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Quick Dive: Überarbeitung des Curriculums Kardiologie

In unserer Reihe "Quick Dive" stellen die Autorinnen und Autoren von Publikationen medizinischer Fachgesellschaften prägnant die wichtigsten Hintergründe und Inhalte der jeweiligen Veröffentlichung vor. Dieses Mal wird eingetaucht in das:

Curriculum Kardiologie

Aus der DGK-Akademie

18.02.2026 | Verfasst von: J. Bauersachs · B. Aßmus · S. Baldus · H. Billig · P. Breitbart · C. M. Bongarth · M. Buerke · G. P. Diller · O. Dörr · R. Dörr · D. Duncker · L. Eckardt · A. Elsässer · W. A. Fach · F. A. Flachskampf · S. Frantz · M. Gabelmann · R. Griebenow · S. Heinemann-Meerz · C. Jung · S. Kääb · I. Kindermann · G. Korosoglou · L. H. Lehmann · C. Lerchenmüller · P. Lugenbiel · F. Mahfoud · G. Michels · U. Muller-Werdan · O. Oldenburg · S. Rosenkranz · W. Rottbauer · T. Rudolph · K. Rybak · S. Sack · B. Schmidt · R. Schnabel · N. Smetak · H. Thiele · C. Tiefenbacher · C. Waller · S. Blankenberg · N. Frey

Von:

Melissa Wilke

DGK-Redaktion

 

07.04.2026

Bildquelle (Bild oben): vovan / Shutterstock.com

Fragen an den Erstautor

Prof. Dr. Johann Bauersachs, Medizinische Hochschule Hannover

Was sind Anlass und Ziel der Publikation?

 

Die Überarbeitung und Aktualisierung des Curriculums Kardiologie, welches zuletzt 2020 in einer 2. Auflage erschienen ist. 

 

An wen richtet sich das Curriculum?

 

Primär an die Weiterzubildenden zum Facharzt/Fachärztin für Innere Medizin und Kardiologie. Es definiert und kategorisiert die notwendigen praktischen Fähigkeiten für eine optimale Versorgung kardiovaskulär erkrankter Patientinnen und Patienten.

 

Das Curriculum repräsentiert zudem die Position und das Verständnis der DGK hinsichtlich Expertise, Kenntnissen, Fertigkeiten und auch Berufsethos künftiger Kardiologinnen und Kardiologen, gerade in den aktuellen Diskussionen bzgl. der neuen Muster-Weiterbildungsordnung mit den Ärztekammern.  

 

Welche inhaltlichen Schwerpunkte werden gesetzt? 

 

Das Curriculum dokumentiert die aktuell relevanten kardiologischen Themen und Lerninhalte und gibt einen Überblick über das gesamte Fach sowie seine Schwerpunkte und Spezialisierungen.

 

Was sind die wichtigsten Neuerungen?

 

Hinzugekommen ist ein eigenes Kapitel „Digitale Kardiologie“, welches die stürmische Entwicklung in diesem Bereich abbildet.

 

Außerdem ist die Kompetenz der Kardiologen in der kardialen Bildgebung essentiell. Nur die „multimodale“ Vernetzung der kardialen Bildgebung mit den Säulen „Echokardiographie“, „Magnetresonanztomographie“, „Computertomographie“ und „Nuklearkardiologie“ mit der klinischen Kompetenz erlaubt eine optimale Behandlung der Herzpatienten. 

 

Welche Themen werden im neuen Kapitel „Digitale Kardiologie“ vermittelt?

 

Der Bedarf der Kardiologinnen und Kardiologen an neuer Medienkompetenz durch die Schnelligkeit und die breite Verfügbarkeit der Inhalte einschließlich digitaler Fortbildungsangebote. Kritische Interpretation von KI-Forschung, sorgfältige Beobachtung und Umgang mit den weiteren Entwicklungen der KI.

 

Kenntnisse in der digitalen Medizin betreffen die Digitalisierung des Gesundheitssystems, z.B die elektronische Patientenakte, „Apps“ zur Diagnostik und Therapiesteuerung, Zunahme Patienten-zentrierter Medizin und neue Möglichkeiten der Verarbeitung großer Datenmengen („big data“).

 

Was ist der größte Mehrwert, den das Curriculum für Patientinnen und Patienten schafft? 

 

Der größte Mehrwert ist die Definition der aktuell notwendigen praktischen Fähigkeiten für eine optimale Versorgung kardiovaskulär erkrankter Patientinnen und Patienten durch Fachärztinnen und Fachärzte für Innere Medizin und Kardiologie bezüglich Expertise, Kenntnissen und Fertigkeiten sowie das Berufsethos künftiger Kardiologinnen und Kardiologen.

 

Wie ist das Curriculum strukturiert – (Zeiten, Blöcke)?

 

Die Weiterbildungszeit für Innere Medizin und Kardiologie beträgt laut der aktuellen Weiterbildungsordnung 72 Monate. Davon müssen 36 Monate in Kardiologie abgeleistet werden, 24 Monate davon in der stationären Patientenversorgung. Zudem müssen 24 Monate in mindestens zwei anderen Facharztkompetenzen der Inneren Medizin abgeleistet werden sowie je 6 Monate in der Notfallaufnahme und der Intensivmedizin. 

