Hände formen ein Herz im Sonnenschein

Vitamin D als Schutz vor Herzinfarkt?

Vitamin D ist für zahlreiche Stoffwechselprozesse im menschlichen Körper wichtig. Da die köpereigene Vitamin-D-Produktion nur mit Hilfe von Sonnenlicht möglich ist, ist Vitamin-D-Mangel vor allem im Winter in Deutschland weit verbreitet. Möglicherweise kann Vitamin-D-Mangel auch Folgen für die Herzgesundheit haben. In einer aktuellen Studie wurde untersucht, ob herzkranke Menschen durch die Einnahme von Vitamin-D-Präparaten profitieren.

Von: Dr. Heidi Schörken

 

08.04.2026


Bildquelle oben: Valery Zotev / Shutterstock.com

Das Wichtigste in Kürze

  • Eine Studie zeigte, dass das optimale Einstellen des Vitamin-D-Spiegels das Risiko für einen Herzinfarkt halbierte.
  • Es wurde aber lediglich der Messwert des Herzinfarkt-Risikos signifikant reduziert. Metaanalysen konnten bisher keinen ähnlichen Vorteil zeigen – daher müssen die Ergebnisse erst in größeren Studien bestätigt werden.
  • Ergänzende Vitamin-D-Einnahme ist bei Personen, bei denen ein Mangel vorliegt, empfohlen. Häufig ist dies bei Schwangeren, Betroffenen von Knochenerkrankungen wie Osteoporose oder Personen, denen keine Bestrahlung der Haut durch Sonnenlicht möglich ist, der Fall.
  • Eine Überdosierung bei der Einnahme ist zu vermeiden, da diese zu erhöhten Kalzium-Werten und damit Übelkeit, Muskelschwäche oder sogar Nierensteinen und Herzrhythmusstörungen führen kann.
  • Eine Ergänzung der Ernährung mit Vitamin D bis zu 20 Mikrogramm pro Tag könne laut Bundesinstitut für Risikobewertung erwogen werden. So lasse sich eine Versorgung ohne Sonnenbestrahlung der Haut sicherstellen.

Vitamin D zur Vorbeugung von Herzkrankheiten?

Ein niedriger Vitamin-D-Spiegel kann sich ungünstig auf die Gesundheit auswirken. Die klinische Studie TARGET-D sollte die Frage beantworten, ob ein optimaler Vitamin-D-Spiegel vor erneuten Herzkrankheiten schützen kann. An der Studie aus den USA nahmen 630 herzkranke Erwachsene teil – rund die Hälfte hatte zuvor einen Herzinfarkt. Die Personen wurden in 2 Gruppen einteilt: Eine Gruppe erhielt Vitamin-D-Präparate, die Kontrollgruppe dagegen nicht. In der Vitamin-D-Gruppe wurden die Blutwerte alle 3 Monate bestimmt und die Vitamin-D-Dosis angepasst, um optimale Vitamin-D-Spiegel zu erreichen.

Vitamin-D-Präparate halbierten das Risiko für einen erneuten Herzinfarkt

Zu Studienbeginn hatten 85 % der Teilnehmenden zu niedrige Vitamin-D-Spiegel. Über den Zeitraum von 4 Jahren traten in der Vitamin-D-Gruppe nur etwas weniger schwerwiegende Ereignisse auf (Herzinfarkt, Krankenhausaufenthalte wegen Herzschwäche, Schlaganfall oder Tod) als in der Kontrollgruppe: 16 % gegenüber 18 %. Bezogen auf Herzinfarkte zeigte sich jedoch ein klarer Vorteil für die Vitamin-D-Gruppe: Das Risiko für einen Herzinfarkt wurde durch die Einnahme von Vitamin D halbiert (4 % gegenüber 8 %).


Laut der Studienleiterin, Prof. Heidi May (Salt Lake City, Utah) könnte die Einnahme von Vitamin D vor Herzinfarkten schützen. Wichtig ist allerdings, dass die Vitamin-D-Spiegel regelmäßig kontrolliert werden. Weitere Folgestudien sind bereits in Planung.

Einordnung der Studienergebnisse

Unser Experte, Prof. Norbert Frey (Universitätsklinikum Heidelberg), kommentiert die Ergebnisse der TARGET-D-Studie: „Eine Stärke der Studie ist, dass keine Vitamin-D-Standard-Dosis verwendet wurde, sondern der Vitamin-D-Spiegel individuell eingestellt wurde. Allerdings gibt es auch einige Kritikpunkte: Die Target-D-Studie hat lediglich 630 Patientinnen und Patienten eingeschlossen. Zudem wurde nur ein Messwert (das Herzinfarkt-Risiko) signifikant reduziert.“

 

Zudem mahnt der Kardiologe zur generellen Studienlage: „Metaanalysen, die mehrere Studien einschlossen, konnten bisher keinen Vorteil der Vitamin-D-Gabe auf das Risiko von Herzinfarkten zeigen. Daher müssen die Ergebnisse der TARGET-D-Studie erst in größeren Studien bestätigt werden, bevor klinische Konsequenzen gezogen werden können.“

Zum Experten

Prof. Norbert Frey

Prof. Norbert Frey ist Ärztlicher Direkotr und W3-Professor für Kardiologie, Angiologie und Pneumologie am Universitätsklinikum Heidelberg.
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Welche Personen sollten Vitamin D einnehmen?

