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Internationale Herzgesellschaften vereint gegen Umweltrisiken

In einem gemeinsamen Statement betonen die European Society of Cardiology (ESC), das American College of Cardiology (ACC), die American Heart Association (AHA) und die World Heart Federation (WHF) die Bedeutung von Umweltrisiken für die Herzgesundheit und fordern die Politik zu einem entschiedenen Handeln auf.1

Von:

Max Hendriks

HERZMEDIZIN-Redaktion

 

20.01.2026

Bildquelle (Bild oben): Sorapop Udomsri / Shutterstock.com

Erstmals haben die weltweit führenden kardiologischen Fachgesellschaften ESC, ACC, AHA und WHF ein gemeinsames Statement verfasst und fordern dringende Maßnahmen zur Herzgesundheit angesichts von Gefahren für die Herzgesundheit durch Umweltfaktoren. Die gemeinsame Erklärung stellt eine einheitliche globale Absichtserklärung dar, den Umweltschutz stärker in den Mittelpunkt der Prävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu stellen.

Umweltfaktoren im Fokus

Das Statement befasst sich mit verschiedenen Umweltfaktoren: Luft- und Lichtverschmutzung, Verkehrs-, Flug- und Industrielärm, chemische Schadstoffe, Plastik sowie klimabedingte Extremereignisse. Deren Auswirkungen auf die Herzgesundheit werde immer noch unterschätzt.

 

Schätzungen gehen aktuell weltweit von bis zu 4–6 Millionen kardiovaskulären Todesfällen pro Jahr aus, die auf Umweltbelastungen zurückgeführt werden können. Von den rund 20,5 Millionen jährlichen globalen Herz-Kreislauf-Todesfällen wäre demnach jeder vierte bis fünfte Fall umweltbedingt.

Fachgesellschaften unterstreichen Notwendigkeit

Prof. Thomas Münzel, Erstautor des Statements und Kardiologe an der Universitätsmedizin Mainz, erläutert: „Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind weiterhin die häufigste Todesursache weltweit – und Umweltstressoren wirken dabei als stille Beschleuniger. Saubere Luft, leisere Städte und ein stabiles Klima sind keine reinen Umweltziele, sondern essenzielle Voraussetzungen für eine wirksame Herzprävention.“

 

Das Herz existiere nicht isoliert, sondern schlage in einem ökologischen Umfeld, macht ESC-Präsident Prof. Thomas Lüscher deutlich. Umweltbelastungen müssten in der kardiovaskulären Prävention denselben Stellenwert erhalten wie Rauchen, Bluthochdruck oder Diabetes, fordert der Mitautor der Publikation.

 

Dr. Christopher Kramer, sein Amtskollege beim ACC, unterstreicht die Dringlichkeit der Thematik und betont, die wissenschaftliche Evidenz zu den gesundheitlichen Folgen von Luftverschmutzung, Lärm und Hitze sei eindeutig. Jetzt sei der Zeitpunkt zu handeln, um die weltweite Krankheitslast durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen nachhaltig zu senken.

Handlungsfelder und Forderungen

Das Statement stellt dabei 6 zentrale Bausteine in den Mittelpunkt:

 

  • Politische Abstimmung auf globaler Ebene, die umweltbedingten Risiken auf die Herz-Kreislauf-Gesundheit priorisiert
  • Gezielte Investitionen in die Forschung zu den Auswirkungen von Umweltfaktoren auf die Herzgesundheit
  • Aufklärung und Sensibilisierung von medizinischem Fachpersonal und Öffentlichkeit
  • Gesundheitsorientierte Stadtplanung mit Maßnahmen zur Förderung von umweltfreundlichen Verkehrsmitteln, Grünflächen und Lärmschutz
  • Nachhaltigere medizinische Versorgung zur Reduzierung von Emissionen und Umweltverschmutzung im Gesundheitswesen
  • Klimaresiliente Versorgungsstrukturen zum Schutz gefährdeter Bevölkerungsgruppen

 

Da besonders sozial benachteiligte Bevölkerungsgruppen sowie Länder mit niedrigem und mittlerem Einkommen überproportional unter Umweltverschmutzung und Klimafolgen leiden, fordern die Autorinnen und Autoren koordinierte, mutige politische Maßnahmen zur wirksamen Reduzierung individueller und gesellschaftlicher Umweltbelastungen. 

 

Die klare Zielsetzung des Statements lautet: Durch die Bekämpfung der Ursachen von Umweltstressoren lassen sich Herz-Kreislauf-Erkrankungen wirksam reduzieren und gesündere, gerechtere und nachhaltigere Gesellschaften schaffen.

Take-aways

  • ESC, ACC, AHA und WHF haben erstmals eine gemeinsame Erklärung veröffentlicht; sie fordern entschlossene Maßnahmen gegen schädliche Umwelteinflüsse als bedeutende Ursache für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
  • Zu den Umweltrisikofaktoren, die sich auf die Herz-Kreislauf-Gesundheit auswirken, gehören Luft- und Lichtverschmutzung, Verkehr, Flug- und Industrielärm, Schadstoff, Plastik-Kontamination und die verschiedenen Auswirkungen des Klimawandels, wie z. B. extreme Hitze.
  • Es sind regulatorische und politische Maßnahmen erforderlich, um die Auswirkungen auf die Gesundheit zu minimieren, insbesondere bei sozial benachteiligten Bevölkerungsgruppen, die oft am stärksten darunter leiden.

Referenzen

  1. Münzel T, Lüscher T, Kramer CM et al. Environmental stressors and cardiovascular health: a statement of the European Society of Cardiology, the American College of Cardiology, the American Heart Association, and the World Heart Federation. Eur Heart J. 2026. https://doi.org/10.1093/eurheartj/ehaf915
  2. ESC-Pressemitteilung, 20.01.2026. Global societies unite to address environmental threats to heart health.

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