STEMI: Gestufte Revaskularisation vorteilhaft?
Eine Meta-Analyse von 9 randomisierten Studien mit 4.213 hämodynamisch stabilen Patientinnen und Patienten mit STEMI und Mehrgefäßerkrankung verglich eine sofortige mit einer gestuften Komplett-Revaskularisation.1 Die Kurzzeitmortalität war nach sofortiger Revaskularisation numerisch höher (2,0 % vs. 1,2 %; RR 1,66; p=0,053), ebenso die Gesamtmortalität nach median 1 Jahr (4,7 % vs. 3,5 %; IRR 1,40; p=0,07), ohne statistische Signifikanz zu erreichen. Die kardiale 30-Tage-Mortalität war jedoch nach sofortiger Mehrgefäß-PCI signifikant erhöht (2,6 % vs. 1,2 %; RR 2,19; p=0,03). Signifikante Unterschiede bei Reinfarkt, erneuter Revaskularisation, Schlaganfall oder schweren Blutungen zeigten sich nicht. Die Ergebnisse sprechen eher für ein gestuftes Vorgehen bei STEMI und Mehrgefäßerkrankung, so die Autorinnen und Autoren.
Gesundheitsatlas: Weniger Herzinfarkte in Deutschland
Eine Datenauswertung des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) zeigt einen anhaltenden Rückgang der Herzinfarktrate in Deutschland.2 2024 wurden rund 185.400 Herzinfarkte registriert, was 320 Fällen je 100.000 Personen ab 30 Jahren entspricht. 2017 lag die Rate noch bei 380 pro 100.000. Das bedeutet einen Rückgang um 14 %. Gleichzeitig nahmen wichtige kardiovaskuläre Risikofaktoren zu: Die Prävalenz von Typ-2-Diabetes stieg zwischen 2017 und 2024 von 10,6 % auf 11,2 %, die von Hypertonie von 28,8 % auf 29,9 %. In allen Altersgruppen sind Herzinfarkte bei Männern deutlich häufiger dokumentiert als bei Frauen. Regional bestanden deutliche Unterschiede, mit den höchsten Raten in Thüringen und Bremen. Die Auswertung deutet auf Erfolge in Prävention und Versorgung hin, aber auch auf eine zunehmende Belastung durch Risikofaktoren, die sich kardiovaskulär oft erst langfristig bemerkbar machen.
Nach Herz-OPs: PACU-Konzept entlastet Intensivstation
In einer retrospektiven Kohortenstudie aus Leipzig wurden 20.773 herzchirurgische Patientinnen und Patienten analysiert, die zwischen 2005 und 2020 nach einem strukturierten ERACS-Konzept (Enhanced Recovery After Cardiac Surgery) in einer spezialisierten „Post-Anesthesia Care Unit“ (PACU) postoperativ versorgt wurden.3 Der Anteil von PACU-Fällen stieg von 19 % auf 60 %. Trotz zunehmender Eingriffskomplexität blieb die Krankenhausmortalität stabil. Eine verbesserte Einhaltung der ERACS-Komponenten, einschließlich der Integration eines Maßnahmenpakets zur Delirprävention, ging mit einer signifikanten Verringerung des postoperativen Delirs (p=0,02) und der Krankenhaussterblichkeit (p=0,007) einher. Die Autorinnen und Autoren sehen Sicherheit und Effizienz des ERACS-Managements mit PACU bestätigt.
Alkoholsucht und Adipositas: Semaglutid senkt Alkoholkonsum
In einer randomisierten, doppelblinden Studie aus Dänemark wurde Semaglutid bei 108 Personen mit moderater bis schwerer Alkoholabhängigkeit und Adipositas untersucht, von denen 88 (81 %) die Studie abschlossen.4 Über 26 Wochen erhielten die Teilnehmenden zusätzlich zu einer kognitiven Verhaltenstherapie einmal wöchentlich Semaglutid 2,4 mg oder Placebo. Unter Semaglutid nahm die Zahl schwerer Trinktage signifikant stärker ab als unter Placebo (–41,1 vs. –26,4 Prozentpunkte; p=0,0015). Auch Gesamtalkoholkonsum und Suchtdruck verbesserten sich signifikant. Nebenwirkungen traten häufiger unter Semaglutid auf, meist gastrointestinale Beschwerden. Die Ergebnisse sprechen für GLP-1-Rezeptoragonisten als potenziellen neuen Therapieansatz bei Alkoholabhängigkeit.
Tagschlaf im Alter: Höhere Mortalität bei häufigen Nickerchen
In einer prospektiven Kohortenstudie wurden 1.338 ältere Erwachsene (mittleres Alter 81 Jahre) über bis zu 19 Jahre nachbeobachtet.5 Dauer, Häufigkeit und Zeitpunkt von Tagschlaf wurden per Wearable objektiv erfasst. Während einer mittleren Nachbeobachtungszeit von 8,3 Jahren verstarben 926 Personen (69,2 %). Eine längere tägliche Schlafdauer tagsüber war mit einer höheren Gesamtmortalität assoziiert (adjustierte HR pro zusätzliche Stunde 1,13; p=0,005), ebenso häufigere Nickerchen (adjustierte HR 1,07 pro zusätzlichem Nickerchen/Tag; p=0,003). Morgendlicher Tagschlaf war mit einem höheren Sterberisiko verbunden als Schlaf am frühen Nachmittag (adjustierte HR 1,30; p=0,03). Die objektive Erfassung von Tagschlafmustern könnte somit zur Risikostratifizierung beitragen.
Referenzen
- Elbahloul MA, et al. Timing of Complete Revascularization in Patients With STEMI and Multivessel Disease: An Updated Meta-Analysis of Randomized Clinical Trials. Circ Cardiovasc Interv. Published online April 30, 2026. doi:10.1161/CIRCINTERVENTIONS.126.016601
- Wissenschaftliches Institut der AOK (WIdO). Positiver Trend: Gesundheitsatlas zeigt Rückgang bei Herzinfarkten. Pressemitteilung, 13.05.2026.
- Zakhary W, et al. From fast track to enhanced recovery after Cardiac surgery: 15 years of experience with the Leipzig concept in a specialized post-anesthesia care unit. J Clin Anesth. 2026;110:112137. doi:10.1016/j.jclinane.2026.112137
- Klausen MK, et al. Once-weekly semaglutide versus placebo in patients with alcohol use disorder and comorbid obesity: a randomised, double-blind, placebo-controlled trial. Lancet. 2026;407(10540):1687-1698. doi:10.1016/S0140-6736(26)00305-3
- Gao C, Cai R, Zheng X, et al. Objectively Measured Daytime Napping Patterns and All-Cause Mortality in Older Adults. JAMA Netw Open. 2026;9(4):e267938. doi:10.1001/jamanetworkopen.2026.7938
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