Entwicklung und Implementierung eines Kardio-Traineeprogramm am Zentrum für Kardiologie (ZfK) der Universitätsmedizin Mainz (UMM)

G. Maas (Mainz)1, M. Hauenstein (Mainz)1, L. Schmidt-Böhm (Mainz)1, K. Dackermann (Mainz)1, J. Lellig (Mainz)1
1Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz Zentrum für Kardiologie Mainz, Deutschland
Hintergrund:
Mit Inkrafttreten des Pflegeberufegesetzes 2020 wurden die zuvor getrennten Ausbildungen in der Kranken-, Kinderkranken- sowie Altenpflege zu einer generalistischen Pflegeausbildung zusammengeführt. Damit einher geht der Innovationsanspruch, durch die Vermittlung eines breiteren Kompetenzprofils auf die divergenten Arbeitsfelder sowie die Versorgung aller Altersgruppen vorzubereiten. Praktische Erfahrungen innerhalb der einzelnen hochspezialisierten Fachbereiche können nur noch begrenzt erworben werden. Dies stellt sowohl Absolvierende der Generalistik als auch Personalverantwortliche vor Herausforderungen. In der Akutversorgung sehen sich Berufsanfänger:innen mit komplexen Krankheitsbildern, spezifischen Behandlungsverfahren und klinischen Entscheidungsprozessen sowie dem Gefühl der Unzulänglichkeit konfrontiert. Gleichzeitig müssen Personalverantwortliche neue Mitarbeitende qualifizieren, integrieren und Rahmenbedingungen schaffen, die eine Bindung an die Organisation fördern. In Anbetracht dessen erlangen Onboardingkonzepte eine erhöhte Relevanz. Um den Einstieg in die Kardiologie gezielt zu unterstützen, wurde ein strukturiertes Traineeprogramm entwickelt und implementiert. 

Ziel:
Das Ziel der vorliegenden Arbeit bestand in der Entwicklung und Implementierung eines Traineeprogramms als Angebot für Absolventen der Generalistik. Damit sollen bessere Startbedingungen, Orientierungszeit, spezielle Wissensvermittlung und bessere Praxisbedingungen im ZfK etabliert werden. Mit einer Evaluation wurde zudem untersucht, inwieweit sich das Programm als Instrument der Personalentwicklung eignet, um den Berufseinstieg in ein kardiologisches Versorgungsfeld zu unterstützen.

Methode:
Mittels Literaturrecherche zu Onboarding- und Personalentwicklungskonzepten wurde ein strukturiertes Traineeprogramm für Berufsanfänger:innen in der Kardiologie entwickelt. Die Konzeption orientierte sich am Four-C-Modell nach Bauer sowie an Aspekten von Traineeprogrammen mit Rotationen, definierten Lernzielen, Mentoring und begleitenden Fortbildungsangeboten. Das Programm wurde 2024 schrittweise implementiert. Die Evaluation basierte auf einem Fragebogen mit quantitativen likert-skalierten sowie qualitativen offenen Fragen. Erfasst wurden unter anderem die Bewertung der Programminhalte, des Mentorings, der Organisation sowie die Gesamtzufriedenheit. Zusätzlich erfolgten leitfadengestützte Abschlussgespräche.

Ergebnis:
Bis Mai 2026 nahmen insgesamt 22 Personen (n =22) am Programm teil.  Evaluiert wurde die erste Phase (2024 - 2025), in der n=13 teilnahmen; n=12 schlossen erfolgreich ab, n=11 verblieben und haben sich für einen festen Arbeitsplatz im ZfK entschieden. Die evaluierten Fragebögen zeigten hohe Zufriedenheit mit dem Traineeprogramm. Insbesondere die strukturierte Einarbeitung, die fachliche und soziale Begleitung durch Mentor:innen sowie die Rotationen durch verschiedene Versorgungsbereiche wurden positiv bewertet. Eine Verbesserung wurde hinsichtlich der Dauer einzelner Rotationen gesehen. In den Abschlussgesprächen wurde ermittelt, dass alle Teilnehmenden das Traineeprogramm weiterempfehlen würden.

Schlussfolgerung:
Das Programm erweist sich als wirksames Instrument zum strukturierten Onboarding in einem Akutbereich. Neben der Förderung von Kompetenzen und der Orientierung leistet es einen Beitrag zur Mitarbeiterbindung. Das Traineeangebot ist aufgrund der positiven Ergebnisse als flankierender Bestandteil der strukturierten Einarbeitung im ZfK fest etabliert.

Quelle: Bauer, T.N. (2010): Onboarding New Employees: Maximizing Success. SHRM Foundation's Effective Practice Guidelines Series. Alexandria, VA: SHRM Foundation.