Für diese Studie wurden Daten aus dem Bremer STEMI-Register ausgewertet. Dabei wurden alle Patientinnen und Patienten mit ST-Hebungsinfarkt (STEMI), welche zwischen 2006 und 2022 stationär am Herzzentrum am Klinikum Links der Weser in Bremen behandelt wurden, eingeschlossen. Der Vergleich der Mortalität nach STEMI zwischen Männern und Frauen erfolgte für das Gesamtkollektiv und für fünf vorher festgelegte Altersgruppen (≤50 Jahre, 51–60 Jahre, 61–70 Jahre, 71–80 Jahre, >80 Jahre). Der Vergleich erfolgte dabei in einer univariaten Analyse und in einer multivariat adjustierten Cox-Regressionsanalyse.
In dieser Studie wurden Daten von 12.094 Patientinnen und Patienten mit STEMI ausgewertet. Davon waren 3.344 (27,6 %) weiblich und 8.750 (72,4 %) männlich. Frauen waren im Schnitt 7,6 Jahre älter als Männer zum Zeitpunkt des Indexereignisses (69,8±13 Jahre vs. 62,2±12 Jahre) und zeigten eine erhöhte 30-Tages-Mortalität (15,3 % vs. 9,6 %, p<0,01) und 5-Jahres-Mortalität (33,8 % vs. 22,2 %, p<0,01). Gleichzeitig war die Rate von Patientinnen und Patienten ohne Brustschmerzen bei Frauen höher (11,9 % vs. 8,5 %, p<0,01), wobei die Rate von subakuten Infarkten sich nicht unterschied („late presentations“: 12,8 % vs. 11,9 %, p=0,15). In einer altersstratifizierten Analyse zeigte sich, dass die Übersterblichkeit für Frauen nur bei jungen Personen (≤50 Jahre: 7,3 % vs. 3,7 %, p<0,01) und bei sehr alten Infarktpatientinnen und -patienten (>80 Jahre, 31,1 % vs. 25,7 %, p=0,047) nachweisbar war, während sich für Personen zwischen 51 und 80 Jahren kein Mortalitätsunterschied zwischen Frauen und Männern zeigte. Der Anteil der Patientinnen und Patienten zwischen 51–80 Jahren am Gesamtkollektiv war dabei 72 %. Dieses Ergebnis, dass eine Übersterblichkeit für Frauen nur bei sehr jungen und sehr alten Infarktpatientinnen evident war, bestätigte sich in einer multivariat adjustierten Cox-Regressionsanalyse (siehe Abbildung).
Dies sind Ergebnisse aus einer monozentrischen Beobachtungsstudie. Aufgrund der Größe der Stichprobe kann aber insgesamt von einer Validität der Ergebnisse ausgegangen werden. Trotzdem wäre sicherlich eine Bestätigung der Ergebnisse anhand von multizentrischen größeren Datenbanken erstrebenswert.
Frauen mit ST-Hebungsinfarkt haben im Vergleich zu Männern eine höhere 30-Tages- und 5-Jahres-Mortalität, jedoch sind sie im Mittel zum Zeitpunkt des Indexereignisses fast acht Jahre älter. In einer alterstratifizierten Analyse zeigt sich dann, dass bei mehr als zwei Drittel der Infarktpatientinnen und -patienten, nämlich für alle zwischen 51 und 80 Jahren, Frauen keine erhöhten Mortalitätsraten aufwiesen. Nur für sehr junge und alte Infarktpatientinnen und -patienten war weibliches Geschlecht mit einer signifikant höheren 30-Tages-Mortalität assoziiert.
Die lang überlieferte Annahme, dass weibliches Geschlecht per se mit einer erhöhten Mortalität nach Myokardinfarkt assoziiert ist, muss bei Patientinnen und Patienten mit ST-Hebungsinfarkten dahingehend korrigiert werden, dass der Einfluss des Patientenalters möglicherweise bisher unterschätzt wurde.2,3 In einer nach dem Alter stratifizierten Auswertung zeigte sich, dass die zugrundliegenden Mechanismen von Mortalitätsunterschieden zwischen den Geschlechtern doch komplexer scheinen als bisher angenommen und nur für bestimmte Altersgruppen überhaupt ein Unterschied in der Gesamtmortalität zwischen den Geschlechtern nachweisbar war. Mögliche Gründe für die verbliebene Übersterblichkeit von Frauen in bestimmten Altersgruppen bedürfen einer separaten eingehenderen Analyse.