Fallbeispiel einer 75-jährigen Patientin mit intermittierendem Exit Block der RV-Sonde

Y. Zöller (Frankfurt am Main)1, A. Dirksen (Frankfurt am Main)2
1Universitätsmedizin Frankfurt Frankfurt am Main, Deutschland; 2Universitätsklinikum Frankfurt Frankfurt am Main, Deutschland
Einleitung
Der intermittierende Exit Block ist eine seltene, diagnostisch anspruchsvolle Schrittmacherkomplikation: Der abgegebene Stimulus depolarisiert das Myokard nicht; es resultiert ein Stimulationsausfall. In der Folge drohen Schwindel, Synkopen bis hin zu lebensbedrohlichen Asystolien. Da Elektrodenparameter zum Abfragezeitpunkt vollständig regelrecht erscheinen können, stellt die klinische Einordnung eine besondere Herausforderung für das involvierte Pflege- und medizinische Fachpersonal im Rahmen der personzentrierten Versorgung dar.

Fallbeschreibung
Eine 75-jährige Patientin mit einem 2002 bei Sick-Sinus-Syndrom implantierten 2-Kammer-Herzschrittmacher (ventrikulärer Stimulationsanteil inzwischen > 90 %) war zur Routinekontrolle in der tertiären Device-Ambulanz angebunden. Bei einer regulären Kontrolle zeigten sich unauffällige Elektrodenparameter; die Patientin war auf Nachfrage beschwerdefrei. Sieben Tage später stellte sie sich ungeplant mit Herzrasen, allgemeinem Unwohlsein und Schlafstörungen vor. Die Abfrage zeigte mehrere AHRE (Atrial High Rate Episodes), nach Anpassung der Mode-Switch-Funktion wurde eine Kontrolle in sechs Monaten vereinbart. Die Beschwerden persistierten. Beiläufig erwähnte die Patientin während der Anamnese durch die MTF nächtliches Einnässen. Ein strukturierter Reproduktionsversuch durch die involvierte MTF und den verantwortlichen Arzt mittels gezielter Lageänderungen blieb erfolglos, alle Elektrodenparameter zeigten sich regelrecht. Es wurden Sensorrekalibrierung, Anhebung der unteren Grenzfrequenz auf 70/min, Programmierung einer Nachtfrequenz sowie ein Langzeit-EKG angeordnet. Dieses dokumentierte trotz erneut unauffälliger Schrittmacherparameter intermittierende Pausen von bis zu 42 Sekunden, zeitlich korrelierend mit den Symptomen. Der ventrikuläre Output wurde auf das programmierbare Maximum angehoben. Die Befunde entsprachen einem intermittierenden Exit Block; das nächtliche Einnässen ist retrospektiv als Synkopenäquivalent bei nächtlichen Asystolien zu werten. Diese Beschwerden resultierten auch in einer reduzierten Lebensqualität, was einen erhöhten Kommunikationsaufwand mit der Patientin während der Termine in der Device-Ambulanz erforderte. Nach der stationär durchgeführten Sondenrevision zeigte sich eine beschwerdefreie Patientin mit einer subjektiv verbesserten Lebensqualität.

Schlussfolgerung
Bei einem intermittierenden Exit Block können Elektrodenparameter zum Abfragezeitpunkt vollständig unauffällig sein. Das Langzeit-EKG ist die entscheidende diagnostische Maßnahme bei unklaren nächtlichen Symptomen. Atypische Symptome wie Einnässen oder morgendliche Erschöpfung können auf nächtliche Bewusstlosigkeit hinweisen und sollten aktiv erfragt werden. Ein negativer Reproduktionsversuch schließt einen intermittierenden Exit Block nicht aus. Bei Pausen > 3 Sekunden oder Synkopenäquivalent ist die stationäre Aufnahme zur Überwachung und zeitnahen Revision entlang nationaler Leitlinien indiziert. Der Fall unterstreicht den Stellenwert einer strukturierten, interprofessionellen Nachsorge: Im Rahmen einer Anamnese, die Symptome und technische Gerätedaten gleichermaßen berücksichtigt, lieferte das aufmerksame Erfragen scheinbar nebensächlicher Alltagsbeschwerden durch das Assistenz- und Pflegepersonal den entscheidenden diagnostischen Hinweis und ermöglichte eine Verbesserung der Lebensqualität der Patientin.