Hintergrund:
Die Transkatheter- Aortenklappenimplantation (TAVI) ist ein etabliertes minimalinvasives Verfahren zur Behandlung der hochgradigen Aortenklappenstenose. Durch Fortschritte in Prozedurtechnik, periinterventionellem Management und anästhesiologischen Konzepten konnten in den letzten Jahren sogenannte Fast-Track- und Early-Discharge-Strategien entwickelt werden. Mehrere Studien konnten zeigen, dass bei sorgfältig selektionierten Patientinnen und Patienten eine frühzeitige Verlegung auf die Normalstation sowie eine verkürzte stationäre Verweildauer ohne Zunahme relevanter Komplikationen möglich sind.
Zielsetzung:
Ziel dieser Arbeit war die Implementierung und Evaluation eines standardisierten Same-Day-Surgery-(SDS)- und Fast-Track-Behandlungspfades für selektionierte Patientinnen und Patienten nach unkomplizierter TAVI. Hierbei erfolgte die unmittelbare postprozedurale Versorgung im Aufwachraum (Post-Anesthesia Care Unit, PACU) mit anschließender frühzeitiger Verlegung auf die kardiologische Normalstation unter Verzicht auf eine routinemäßige intensiv- oder intermediate-care-medizinische Überwachung. Ergänzend wurden patientenberichtete Erfahrungen (Patient Reported Experience Measures, PREMs) erhoben.
Methoden:
An unserem Zentrum (UKSH Campus Lübeck) wurde ein interdisziplinärer Fast-Track-Pfad etabliert. Einschlusskriterien waren ein präinterventionell unauffälliges EKG, geeignete Gefäßzugänge sowie periprozedural hämodynamische Stabilität, ein komplikationsloser Eingriffsverlauf, fehlender relevanter Katecholaminbedarf, stabile Gefäßverschlussverhältnisse und das Ausbleiben signifikanter Rhythmusstörungen oder anderer prozedurbezogener Komplikationen. Nach standardisierter Überwachung im Aufwachraum erfolgte die frühzeitige Verlegung auf die Normalstation im Sinne eines Same-Day-Recovery-Konzeptes. Zudem wurde die Anzahl invasiver Zugänge konsequent reduziert, einschließlich des Verzichts auf routinemäßige zentrale Venenkatheter und temporäre Schrittmachersonden, sofern klinisch vertretbar. Zur Erfassung der Patientenerfahrung wurden standardisierte PREM-Fragebögen mit numerischer Ratingskala (1–10) eingesetzt.
Ergebnisse:
Die Implementierung des SDS- und Fast-Track-Pfades war bei der Mehrzahl der selektionierten Patientinnen und Patienten erfolgreich möglich. Die routinemäßige intensivmedizinische Nachbehandlung konnte deutlich reduziert werden, ohne dass eine Zunahme prozeduraler oder kardiovaskulärer Komplikationen beobachtet wurde. Gleichzeitig zeigte sich eine frühere Mobilisation sowie eine Verkürzung der stationären Verweildauer. Die PREM-Analysen ergaben ein hohes subjektives Sicherheitsgefühl trotz Verzichts auf eine intensivmedizinische Überwachung sowie eine hohe Zufriedenheit mit den Abläufen im Aufwachraum. Besonders positiv wurden die frühe Mobilisation und der Verzicht auf zentrale Halszugänge sowie temporäre Schrittmachersonden bewertet. Darüber hinaus konnten intensivmedizinische Ressourcen gezielter für kritisch kranke Patientinnen und Patienten vorgehalten werden.
Schlussfolgerung:
Ein standardisierter Same-Day-Surgery- und Fast-Track-Pfad nach unkomplizierter TAVI ist bei sorgfältiger Patientenselektion praktikabel und sicher. Der Verzicht auf eine routinemäßige intensivmedizinische Überwachung ermöglicht eine effizientere Ressourcennutzung und geht gleichzeitig mit hoher Patientenzufriedenheit sowie verbessertem postinterventionellem Komfort einher.