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Geschlechterunterschiede in der STEMI-Mortalität nach Alter

DGK-Jahrestagung 2026 | Postervortrag: In der allgemeinen Wahrnehmung wird für Frauen nach Myokardinfarkt häufig eine höhere Sterblichkeit im Vergleich zu Männern angenommen, wobei oft nicht berücksichtigt wird, dass Frauen zum Zeitpunkt des Infarktes im Schnitt älter sind. Aktuelle Daten aus dem STEMI-Register in Bremen zeigen nun in einer alterstratifizierten Auswertung, dass die Übersterblichkeit für Frauen nur bei sehr jungen und älteren Personen nachweisbar war, während bei mehr als zwei Drittel der Infarktpatientinnen und -patienten kein Mortalitätsunterschied zwischen den Geschlechtern gezeigt werden konnte.

 

Dr. Johannes Schmucker (Klinikum Bremen-Mitte) präsentierte die Studiendaten und fasst die Ergebnisse im Folgenden zusammen.1

Von:

Dr. Johannes Schmucker

Klinikum Bremen-Mitte

 

17.04.2026

Bildquelle (Bild oben): m:con / Ben van Skyhawk

Studiendesign

Für diese Studie wurden Daten aus dem Bremer STEMI-Register ausgewertet. Dabei wurden alle Patientinnen und Patienten mit ST-Hebungsinfarkt (STEMI), welche zwischen 2006 und 2022 stationär am Herzzentrum am Klinikum Links der Weser in Bremen behandelt wurden, eingeschlossen. Der Vergleich der Mortalität nach STEMI zwischen Männern und Frauen erfolgte für das Gesamtkollektiv und für fünf vorher festgelegte Altersgruppen (≤50 Jahre, 51–60 Jahre, 61–70 Jahre, 71–80 Jahre, >80 Jahre). Der Vergleich erfolgte dabei in einer univariaten Analyse und in einer multivariat adjustierten Cox-Regressionsanalyse. 

Ergebnisse

In dieser Studie wurden Daten von 12.094 Patientinnen und Patienten mit STEMI ausgewertet. Davon waren 3.344 (27,6 %) weiblich und 8.750 (72,4 %) männlich. Frauen waren im Schnitt 7,6 Jahre älter als Männer zum Zeitpunkt des Indexereignisses (69,8±13 Jahre vs. 62,2±12 Jahre) und zeigten eine erhöhte 30-Tages-Mortalität (15,3 % vs. 9,6 %, p<0,01) und 5-Jahres-Mortalität (33,8 % vs. 22,2 %, p<0,01). Gleichzeitig war die Rate von Patientinnen und Patienten ohne Brustschmerzen bei Frauen höher (11,9 % vs. 8,5 %, p<0,01), wobei die Rate von subakuten Infarkten sich nicht unterschied („late presentations“: 12,8 % vs. 11,9 %, p=0,15). In einer altersstratifizierten Analyse zeigte sich, dass die Übersterblichkeit für Frauen nur bei jungen Personen (≤50 Jahre: 7,3 % vs. 3,7 %, p<0,01) und bei sehr alten Infarktpatientinnen und -patienten (>80 Jahre, 31,1 % vs. 25,7 %, p=0,047) nachweisbar war, während sich für Personen zwischen 51 und 80 Jahren kein Mortalitätsunterschied zwischen Frauen und Männern zeigte. Der Anteil der Patientinnen und Patienten zwischen 51–80 Jahren am Gesamtkollektiv war dabei 72 %. Dieses Ergebnis, dass eine Übersterblichkeit für Frauen nur bei sehr jungen und sehr alten Infarktpatientinnen evident war, bestätigte sich in einer multivariat adjustierten Cox-Regressionsanalyse (siehe Abbildung).

 

Dies sind Ergebnisse aus einer monozentrischen Beobachtungsstudie. Aufgrund der Größe der Stichprobe kann aber insgesamt von einer Validität der Ergebnisse ausgegangen werden. Trotzdem wäre sicherlich eine Bestätigung der Ergebnisse anhand von multizentrischen größeren Datenbanken erstrebenswert.

