) ein: SFB 1774 „Herz-Diabetes-Crosstalk“ (Düsseldorf) und SFB 1784 „Thrombose und Inflammation“ (München).
  • Die DFG verlängert zudem die Förderung von 4 bestehenden kardiovaskulären Forschungsverbünden: SFB 1525 „Kardio-immune Schnittstellen“ (Würzburg), SFB 1531 „Stroma-vaskuläres Kompartment“ (Frankfurt), SFB 1550 „Molekulare Schaltkreise von Herzerkrankungen“ (Heidelberg) und der TRR 332 „Neutrophile Granulozyten“ (Münster).
  • In Deutschland werden aktuell 10 SFB/TRR-Verbünde mit kardiologischem Schwerpunkt gefördert. Die Anzahl der kardiovaskulären Verbünde hat sich in den letzten 6 Jahren mehr als verdoppelt.
  • Die kardiovaskuläre Verbundforschung hat damit in den letzten Jahren einen erheblichen Aufschwung erfahren, was den hohen „medical need“ und das Potenzial universitärer Herz-Kreislauf-Forschung widerspiegelt.
  • SFB ermöglichen die Bearbeitung innovativer Forschungsvorhaben im Verbund und dienen der Schwerpunkt- und Strukturbildung an Hochschulen. Die maximale Förderdauer beträgt 12 Jahre (3 × 4 Jahre mit Zwischenbegutachtungen). Die neuen SFB erhalten insgesamt rund 170 Millionen Euro für die erste Förderperiode.

Referenzen

  1. Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG). DFG fördert 13 neue Sonderforschungsbereiche. Pressemitteilung, 15.05.2026.

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