Der kardiogene Schock ist ein lebensbedrohlicher Zustand, der durch ein unzureichendes Herzzeitvolumen mit konsekutiver systemischer Minderperfusion und Multiorgandysfunktion gekennzeichnet ist. Trotz erheblicher Fortschritte in der Charakterisierung von Schockschwere, Risikomodifikatoren, Schockphänotypen und Therapiestrategien bleibt die Kurzzeitmortalität mit über 40 % weiterhin hoch.2,3
Aktuell zeigt sich eine Verschiebung der Epidemiologie: Der herzinsuffizienzbedingte kardiogene Schock macht mittlerweile mehr als die Hälfte aller Fälle aus und hat den infarktbedingten kardiogenen Schock überholt.
Während beim infarktbedingten kardiogenen Schock durch frühzeitige Revaskularisation und den Einsatz einer Impella CP in ausgewählten Patientengruppen Überlebensvorteile gezeigt werden konnten, fehlen für den herzinsuffizienzbedingten kardiogenen Schock bislang gezielte pharmakologische oder Device-basierte Therapiestrategien mit nachgewiesenem prognostischem Nutzen.4-6
Während der außerklinische Herzstillstand (Out-of-hospital cardiac arrest, OHCA) im infarktbedingten kardiogenen Schock als Risikomodifikator bereits intensiver untersucht wurde, ist seine Bedeutung beim herzinsuffizienzbedingten kardiogenen Schock bislang unzureichend verstanden. Ziel dieser Analyse war es daher, klinische Charakteristika und Outcomes einer Patientenkohorte mit herzinsuffizienzbedingtem kardiogenem Schock in Abhängigkeit vom Vorliegen eines OHCA zu untersuchen.
OHCA im herzinsuffizienzbedingten Schock: die Kohorte
Analysiert wurde eine multizentrische, internationale, retrospektive Registerkohorte von Patientinnen und Patienten mit herzinsuffizienzbedingtem kardiogenem Schock aus 16 tertiären Versorgungszentren in fünf europäischen Ländern (2011–2021).7
Unterschiede in den klinischen Charakteristika, der 30-Tage-Mortalität sowie intrahospitalen Komplikationen wurden zwischen Personen mit und ohne OHCA verglichen. Hierfür kamen logistische Regressionsmodelle und Cox-Regressionen zum Einsatz, adjustiert für Alter und Geschlecht.
Insgesamt wurden 1024 Patientinnen und Patienten mit herzinsuffizienzbedingtem kardiogenem Schock analysiert, von denen 395 (38,6 %) einen OHCA aufwiesen. Das mediane Alter betrug 64 Jahre, 71,8 % der Personen waren männlich. Das initiale Laktat lag bei 5 mmol/l, und die mediane linksventrikuläre Ejektionsfraktion betrug 20 %.
Klinisches Profil und Outcome mit und ohne OHCA im herzinsuffizienzbedingten Schock
Innerhalb der OHCA-Gruppe überwogen Personen mit einer de-novo-Herzinsuffizienz (59,0 %), während eine acute-on-chronic-Herzinsuffizienz in 41,0 % der Fälle vorlag. Der OHCA war mit höheren Laktatwerten während des Index-Events assoziiert. Zudem war das Vorliegen eines OHCA häufiger mit einer ischämischen Kardiomyopathie assoziiert.
Im klinischen Verlauf war das Vorliegen eines OHCA mit einer signifikant erhöhten 30-Tage-Mortalität assoziiert (57,2 % vs. 47,4 %; adjustierte Hazard Ratio 1,62; 95%KI [1,34–1,95]). Die Kaplan-Meier-Analyse zeigte eine früh einsetzende und persistierende Divergenz der Überlebenskurven zugunsten der Teilnehmenden ohne OHCA. Ein hypoxischer Hirnschaden trat bei Personen mit OHCA deutlich häufiger auf (17,3 % vs. 1,0 %; p<0,001). Andere intrahospitale Komplikationen, einschließlich Blutungen, Sepsis, Schlaganfällen und ischämischen Ereignissen, unterschieden sich hingegen nicht wesentlich zwischen den Gruppen.
Aufgrund des retrospektiven Registerdesigns besteht u. a. eine Anfälligkeit für Confounding und Selektionsbias. Innerhalb der OHCA-Gruppe kann sich sich eine zusätzliche Heterogenität durch unzureichende Informationen zur Reanimationsdauer und zu No-flow-Zeiten mit potenziellem Einfluss auf die klinischen Endpunkte ergeben.
