Nachhaltigkeit im Herzkatheterlabor: Praktische Maßnahmen zur Reduktion von Abfall und Energieverbrauch

V. Dirks (Oldenburg)1
1Klinikum Oldenburg AöR Klinik für Kardiologie Oldenburg, Deutschland

Hintergrund:
Im Herzkatheterlabor fallen durch den zahlreichen Einsatz von Einmalmaterialien große Mengen an Abfall an, gleichzeitig ist der Energieverbrauch hoch. Nachhaltigkeit spielt im klinischen Alltag zwar eine zunehmende Rolle, wird jedoch häufig als schwer umsetzbar wahrgenommen. Ziel dieses Projekts war es zu prüfen, mit welchen einfachen und alltagstauglichen Maßnahmen Abfall reduziert und Energie eingespart werden kann, ohne Arbeitsabläufe, Qualität oder Sicherheit zu beeinträchtigen.

Vorgehen:
Zu Beginn wurde über einen Zeitraum von zwei Wochen erfasst, wie viel Abfall im Herzkatheterlabor tatsächlich anfällt. Dabei wurden Restmüll und Leichtverpackungsabfall getrennt gewogen, um eine realistische Ausgangslage zu erhalten. Auf dieser Basis wurden Maßnahmen entwickelt, die im Arbeitsalltag gut umsetzbar sind und von allen Berufsgruppen mitgetragen werden können.

Umgesetzt wurden folgende Schritte:

  1. Einführung ergonomischer Tonnenroller, um eine direkte Mülltrennung am Verbrauchsort zu ermöglichen und Laufwege zu reduzieren.
  2. Überarbeitung der Corosets mit dem Ziel, nicht zwingend benötigte Einmalartikel zu entfernen, ohne die Versorgungsqualität zu beeinträchtigen.
  3. Bereinigung der Lagerbestände, um selten genutzte Materialien und unnötige Verpackungen zu reduzieren.
  4. Umstellung der Beleuchtung auf energieeffiziente LED-Leuchtmittel.

 

Nach Umsetzung der Maßnahmen wurde das Abfallaufkommen erneut über zwei Wochen erfasst. Nach einer dreimonatigen Phase der vollständigen Anwendung und weiterer Optimierung, unter anderem durch Gespräche im Team zur korrekten Abfalltrennung sowie die Überarbeitung des Abfallplans einschließlich Materialien mit Restflüssigkeiten, erfolgte eine dritte Messung.

Ergebnisse:
In der Ausgangslage fielen innerhalb von zwei Wochen 773 kg Restmüll und 78 kg Leichtverpackungsabfall an. Nach erster Umsetzung der Maßnahmen sank der Restmüll auf 740 kg, während der Leichtverpackungsabfall auf 112 kg anstieg. Nach drei Monaten vollständiger Umsetzung und weiterer Optimierung reduzierte sich der Restmüll weiter auf 671 kg, bei gleichzeitigem Anstieg des korrekt getrennten Leichtverpackungsabfalls auf 138 kg. Insgesamt entspricht dies einer Reduktion des Restmülls um rund 13 Prozent gegenüber der Ausgangslage.

Hochgerechnet auf ein Jahr ergibt sich eine Einsparung von etwa 2,7 Tonnen Restmüll, die dem jährlichen Restmüllaufkommen von rund vier durchschnittlichen Vier-Personen-Haushalten entspricht. Zusätzlich erfolgte die Umstellung auf energieeffiziente LED-Leuchtmittel als weiterer Beitrag zur Reduktion des Energieverbrauchs. Eine automatische Lichtsteuerung mittels Bewegungsmeldern ist bereits in Planung.

Fazit:
Die Ergebnisse zeigen, dass Nachhaltigkeit und Hochleistungsmedizin sich nicht ausschließen. Durch gezielte, einfache und praxisnahe Maßnahmen kann auch im Herzkatheterlabor ein relevanter Beitrag zur Reduktion von Abfall und Energieverbrauch geleistet werden. Besonders positiv zeigte sich die Akzeptanz im Team, die vor allem durch ergonomisch verbesserte Arbeitswege und eine klarere und einfachere Mülltrennung gefördert wurde. Nachhaltiges Handeln lässt sich damit sinnvoll in den klinischen Alltag integrieren, ohne Kompromisse bei Qualität oder Sicherheit einzugehen.