Prozessoptimierung bei der Transkatheter-Aortenklappenimplantation durch kontinuierliche Verkürzung der Prozedurzeiten – Kann dies gelingen, und wenn ja, wo sind die Fallstricke

A. Wegener (Kiel)1
1Universitätsklinikum Schleswig-Holstein Herzkatheterlabore Kiel, Deutschland
Fragestellung:  
Kann eine kontinuierliche Verkürzung der Prozedurzeiten zu einer nachhaltigen Prozessoptimierung bei der TAVI führen, ohne die Behandlungsqualität und Patientensicherheit zu beeinträchtigen. Welchen Einfluss hat die Reduktion der Prozedurdauer auf Effizienz, Ressourcenverbrauch und klinische Ergebnisse bei TAVI Eingriffen. Welche Faktoren ermöglichen eine Verkürzung der Prozedurzeiten und wo liegen die Grenzen dieser Entwicklung.

Prozessbeschreibung:  
Wir schauen auf eine standardisierte Tavi Prozedur über einen transfemoralen Zugangsweg.
Durch die schrittweise Standardisierung in den prä-,intra -und postprozeduralen Abläufen, konnte die Dauer der TAVI Prozedur kontinuierlich reduziert werden. Arbeitsabläufe wurden optimiert, Material-und Personalressourcen gezielt angepasst und die Durchführung des Eingriffes standardisiert.

Ein Blick zurück. Was hat sich in den letzten Jahren geändert?  
Die Einführung eines TAVI Koordinators zur effizienten Planung. Patienteneinleitung überlappend. Prozedurplanung mit allen Daten zur Implantation. Patienten bekommen keinen ZVK und DK zur Vorbereitung Prozedur ohne Sedierung/Analgosedierung. Erhöhte intraprozedurale Prozessoptimierung (ultraschallgesteuerte Punktion, Abschlusssonografie der Leistenpunktion) Mit Hinzunahme der A.radiales Punktion für den akzessorischen Zugang oder single Access Ablauf. Optimierte Tischvorbereitung-Druckverband vorlagern. Patienten werden, wenn möglich, post Tavi in den AWR verlegt (keine langen Transportwege und Wartezeiten) Erstellung eines angepassten Einarbeitungskonzeptes für neue Mitarbeiter im Hybrid OP. Same day  surgery Prozeduren.

Welche Verbesserungen konnten bereits erzielt werden.  
Einführung klar definierter Standards mit allen Prozessen und Checklisten. Standardisierte Vorbereitung des Patienten. Kommunikation auf Augenhöhe im interdisziplinären Team. Nutzen von SOP’s. Regelhafte Materialkontrolle um Fehlbestände zu vermeiden. Klare Rollenverteilung und Verlässlichkeit. Zeitmanagement der Interventionisten.
Eine suffiziente Personalbesetzung zu jeder Prozedur ist von hoher Relevanz mit vorrausschauender Planung. Einteilung im interdisziplinären Team, mit klarer Aufgabenverteilung. Arbeiten mit Springerfunktion für antizipiertes Arbeiten.
Eine qualifizierte Einarbeitung von neuen Kolleg: innen mit einem gut strukturiertem Einarbeitungskonzept ist die Vorrausetzung für eine umfassende Einarbeitung und Professionalisierung in unserem Berufsbild.

Wo sind die Fallstricke und Gefahren? 
Unvollständige Patienteninformationen mit Besonderheit auf Vorerkrankungen, Patientenakte mit allen Dokumenten und Einwilligungen). Teamkommunikation fehlerhaft. Missverständnisse bei Klappenimplantation. Prozeduren unter Zeitdruck, dadurch sinkende Aufmerksamkeit und steigende Fehlerquote. Workflow zeitgesteuert, wenig Raum für Individualität., Es droht ein „Routineeffekt“ (trügerische Sicherheit und dadurch mangelnde Konzentration) Unzureichende Einhaltung aller hygienischen Maßnahmen. 

Résumé  
Die Prozessanalyse von TAVI-Eingriffen im Hybrid OP zeigt, dass die größten Potenziale zur Steigerung der Zeiteffizienz häufig nicht im eigentlichen Implantationsvorgang liegen, sondern in den vor- und nachgelagerten Prozessschritten.
Insbesondere die Standardisierung von Abläufen und Parallelisierung von Tätigkeiten tragen dazu bei die Gesamtprozessdauer zu verkürzen. Eine klare Rollenverteilung, optimierte Materiallogistik und eine strukturierte Kommunikation können Wartezeiten reduzieren und die Ressourcennutzung verbessern.
Nutzen der Patienten sind unter anderem, kürzere Wartezeiten, exakte Vorbereitungen, verkürzte Aufenthaltsdauer im Hybrid OP. Eine schnellere Verlegung auf die Normalstation und der Verzicht von analgesierenden Medikamenten,-kann ein postoperatives Durchgangssyndrom verhindern. Gleichzeitig trägt die Standarisierung der Abläufe zu einer hohen Behandlungsqualität und Patientensicherheit bei.
Systeme wie „Squire“ (ein digitales Kommunikationstool zur Zeiterfassung) sind eine effiziente Methode und bieten eine gute Echtzeiterfassung im Zentral OP. Ablaufzeiten sind für jeden transparent 
Insgesamt sind es überblickend nur noch kleinste Maßnahmen die zu einer besseren Effizienz führen könnten und dennoch sollten wir nicht aus den Augen verlieren wie individuell ein Patient ist und der Respekt vor jedem einzelnen das oberste Ziel einer jeden Prozedur sein sollte. 

Geschwindigkeit sollte das Ergebnis optimierter Prozesse sein jedoch-nicht das primäre Ziel der Behandlung!!