Konzeption eines patientenzentrierten Versorgungspfades für AV-Klappenerkrankungen unter Integration einer Clinical Valve Coordination

I. Kast (Tübingen)1, T. Geisler (Tübingen)2, K. A. L. Müller (Tübingen)2
1Universitätsklinikum Tübingen Innere Medizin III, Kardiologie und Angiologie Tübingen, Deutschland; 2Universitätsklinikum Tübingen Innere Medizin III, Kardiologie und Kreislauferkrankungen Tübingen, Deutschland

1. Problemstellung 
•    Zunahme struktureller Herzerkrankungen und minimalinvasiver Therapieverfahren (TAVI, AV-Klappenerkrankungen), Eingriffe benötigen mehr Planung für die technische Umsetzung.
•    Alternde, multimorbide Bevölkerung geht mit steigendem Versorgungsbedarf einher
•    Bislang fehlende, klar strukturierte und standardisierte Koordination dieser Behandlungswege 
Innovative Behandlungsstrategien führen im klinischen Alltag zu erhöhtem Koordinationsaufwand, beinhalten multiple Schnittstellen und potenzielle Verzögerungen innerhalb der prä-, peri- und postinterventionellen Prozesse. Komplexe Herzklappenerkrankungen benötigen strukturierte patientenzentrierte Koordination für eine optimale Patientenversorgung.

2. Zielsetzung  
Ziel dieser Arbeit ist die Entwicklung eines patientenzentrierten Versorgungspfades für Patienten mit AV-Klappenerkrankungen. Dabei sollte untersucht werden, wie eine „Klinische Klappen-Koordination als zentrale Schnittstellenfunktion zwischen Diagnostik, Heart Team, Intervention und Nachsorge integriert werden kann. Zusätzlich wurde die potentielle Einbindung von „frailty“-bezogenen Parametern zu erweiterten Risikostratifikation berücksichtigt. 

3. Methodik 
Es erfolgte eine strukturierte Literaturrecherche zu internationalen Klappen-Koordinations-Modellen sowie eine Analyse bestehender klinischen Versorgungsstrukturen. Basierend auf den identifizierten Schnittstellen und klinischen Anforderungen wurde ein erstes patientenzentriertes Versorgungsmodell für Herzklappenerkrankungen konzipiert. Besonderes Augenmerk lag auf der Identifikation organisatorischer und interprofessioneller Versorgungslücken sowie möglicher Koordinationsaufgaben entlang des gesamten Behandlungspfades.

4. Konzeptionelles Ergebnis
In Rahmen des konzeptionellen Ergebnisses wurde ein standardisierter, kliniknaher Versorgungspfad entworfen. Dieser umfasst die präprozedurale Diagnostik, die interdisziplinäre Heart-Team-Entscheidung, die Therapieplanung sowie die postinterventionale Nachsorge. 
Darüber hinaus wurden standardisierte kardiologische Konferenzprotokolle, patientenzentrierte Kommunikationsstrukturen sowie interprofessionelle Fallkoordinationen unter Berücksichtigung funktioneller und frailtybezogener Faktoren innerhalb des Heart Teams integriert. 
Die „Clinical Valve Coordination“ stellt als zentrale Schnittstellefunktion die kontinuierliche Prozesssteuerung sicher. Sie übernimmt die Koordination diagnostischer Abläufe, die Vorbereitung der Heart- Team- Konferenz, die Kommunikation zwischen den beteiligten Gruppen sowie die Patientenbegleitung entlang des gesamten Patientenpfades. Auch die unmittelbare Patientenversorgung wird durch die Klappenkoordination übernommen inklusive transthorakaler Echokardiographie, Terminabsprachen und Organisation der weiteren medikamentösen Herzsinsuffizienztherapie. Hier wird auch telemedizinisch und per Telefonsprechstunde die Nachsorge der Patienten auf höchstem Niveau gewährleistet. Der Vorteil für den Patienten ist ein fester Ansprechpartner vor, während und nach der Prozedur, was eine deutliche Verbesserung der Compliance und des Therapieerfolges gewährleistet.

5. Fazit
Klinische Klappen-Koordination kann als zentrale Schnittstelle zur strukturierten Steuerung komplexer Patientenpfade bei AV- Klappenerkrankungen im hohen Maße beitragen. Standardisierte Prozesse und patientenzentrierte Koordination könnten zukünftig die interprofessionelle Entscheidungsfindung sowie die Versorgungsqualität unterstützen.