 

Bezüglich der Kardiologie betont das Curriculum eine je 6-monatige Weiterbildung in Echokardiographie und in der invasiven Kardiologie inkl. Rhythmologie. Zu berücksichtigen sind weiterhin Tätigkeiten in einer kardiologischen Ambulanz, im kardiologischen Funktionslabor sowie in der Kardio-MRT-/Kardio-CT-Weiterbildung. 

 

Gibt es Überschneidungen mit internationalen Standards?

 

Die in diesem DGK Curriculum aufgeführten Weiterbildungsinhalte lehnen sich an das „Core Curriculum for the General Cardiologist (2020)“ der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie (ESC) und der Europäischen Vereinigung der Fachärzte (UEMS) an. Es werden aber auch abweichende Einschätzungen der DGK berücksichtigt, um spezifische Aspekte der Kardiologie bzw. der Organisation der Weiterbildung in Deutschland einzubeziehen.

 

Ausblick: Welche Entwicklungen zeichnen sich ab?

 

Generell wird international und in Deutschland in der Weiterbildung immer mehr Wert auf Kompetenzen als auf reine abzuleistende Zahlen gelegt. Bei denjenigen Weiterbildungsinhalten, bei denen Mindestzahlen von der DGK für erforderlich angesehen werden, sind diese in den Tabellen des aktualisierten Curriculums angegeben.

 

In der Abstimmung der neuen Muster-Weiterbildungsordnung der Bundesärztekammer steht eine Verkürzung der Weiterbildung Innere und Kardiologie auf 5 Jahre zur Diskussion, diese ist jedoch zum aktuellen Zeitpunkt noch nicht abgeschlossen.  Außerdem wird durch die zunehmende Ambulantisierung der Medizin, auch der Kardiologie, mehr Weiterbildungszeit im ambulanten Bereich abgeleistet werden können.

Weiter zur vorgestellten Publikation:

Curriculum Kardiologie

Bauersachs, J., Aßmus, B., Baldus, S. et al. 

Curriculum Kardiologie.

Kardiologie (2026)

https://doi.org/10.1007/s12181-026-00806-7

Zur Person

Prof. Dr. Johann Bauersachs

Prof. Johann Bauersachs ist seit 2010 Direktor und W3-Professor der Klinik für Kardiologie und Angiologie an der Medizinischen Hochschule Hannover. Seine Tätigkeitsschwerpunkte umfassen insbesondere akutes Koronarsyndrom, linksventrikuläre Heilung und Remodeling, akute und chronische Herzinsuffizienz sowie Intensivmedizin.
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Kurzinfo: Die Formate der DGK-Publikationen

Leitlinien sind für Ärztinnen und Ärzte eine wichtige Stütze im klinischen Alltag, um ihre Patientinnen und Patienten nach neuestem Stand der Wissenschaft bestmöglich zu behandeln. Dabei dienen die Leitlinien als verlässliche Handlungsempfehlungen in spezifischen Situationen.

Pocket-Leitlinien sind Leitlinien in kompakter, praxisorientierter Form. Bei Übersetzungen von Pocket-Leitlinien der ESC werden alle Empfehlungsklassen und Evidenzgrade der Langfassung übernommen.

Master Pocket-Leitlinien stellen eine Zusammenfassung der wichtigsten Aspekte der Leitlinienempfehlungen in Form von grafischen Diagnose- und Therapiealgorithmen dar. Als Quelle der Empfehlungen dienen dabei vorwiegend die nach strengen wissenschaftlichen Kriterien erstellten Leitlinien der European Society of Cardiology (ESC) sowie deren deutsche Übersetzung durch die DGK.

CardioCards behandeln im Wesentlichen Themen der Diagnostik und Akuttherapie für den ambulanten Bereich. Hier werden die essenziellen Informationen von Leitlinien komprimiert und übersichtlich zusammengefasst.

Kommentare beinhalten Hinweise, wie sich die neuen von den alten Leitlinien unterscheiden, Hinweise auf wesentliche Neuerungen, die seit dem Erscheinen der ESC-Leitlinien bekannt geworden sind, Diskussion kontroverser Empfehlungen in den ESC-Leitlinien sowie Möglichkeiten und Grenzen der Leitlinienumsetzung im Bereich des deutschen Gesundheitswesens.

Ein Positionspapier behandelt eine Fragestellung von großem allgemeinen Interesse, für die keine aktuelle Leitlinie vorliegt.

Bei einem Konsensuspapier handelt es sich um ein von mehreren Fachgesellschaften getragenes Statement.

Diese Veröffentlichungen enthalten Empfehlungen einer DGK-Arbeitsgruppe zu einer speziellen Frage von großem Interesse.

Stellungnahmen der DGK beziehen sich auf gesundheitspolitische Fragestellungen und erfolgen durch den Vorstand, gemeinsam mit Kommissionen und Projektgruppen. Sofern möglich und sinnvoll, werden auch Fachgesellschaft-übergreifende Stellungnahmen ausgearbeitet.

Ein Manual ist eine praktisch orientierte Expertenempfehlung für wesentliche kardiovaskuläre Prozeduren.

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