Fragestellung:
Patient:innen mit kardiovaskulären Erkrankungen (CVD), einschließlich Herzinsuffizienz (HF), entwickeln im Verlauf der Erkrankung häufig eine chronische Nierenkrankheit (CKD). Internationale Leitlinien geben klare CKD-Screening- und Behandlungsempfehlungen bei vorliegender HF, darunter die Initiierung der CKD-Therapie mit einem Inhibitor des Natrium-Glukose-Kotransporters-2 (SGLT2i). Bisherige Daten der InspeCKD-Studie zeigen deutliche Defizite in der Diagnostik und Therapie der CKD, auch bei Frauen mit HF, auf.
Die vorliegende Analyse untersuchte inwiefern sich die CKD-Versorgung kardiorenaler Patient:innen mit CKD in der hausärztlichen Versorgung in Deutschland seit der ersten Datenerhebung (Studienzeitraum 06/2020-06/2023) verändert hat.
Methoden:
Für die Analyse wurden elektronische, vollständig anonymisierte Einzeldatensätze von 1.832 deutsche Hausarztpraxen im Studienzeitraum 01/2023-12/2024 ausgewertet. Eingeschlossen wurden, gemäß KDIGO Screening-Empfehlung, CKD-Risikopatient:innen mit Bluthochdruck, Diabetes und/oder CVD, einschließlich HF. Die Beobachtungsdauer betrug ~1,7 Jahre.
Ergebnisse:
Im ersten Studienzeitraum erhielten weniger als die Hälfte (48,5%, N=17.174) der HF-Patient:innen ≥1 Serumkreatinin-Messung zur Abschätzung der glomeruläre Filtrationsrate (eGFR), im Vergleich zu 55,2% (N=29.272) im aktuellen Studienzeitraum. Der Anteil der HF-Patient:innen mit ≥1 Albuminurie-Bestimmung (UACR) stieg von 0,3% (N=104) im ersten Studienzeitraum auf 1,5% (N=802) im aktuellen Studienzeitraum. Frauen wurden insgesamt seltener auf Albuminurie getestet (1,3% Frauen (N=341) vs. 1,8% Männer (N=461)).
Der Anteil der HF-Patient:innen mit CKD, die bis 6 Monate nach der CKD-Diagnosestellung mit einem Inhibitor des Renin-Angiotensin-System (RASi) in Kombination mit einem SGLT2i behandelt wurden, steig von 14,1% (N=407) im ersten Studienzeitraum auf 33,0% (N=800), wobei Frauen seltener mit RASi+SGLT2i behandelt wurden (erster Studienzeitraum: 10,7% (N=162) Frauen vs. 18,0% (N=245) Männer; aktueller Studienzeitraum: 27,1% (N=339) Frauen vs. 39,4% (N=461) Männer). Im Vergleich dazu erhielten 45,5% (N=533) der Männer und 31,8% (N=398) der Frauen mit diagnostizierter CKD einen SGLT2i.
Schlussfolgerungen:
Die Follow-Up-Analyse der InspeCKD-Studie verdeutlicht leichte Verbesserungen im Screening, insbesondere bei der UACR-Bestimmung von CKD-Risikopatient:innen mit HF. Dennoch ist ein Anteil von <2% der HF-Patient:innen mit UACR-Bestimmung nach wie vor zu gering. Die Diagnostik zur Früherkennung einer CKD bleibt somit bei Risikopatient:innen mit HF insgesamt und bei beiden Geschlechtern unzureichend. Obwohl der Anteil der HF-Patient:innen mit CKD und leitliniengerechter CKD-Therapie mit RASi+SGLT2i (GDMT) um das 2,3-fache anstieg, erhält die Mehrheit der CKD-Patient:innen trotz 1A Empfehlung der KDIGO für den Einsatz von SGLT2i bei Patient:innen mit CKD und HF, unabhängig vom Ausmaß der Albuminurie, keine GDMT. Frauen mit HF und CKD werden im Vergleich zu Männern noch seltener leitliniengerecht behandelt.
Trotz bisher erzielter Fortschritte verdeutlichen die Daten den nach wie vor hohen Optimierungsbedarf zur Verbesserung der kardiorenalen CKD-Versorgung, insbesondere auch in Hinblick auf die Unterversorgung der CKD bei Frauen.