„Die Leitlinien raten zu einer ergänzenden Einnahme von Vitamin D, wenn ein Mangel vorliegt“, erläutert Prof. Frey. Außerdem sollten Personen Vitamin D einnehmen, die ein hohes Risiko für einen Vitamin-D-Mangel aufweisen, wie z. B. während einer Schwangerschaft, in der Kindheit oder wenn keine Bestrahlung der Haut mit Sonnenlicht möglich ist. Auch bei Knochenerkrankungen wie Osteoporose wird die Einnahme von Vitamin D empfohlen.

 

Allerdings sei die generelle Gabe von Vitamin D zur Vorbeugung umstritten, so der Kardiologe. Denn möglicherweise sind niedrige Vitamin-D-Spiegel bei vielen Erkrankungen zwar mit einer schlechteren Prognose verbunden, aber stellen häufig eher eine Folgeerscheinung und nicht die Ursache dar.

Infos zu Vitamin D

Wieviel Vitamin D ist in der Nahrung?

Laut der Deutschen Gesellschaft für Ernährung werden 20 Mikrogramm Vitamin D pro Tag benötigt. Doch nur wenige Nahrungsmittel enthalten ausreichende Mengen an Vitamin D, dazu gehört fetthaltiger Fisch, wie Hering oder Lachs. Tatsächlich werden nur 10–20 % des Vitamin-D-Bedarfs durch die Nahrung gedeckt. Der überwiegende Teil, also 80–90 %, der benötigten Menge an Vitamin D produziert der Körper selbst, wofür allerdings Sonnenlicht nötig ist. Die Sonnenstrahlung in Deutschland reicht nur in den Monaten zwischen April bis September für die Vitamin-D-Produktion aus. Dabei muss die Haut von Gesicht und Armen ausreichend lange und ohne Sonnenschutz von der Sonne bestrahlt werden.

 

Wie äußert sich Vitamin-D-Mangel?

Dem Bundesinstitut für Risikobewertung zufolge hat der Mangel an Vitamin D bei Erwachsenen vor allem Auswirkungen auf die Knochengesundheit und Muskelkraft. Insbesondere bei älteren Frauen führt Vitamin-D-Mangel zu Osteoporose, erhöhter Sturzanfälligkeit und Knochenbrüchen. Da der Calciumhaushalt zudem eine große Bedeutung für die Kontrolle des Herzrhythmus hat, nimmt das Risiko für Herzrhythmusstörungen bei Vitamin-D-Mangel zu. Weitere Folgen eines Vitamin-D-Mangels können Müdigkeit, Gewichtszunahme, Stimmungsschwankungen und Haarausfall sein.

 

Wie verbreitet ist Vitamin-D-Mangel in Deutschland?

Laut einer Studie des Robert-Koch-Instituts aus dem Jahr 2016 sind nur 40 % der Deutschen ausreichend mit Vitamin D versorgt. 30 % der deutschen Bevölkerung weist einen Vitamin-D-Mangel auf und die übrigen 30 % haben eine Vitamin-D-Versorgung im suboptimalen Bereich. Besonders häufig ist Vitamin-D-Mangel bei älteren Personen, Pflegebedürftigen, Menschen mit dunkler Hautfarbe oder chronischen Erkrankungen.

Vorsicht vor einer Überdosierung von Vitamin D

„Bei der Vitamin-D-Einnahme ist vor allem eine Überdosierung zu vermeiden“, warnt Prof. Frey. „Die Einnahme von zu viel Vitamin D kann zu erhöhten Kalzium-Werte (Hyperkalziämie) führen, mit Symptomen wie Übelkeit und Muskelschwäche bis hin zu Nierensteinen und Herzrhythmusstörungen.“ 


Nach Angaben des Bundesinstitutes für Risikobewertung (BfR) kann bei Erwachsenen, die zu einer Risikogruppe gehören, eine Ergänzung der Ernährung mit Vitamin D bis zu 20 Mikrogramm (800 IE) pro Tag erwogen werden. Damit lässt sich die Vitamin-D-Versorgung ohne Sonnenbestrahlung der Haut sicherstellen.

FAQ: Häufige Fragen zur Einnahme von Vitamin D und Herzgesundheit

Eine Studie zeigte, dass das optimale Einstellen des Vitamin-D-Spiegels das Risiko für einen Herzinfarkt halbierte. Einschränkend muss jedoch eingeordnet werden, dass nur der Messwert des Herzinfarkt-Risikos signifikant reduziert wurde. Metaanalysen, die mehrere Studien einschlossen, konnten bisher keinen ähnlichen Vorteil zeigen – daher müssen die Ergebnisse erst in größeren Studien bestätigt werden.

Die Leitlinien raten zu einer ergänzenden Einnahme von Vitamin D, wenn ein Mangel vorliegt. Außerdem sollten Personen Vitamin D einnehmen, die ein hohes Risiko für einen Mangel aufweisen, wie z. B. während einer Schwangerschaft, in der Kindheit oder wenn keine Bestrahlung der Haut mit Sonnenlicht möglich ist. Auch bei Knochenerkrankungen wie Osteoporose wird die Einnahme empfohlen. 

Möglicherweise sind niedrige Vitamin-D-Spiegel bei vielen Erkrankungen zwar mit einer schlechteren Prognose verbunden, aber stellen häufig eher eine Folgeerscheinung und nicht die Ursache dar – daher ist eine generelle Gabe eher umstritten.

Vor allem eine Überdosierung ist zu vermeiden, da diese zu erhöhten Kalzium-Werten und damit Übelkeit, Muskelschwäche oder sogar Nierensteinen und Herzrhythmusstörungen führen kann. Eine Ergänzung der Ernährung mit Vitamin D bis zu 20 Mikrogramm pro Tag könne laut Bundesinstitut für Risikobewertung erwogen werden.

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