Geschlechterunterschiede in der STEMI-Mortalität nach Alter

Fazit & Kommentar

Frauen mit ST-Hebungsinfarkt haben im Vergleich zu Männern eine höhere 30-Tages- und 5-Jahres-Mortalität, jedoch sind sie im Mittel zum Zeitpunkt des Indexereignisses fast acht Jahre älter. In einer alterstratifizierten Analyse zeigt sich dann, dass bei mehr als zwei Drittel der Infarktpatientinnen und -patienten, nämlich für alle zwischen 51 und 80 Jahren, Frauen keine erhöhten Mortalitätsraten aufwiesen. Nur für sehr junge und alte Infarktpatientinnen und -patienten war weibliches Geschlecht mit einer signifikant höheren 30-Tages-Mortalität assoziiert.

 

Die lang überlieferte Annahme, dass weibliches Geschlecht per se mit einer erhöhten Mortalität nach Myokardinfarkt assoziiert ist, muss bei Patientinnen und Patienten mit ST-Hebungsinfarkten dahingehend korrigiert werden, dass der Einfluss des Patientenalters möglicherweise bisher unterschätzt wurde.2,3 In einer nach dem Alter stratifizierten Auswertung zeigte sich, dass die zugrundliegenden Mechanismen von Mortalitätsunterschieden zwischen den Geschlechtern doch komplexer scheinen als bisher angenommen und nur für bestimmte Altersgruppen überhaupt ein Unterschied in der Gesamtmortalität zwischen den Geschlechtern nachweisbar war. Mögliche Gründe für die verbliebene Übersterblichkeit von Frauen in bestimmten Altersgruppen bedürfen einer separaten eingehenderen Analyse.

Zur Person

Dr. Johannes Schmucker

Dr. Johannes Schmucker ist Sektionsleiter Kardiologie am Standort Klinikum Bremen-Mitte und wissenschaftlicher Mitarbeiter am Bremer Institut für Herz- und Kreislaufforschung.
Dr. Johannes Schmucker

Key Facts der Studie

Ziel der Studie war, zu überprüfen, ob eine Übersterblichkeit von Frauen nach Myokardinfarkt (STEMI) für alle Altersgruppen galt. 

Eine Übersterblichkeit von Frauen war nur bei jungen (≤50 Jahre) und bei älteren Infarktpatientinnen und -patienten (>80 Jahre) nachweisbar. Für 72 % der Infarktpatientinnen und -patienten – nämlich für alle im Alter zwischen 51 und 80 Jahren zum Zeitpunkt des Infarktes – war keine Übersterblichkeit für Frauen evident.

Die aktuellen Daten widersprechen der verbreiteten Annahme, dass Frauen unabhängig vom Lebensalter eine höhere Mortalität nach Myokardinfarkt haben. Bei mehr als zwei Drittel der Infarktpatientinnen und -patienten war kein Mortalitätsunterschied zwischen Frauen und Männern erkennbar. Für die Altersgruppen, bei denen Frauen eine höhere Mortalität aufwiesen – also den sehr jungen und den alten Infarktpatientinnen und -patienten – bedarf es separater Analysen, um mögliche Ursachen hierfür differenziert herauszuarbeiten.

Referenzen

  1. Schmucker J, Fach A, Osteresch R, et al. Comparison of age stratified short- and long term-mortality rates between women and men with ST-elevation-myocardial infarctions. Postervortrag, 09.04.2026, Mannheim, DGK-Jahrestagung 2026.
  2. Manzo-Silberman S, Hawranek M, Banerjee S, et al. Call to action for acute myocardial infarction in women: international multi-disciplinary practical roadmap. Eur Heart J Open. 2024;4(6):oeae087. doi:10.1093/ehjopen/oeae087.
  3. Mehta LS, Beckie TM, DeVon HA, et al. Acute myocardial infarction in women: a scientific statement from the AHA. Circulation. 2016;133(9):916-947. doi:10.1161/CIR.0000000000000351.

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