Fazit und Ausblick
In dieser multizentrischen Kohorte von Patientinnen und Patienten mit herzinsuffizienzbedingtem kardiogenem Schock zeigte sich, dass OHCA häufiger mit einer de-novo-Herzinsuffizienz und einer initial ausgeprägteren Hypoperfusion assoziiert war. Zudem war das Vorliegen eines OHCA mit einer signifikant erhöhten Kurzzeitmortalität sowie einer deutlich erhöhten Rate hypoxischer Hirnschädigungen assoziiert, während andere intrahospitale Komplikationen vergleichbar blieben.
Zusammenfassend unterstreichen diese Ergebnisse die Bedeutung des OHCA als potenziell klinisch relevanten Risikomodifikator beim herzinsuffizienzbedingten kardiogenen Schock. Somit könnte der OHCA im herzinsuffizienzbedingten kardiogenen Schock bei der Konzeption zukünftiger klinischer Studien im Hinblick auf Patientenselektion und Risikostratifizierung eine wichtige Rolle spielen.
Weitere Analysen sollten darauf abzielen, die heterogene Kohorte des herzinsuffizienzbedingten kardiogenen Schocks tiefergehend zu charakterisieren. Zudem sollte untersucht werden, inwieweit nicht das Vorliegen eines OHCA per se, sondern die damit verbundenen Umstände den klinischen Verlauf und das Risiko hypoxischer Hirnschädigungen Outcome-relevant determinieren.
Zur Person
Dr. Jonas Sundermeyer
Dr. Jonas Sundermeyer ist Assistenzarzt und wissenschaftlicher Mitarbeiter am Universitären Herz- und Gefäßzentrum des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf. Seine Forschungsschwerpunkte liegen insbesondere im kardiogenen Schock und in der akuten Herzinsuffizienz der AG Schrage. Er absolvierte ein Postdoctoral Research Fellowship in der Cardiogenic Shock Working Group (CSWG) in Boston.
Key Facts der Studie
Untersuchung von Charakteristika und Prognose bei herzinsuffizienzbedingtem kardiogenem Schock in Abhängigkeit vom Vorliegen eines OHCA.
OHCA war mit stärkerer Hypoperfusion und dem Auftreten einer de-novo Herzinsuffizienz assoziiert. Patientinnen und Patienten mit herzinsuffizienzbedingtem kardiogenem Schock und OHCA wiesen eine erhöhte Kurzzeitmortalität sowie eine höhere Rate hypoxischer Hirnschäden auf.
Diese Ergebnisse legen nahe, dass OHCA das Outcome beim herzinsuffizienzbedingten kardiogenen Schock signifikant beeinflussen könnte und bei zukünftigen Studiendesigns berücksichtigt werden sollte.
Referenzen
- Sundermeyer J, Kellner C, Beer B, et al. Out-of-hospital cardiac arrest in patients with heart failure-related cardiogenic shock. Postervortrag, 09.04.2026, Mannheim, DGK-Jahrestagung 2026.
- McDonagh TA, Metra M, Adamo M, et al. 2021 ESC Guidelines for the diagnosis and treatment of acute and chronic heart failureDeveloped by the Task Force for the diagnosis and treatment of acute and chronic heart failure of the European Society of Cardiology (ESC) With the special contribution of the Heart Failure Association (HFA) of the ESC. Eur Heart J. 2021;42(36):3599-3726. doi:10.1093/EURHEARTJ/EHAB368
- Naidu SS, Baran DA, Jentzer JC, et al. SCAI SHOCK Stage Classification Expert Consensus Update: A Review and Incorporation of Validation Studies: This statement was endorsed by the American College of Cardiology (ACC), American College of Emergency Physicians (ACEP), American Heart Association. J Am Coll Cardiol. 2022;79(9):933-946. doi:10.1016/j.jacc.2022.01.018
- Møller JE, Engstrøm T, Jensen LO, et al. Microaxial Flow Pump or Standard Care in Infarct-Related Cardiogenic Shock. N Engl J Med. 2024;390(15):1382-1393. doi:10.1056/nejmoa2312572
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- Schrage B, Sundermeyer J, Beer BN, et al. Use of mechanical circulatory support in patients with non-ischaemic cardiogenic shock. Eur J Heart Fail. 2023;25(4):562-572. doi:10.1002/ejhf.2796
- Sundermeyer J, Kellner C, Beer BN, et al. Clinical presentation, shock severity and mortality in patients with de novo versus acute-on-chronic heart failure-related cardiogenic shock. Eur J Heart Fail. 2024;26(2):432-444. doi:10.1002/ejhf.3082