Vorhofflimmern ist eine sehr häufige, nicht lebensbedrohliche Herzrhythmusstörung, die sich meist durch einen unregelmäßigen und schnelleren Herzschlag bemerkbar macht. Das elektrische Signal, das den Rhythmus des Herzschlags vorgibt, entsteht in einer bestimmten Region des rechten Vorhofs und breitet sich von dort gleichmäßig aus. Ist die Ausbreitung des elektrischen Signals gestört, kann es zu einem Zittern der Vorhöfe kommen, was als Vorhofflimmern bezeichnet wird. Dadurch kann das Herz aus dem Takt geraten, so dass es schneller und unregelmäßig schlägt. Das Risiko für Vorhofflimmern steigt mit dem Alter an – so sind etwa 10 % der über 80-Jährigen betroffen. Viele Herz-Kreislauf-Erkrankungen können Vorhofflimmern verursachen, wie Koronare Herzkrankheit, Herzinsuffizienz oder Herzklappenfehler. Je nach Schwere kann Vorhofflimmern mit oder ohne Beschwerden verlaufen.
Die Katheterablation stellt heute die zentrale interventionelle Therapie des Vorhofflimmerns dar. Allein in Deutschland werden pro Jahr mehr als 100.000 Katheterablationen zur Behandlung von Vorhofflimmern durchgeführt. Daher ist es dringend notwendig, dass eine hohe und standardisierte Behandlungsqualität sichergestellt wird.
Die Zertifizierung von Vorhofflimmer-Zentren durch die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie (DGK) verfolgt das Ziel, die Qualität dieser Therapieform bundesweit zu standardisieren und nachhaltig zu verbessern. Im Fokus stehen dabei sowohl die Auswahl der Patientinnen und Patienten, die von einer Katheterablation profitieren, als auch die Auszeichnung von Exzellenzzentren, die diese Eingriffe mit hoher Expertise durchführen und eine strukturierte Nachsorge in enger Zusammenarbeit mit niedergelassenen Fachärztinnen und -ärzten gewährleisten.
Besonders hervorzuheben ist, dass diese Qualitätssicherung auf Initiative der DGK erfolgt und damit einen Bereich adressiert, der bislang nicht in vergleichbarer Weise abgebildet wird. Gerade bei einer so häufigen Erkrankung wie dem Vorhofflimmern unterstreicht dies den innovativen und versorgungsorientierten Anspruch der Fachgesellschaft.
Neue Technologien und veränderte Rahmenbedingungen in der Vergütung haben dazu geführt, dass die Katheterablation zunehmend auch in weniger erfahrenen Zentren angeboten wird. Dies macht die Definition und die Anwendung von klaren Qualitätsstandards sowie verbindlichen Sicherheitsstrukturen umso wichtiger.
Vorhofflimmern macht sich meist bemerkbar als Herzstolpern oder Herzklopfen, das in der Brust oder im Hals spürbar ist. Zu weiteren typische Beschwerden gehören Luftnot, schnelle Erschöpfung und Herzrasen.
Ein Vorhofflimmer-Zentrum kommt vor allem ins Spiel, wenn eine Katheterablation durchgeführt werden soll. Sie wird üblicherweise nur bei Patientinnen und Patienten durchgeführt, deren Lebensqualität durch die auftretenden Symptome maßgeblich eingeschränkt ist oder bei denen eine Herzschwäche vorliegt.
In bestimmten Fällen kann das Vorhofflimmern durch einen dauerhaft zu schnellen Herzschlag zu einer Schwächung des Herzmuskels führen, was als Tachymyopathie bezeichnet wird. Diese Verschlechterung der Herzfunktion kann eine Ablation medizinisch sinnvoll machen.
In Deutschland gibt es über 100 von der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK) zertifizierte Vorhofflimmer-Zentren. Mit der Suche der DGK finden Sie nach Eingabe Ihrer Postleitzahl alle Einrichtungen in Ihrem Umkreis auf einen Blick!
Die Kriterien der Zertifizierung wurden von einer Gruppe ausgewiesener Expertinnen und Experten entwickelt und bereits in einer ersten Testphase im Jahr 2020 überprüft. Im Rahmen der Zertifizierung wird die Qualität folgender Schritte kontrolliert:
- Ärztliche Entscheidung, ob die Behandlung sinnvoll ist
- Durchführung der Katheterablation
- Nachsorge
- Versorgung möglicher Komplikationen in enger Zusammenarbeit mit Disziplinen wie Radiologie, Neurologie und Herzchirurgie
Ein weiterer zentraler Bestandteil der Zertifizierung ist die systematische und nachvollziehbare Bewertung aller relevanten Prozessschritte: von der Auswahl der Patientinnen und Patienten über die Vorbereitung und Durchführung des Eingriffs bis hin zum Management potenzieller Komplikationen und der konsequenten Nachuntersuchung. Nur durch eine solche ganzheitliche Betrachtung lässt sich die Qualität dieser komplexen Behandlungsprozesse sicherstellen und kontinuierlich optimieren.
Inzwischen wurden bereits mehr als 100 Zentren in Deutschland evaluiert und mit dem Qualitätssiegel ausgezeichnet. Damit wird bereits etwa die Hälfte aller Vorhofflimmer-Ablationen in Deutschland in zertifizierten Zentren durchgeführt. Dieser Aspekt sollte auch für Patientinnen und Patienten bei der Wahl eines Behandlungszentrums berücksichtigt werden, da eine ausreichende jährliche Prozedurzahl eng mit Behandlungsqualität, Sicherheit und guten Behandlungsergebnissen verknüpft ist.