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Neuer Quintupel-Agonist gegen Übergewicht und Diabetes

Ein neuer Quintupel-Agonist kombiniert die Effekte dualer GLP-1-/GIP-Rezeptoragonisten mit einem gezielt eingeschleusten PPAR-Agonisten. In präklinischen Modellen zeigte der Hybridwirkstoff ausgeprägte Effekte auf Gewicht, Glukosestoffwechsel und Herzfunktion.1,2

Von:

Martin Nölke

HERZMEDIZIN-Redaktion

 

12.05.2026

Bildquelle (Bild oben): tilialucida / Shutterstock.com

GLP-1-Rezeptoragonisten und duale GLP-1-/GIP-Rezeptoragonisten sind wirksame Medikamente zur Behandlung metabolischer Dysfunktion bei Übergewicht und Typ-2-Diabetes. Darüber hinaus werden sie zunehmend zur Reduktion kardiovaskulärer Risiken eingesetzt.


Um die metabolische Wirksamkeit von dualen Agonisten weiter zu verbessern, berichtet eine aktuelle Studie in Nature über die Entwicklung eines neuen 5-fachen Agonisten, der die gewichtsreduzierenden und blutzuckersenkenden Effekte des dualen Agonisten mit den Insulin-sensibilisierenden und entzündungshemmenden Wirkungen von Lanifibranor verbindet. Die Studie wurde von Forschenden des Helmholtz-Zentrums München und der LMU München in Zusammenarbeit mit einem internationalen Team durchgeführt, das auch die GLP-1-basierten Dual- und Triple-Agonisten zur Behandlung von Übergewicht und Diabetes entwickelt hat.

Gezielte Abgabe mittels Inkretinrezeptoren

Lanifibranor ist ein sogenannter Pan-Agonist, der an die Peroxisom-Proliferator-aktivierten Rezeptoren PPARα, PPARγ und PPARδ bindet und derzeit in klinischen Phase-3-Studien zur Behandlung von Steatohepatitis bei Patientinnen und Patienten mit metabolischer Dysfunktion getestet wird. Bisherige PPAR-Agonisten zeigen relevante kardiovaskuläre Nebenwirkungen, sodass die Entwicklung nebenwirkungsfreier und zugleich hochwirksamer PPAR-Agonisten von großem Interesse ist. „Unsere Leitfrage war: Wie lässt sich die Inkretin-Wirkung verstärken, ohne eine zweite, systemisch aktive Quelle für Nebenwirkungen zu schaffen?“, sagt Studienleiter Prof. Timo D. Müller (LMU München).


Das Prinzip des neuen Hybridwirkstoffs ist die gezielte Abgabe in Zellen, welche die Inkretinrezeptoren für GIP und GLP-1 auf ihrer Zelloberfläche haben. Der Inkretin-Teil öffne so die Tür, während die „Fracht“ erst in der Zielzelle wirke, so Müller. „Ein wesentlicher Vorteil ist dabei die Menge. Weil die zweite Komponente nicht separat und systemisch gegeben wird, sondern mit dem Inkretin-Teil ‚mitreist‘, kann sie in einer um Größenordnungen niedrigeren Dosis eingesetzt werden.“

Metabolische und kardiale Effekte im Mausmodell

In übergewichtigen und insulinresistenten Mäusen zeigte der neue Wirkstoff stärkere Effekte auf Körpergewicht, Nahrungsaufnahme und Hyperglykämie als ein dualer GLP-1-/GIP-Rezeptoragonist. Die Studienergebnisse lassen somit vermuten, dass die synergistische Inkretin- und PPAR-Wirkung des Quintupel-Agonisten ein erhebliches therapeutisches Potenzial bei der Behandlung von Adipositas und Diabetes besitzt.


Im Adipositasmausmodell wurden zudem positive Effekte des neuen Wirkstoffs auf die Herzfunktion beobachtet. So hatten übergewichtige Mäuse, die mit dem neuen Quintupel-Agonisten behandelt wurden, gegenüber dem dualen GLP-1-/GIP-Rezeptoragonisten eine noch stärkere Verbesserung der Ejektionsfraktion.

Übertragbarkeit auf den Menschen noch offen

Es bleibt abzuwarten, inwieweit diese vielversprechenden Erkenntnisse auf den Menschen übertragbar sind, auch weil sich der GIP-Rezeptor zwischen Maus und Mensch unterscheidet. „Wir sehen hier ein Prinzip mit großer Wirkung im Tiermodell – jetzt geht es darum, den Ansatz für den Menschen zu optimieren und Richtung Klinik zu bringen“, sagt Müller.

Key Facts der Studie

Das Ziel war die Entwicklung eines neuen Quintupel-Agonisten, der die Wirkung eines dualen GLP-1-/GIP-Rezeptoragonisten mit einer zusätzlichen PPAR-Aktivierung kombiniert, um die metabolische Wirksamkeit bei Adipositas und Typ-2-Diabetes zu verbessern.

Im Mausmodell reduzierte der neue Hybridwirkstoff Körpergewicht und Hyperglykämie stärker als ein dualer GLP-1/GIP-Rezeptoragonist. Zudem wurden Hinweise auf eine verbesserte Herzfunktion beobachtet.

Der Quintupel-Agonist könnte ein neuer Ansatz zur Behandlung kardiometabolischer Erkrankungen sein. Die Daten stammen jedoch bislang ausschließlich aus präklinischen Studien.

Referenzen

  1. Liskiewicz D, et al. GLP-1R-GIPR-PPARα/γ/δ quintuple agonism corrects obesity and diabetes in mice. Nature. Published online April 29, 2026. doi:10.1038/s41586-026-10427-5
  2. LMU München. Ein Molekül, zwei Effekte: Neuer Wirkstoff-Ansatz gegen Übergewicht und Typ-2-Diabetes. Pressemitteilung, 29.04.2026.

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