Strukturiertes präoperatives Management antithrombotischer Therapien reduziert Blutproduktverbrauch und Behandlungskosten bei herzchirurgischen PatientInnen

Z. Shomanova (Münster)1, A. Münstedt (Münster)2, K. Wisniewski (Münster)1, V. Stasii (Münster)1, S. Akahmed (Münster)3, A. Hoffmeier (Münster)1, M. Scherer (Münster)4, A. Brünen (Münster)3, S. Martens (Münster)5, M. M. Kwapisz (Münster)3
1Universitätsklinikum Münster Klinik für Herz- und Thoraxchirurgie Münster, Deutschland; 2Universitätsklinikum Münster Geschäftsbereich Apotheke Münster, Deutschland; 3Universitätsklinikum Münster Klinik für Anästhesiologie, operative Intensivmedizin und Schmerztherapie Münster, Deutschland; 4Universitätsklinikum Münster Klinik für Herz- und Thraxchirurgie Münster, Deutschland; 5Universitätsklinikum Münster Klinik für Herz- und Thorax-Chirurgie Münster, Deutschland

Einleitung:
Antithrombotische Therapien stellen im perioperativen Verlauf herzchirurgischer PatientInnen eine besondere Herausforderung dar. Ziel dieser Studie war zu untersuchen, ob ein strukturiertes präoperatives Management der antithrombotischen Therapien den perioperativen Bedarf an Blutprodukten und die damit verbundenen Kosten beeinflusst.

Methoden:
Im Februar 2024 führte unsere Klinik in Zusammenarbeit mit überweisenden Kliniken und Hausärzten ein strukturiertes präoperatives Medikamentenmanagement für antithrombotische Therapien ein. Antikoagulanzien und Thrombozytenaggregationshemmer wurden nach einem festgelegten Protokoll und individuellen Nutzen-/Risiko-Einschätzung präoperativ pausiert, umgestellt oder überbrückt. Die Phenprocoumon-Therapie wurde sieben Tage vor der Operation unterbrochen, und PatientInnen mit einem INR-Wert < 2 wurden auf niedermolekulares Heparin umgestellt. Direkte orale Antikoagulanzien wurden mindestens 48 Stunden vor der Operation abgesetzt. PatientInnen mit einem CHA₂DS₂VA-Score ≥ 5 wurden auf niedermolekulares Heparin umgestellt. PatientInnen, die Prasugrel oder Ticagrelor einnahmen, wurden sieben Tage vor der Operation auf Clopidogrel umgestellt. Clopidogrel wurde 48 Stunden vor der Operation abgesetzt, es sei denn, die PatientInnen hatten innerhalb der letzten 30 Tage eine Stentimplantation erhalten.

Ergebnisse:
Zwischen Februar 2023 und Februar 2026 wurden insgesamt 2.366 PatientInnen (76 % Männer, Durchschnittsalter: 65,21 ± 11,8 Jahren) am offenen Herzen operiert. Von diesen PatientInnen wurden 887 im Jahr 2023 (77,5 % Männer, Durchschnittsalter: 65,28 ± 11,76 Jahren) vor der Einführung des Projektes operiert, sie dienten als Referenzgruppe. Nach Projektstart wurden 780 PatientInnen im Jahr 2024 (74,6 % Männer, Durchschnittsalter: 65,41 ± 11,85 Jahren) und 699 im Jahr 2025 (75,7 % Männer, Durchschnittsalter: 65,41 ± 11,73 Jahre) operiert. Der Verbrauch an Erythrozytenkonzentraten (EKs) sank gegenüber der Referenzperiode signifikant von 2.332 (2,63/Pat.) auf 1.472 (1,89/Pat.) im ersten (p=0,003) bzw. 1.193 (1,71/Pat.) EKs im zweiten Jahr (p=0,008) (s. Grafik 1). Auch der Verbrauch an Thrombozytenkonzentraten (TKs) nahm ab – 595 (0,67/Pat.) vs. 428 (0,55/Pat.) bzw. 311(0,44/Pat.) TKs, ohne statistische Signifikanz zu erreichen (p = 0,075 bzw. p = 0,109). Beim Verbrauch von FFP zeigte sich kein signifikanter Unterschied – 240 (0,27/Pat.) vs. 168 (0,22/Pat.) bzw. 176 (0,25/Pat.) FFPs, (p = 0,503 bzw. p = 0,606).  Die Reduktion des Einsatzes von Blutprodukten hat im ersten Jahr nach Projektimplementierung Kosteneinsparungen von 203.600 € und im zweiten Jahr von 305.385 € ermöglicht, jeweils im Vergleich zur Referenzperiode 2023. Dies entspricht einer Einsparung von 162,01 €/PatientIn im Jahr 2024 bzw. 242,78 €/PatientIn im Jahr 2025, ebenfalls im Vergleich zum Referenzjahr 2023.

Schlussfolgerung:
Ein strukturiertes präoperatives Medikationsmanagement für antithrombotische Therapie kann die Notwendigkeit von Bluttransfusionen bei herzchirurgischen Eingriffen verringern und zur signifikanten Kosteneinsparungen führen. Die Ergebnisse sprechen für eine Verbesserung des perioperativen Blutungsmanagements, einen effizienteren Einsatz von Blutprodukten sowie für die Implementierung interdisziplinärer Strategien zur perioperativen Steuerung antithrombotischer Therapien. 



Grafik 1: Verbrauch von Blutprodukten (EKs – Erythrozytenkonzentrate, TKs – Thrombozytenkonzentrate, FFP – Fresh Frozen Plasma