Was sind Anlass und Ziel der Publikation?
Die Überarbeitung und Aktualisierung des Curriculums Kardiologie, welches zuletzt 2020 in einer 2. Auflage erschienen ist.
An wen richtet sich das Curriculum?
Primär an die Weiterzubildenden zum Facharzt/Fachärztin für Innere Medizin und Kardiologie. Es definiert und kategorisiert die notwendigen praktischen Fähigkeiten für eine optimale Versorgung kardiovaskulär erkrankter Patientinnen und Patienten.
Das Curriculum repräsentiert zudem die Position und das Verständnis der DGK hinsichtlich Expertise, Kenntnissen, Fertigkeiten und auch Berufsethos künftiger Kardiologinnen und Kardiologen, gerade in den aktuellen Diskussionen bzgl. der neuen Muster-Weiterbildungsordnung mit den Ärztekammern.
Welche inhaltlichen Schwerpunkte werden gesetzt?
Das Curriculum dokumentiert die aktuell relevanten kardiologischen Themen und Lerninhalte und gibt einen Überblick über das gesamte Fach sowie seine Schwerpunkte und Spezialisierungen.
Was sind die wichtigsten Neuerungen?
Hinzugekommen ist ein eigenes Kapitel „Digitale Kardiologie“, welches die stürmische Entwicklung in diesem Bereich abbildet.
Außerdem ist die Kompetenz der Kardiologen in der kardialen Bildgebung essentiell. Nur die „multimodale“ Vernetzung der kardialen Bildgebung mit den Säulen „Echokardiographie“, „Magnetresonanztomographie“, „Computertomographie“ und „Nuklearkardiologie“ mit der klinischen Kompetenz erlaubt eine optimale Behandlung der Herzpatienten.
Welche Themen werden im neuen Kapitel „Digitale Kardiologie“ vermittelt?
Der Bedarf der Kardiologinnen und Kardiologen an neuer Medienkompetenz durch die Schnelligkeit und die breite Verfügbarkeit der Inhalte einschließlich digitaler Fortbildungsangebote. Kritische Interpretation von KI-Forschung, sorgfältige Beobachtung und Umgang mit den weiteren Entwicklungen der KI.
Kenntnisse in der digitalen Medizin betreffen die Digitalisierung des Gesundheitssystems, z.B die elektronische Patientenakte, „Apps“ zur Diagnostik und Therapiesteuerung, Zunahme Patienten-zentrierter Medizin und neue Möglichkeiten der Verarbeitung großer Datenmengen („big data“).
Was ist der größte Mehrwert, den das Curriculum für Patientinnen und Patienten schafft?
Der größte Mehrwert ist die Definition der aktuell notwendigen praktischen Fähigkeiten für eine optimale Versorgung kardiovaskulär erkrankter Patientinnen und Patienten durch Fachärztinnen und Fachärzte für Innere Medizin und Kardiologie bezüglich Expertise, Kenntnissen und Fertigkeiten sowie das Berufsethos künftiger Kardiologinnen und Kardiologen.
Wie ist das Curriculum strukturiert – (Zeiten, Blöcke)?
Die Weiterbildungszeit für Innere Medizin und Kardiologie beträgt laut der aktuellen Weiterbildungsordnung 72 Monate. Davon müssen 36 Monate in Kardiologie abgeleistet werden, 24 Monate davon in der stationären Patientenversorgung. Zudem müssen 24 Monate in mindestens zwei anderen Facharztkompetenzen der Inneren Medizin abgeleistet werden sowie je 6 Monate in der Notfallaufnahme und der Intensivmedizin.
Bezüglich der Kardiologie betont das Curriculum eine je 6-monatige Weiterbildung in Echokardiographie und in der invasiven Kardiologie inkl. Rhythmologie. Zu berücksichtigen sind weiterhin Tätigkeiten in einer kardiologischen Ambulanz, im kardiologischen Funktionslabor sowie in der Kardio-MRT-/Kardio-CT-Weiterbildung.
Gibt es Überschneidungen mit internationalen Standards?
Die in diesem DGK Curriculum aufgeführten Weiterbildungsinhalte lehnen sich an das „Core Curriculum for the General Cardiologist (2020)“ der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie (ESC) und der Europäischen Vereinigung der Fachärzte (UEMS) an. Es werden aber auch abweichende Einschätzungen der DGK berücksichtigt, um spezifische Aspekte der Kardiologie bzw. der Organisation der Weiterbildung in Deutschland einzubeziehen.
Ausblick: Welche Entwicklungen zeichnen sich ab?
Generell wird international und in Deutschland in der Weiterbildung immer mehr Wert auf Kompetenzen als auf reine abzuleistende Zahlen gelegt. Bei denjenigen Weiterbildungsinhalten, bei denen Mindestzahlen von der DGK für erforderlich angesehen werden, sind diese in den Tabellen des aktualisierten Curriculums angegeben.
In der Abstimmung der neuen Muster-Weiterbildungsordnung der Bundesärztekammer steht eine Verkürzung der Weiterbildung Innere und Kardiologie auf 5 Jahre zur Diskussion, diese ist jedoch zum aktuellen Zeitpunkt noch nicht abgeschlossen. Außerdem wird durch die zunehmende Ambulantisierung der Medizin, auch der Kardiologie, mehr Weiterbildungszeit im ambulanten Bereich abgeleistet werden können.